18.07.2019 - 14:02 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Medienprävention an der Lobkowitz Realschule Neustadt: Schüler lernen im "Digi Camp" den Umgang mit Social Media

Internet, Smartphones und soziale Medien bieten unbegrenzte Möglichkeiten – aber auch viele Gefahren bis hin zu Cybermobbing. 120 Schüler der Lobkowitz-Realschule trainieren deshalb drei Tage lang mit Medienexperten eines Bonner Start-ups.

Im Workshop "Top of the Pods" erklärt Referentin Hannah Lücke vom Start-up "BG3000" aus Bonn den Schülern, wie sie Podcasts erstellen.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

"Immer online – nie mehr allein?", so heißt das Gemeinschaftsprojekt zur Medienprävention der Barmer-Krankenkasse gemeinsam mit dem TÜV Rheinland und Experten des Bonner Start-ups "BG3000". 120 Schüler der neunten Jahrgangsstufe der Lobkowitz-Realschule in Neustadt trainierten drei Tage lang in einem "Digi-Camp" den sicheren Umgang mit dem Internet. Bin ich schon süchtig? Sind meine privaten Daten sicher? Wann beginnt Cybermobbing? Diese und viele weitere Fragen zu Sicherheit und Respekt im Netz, zu gesunder Ernährung oder neuester Präsentationstechniken standen im Vordergrund.

Hintergrund des Projekts ist die große Beliebtheit von Smartphones bei Jugendlichen und deren intensive Nutzung des Internets. "Knapp 97 Prozent aller 12- bis 19-Jährigen in Deutschland besitzen ein Smartphone", sagt dazu Barmer-Regionalgeschäftsführer Hans Kost. "Heranwachsende tauschen sich über WhatsApp aus, geben im Internet Fotos und persönliche Informationen preis." Weil sich Jugendliche der Gefahren häufig nicht bewusst seien, ist es laut Kost "höchste Zeit", ihnen "digitale Kompetenz" zu vermitteln. "Das Thema Mediennutzung gehört deshalb frühzeitig in die Klassenzimmer."

Kooperation mit Barmer

Genau dies sei im Lehrplan bisher noch zu wenig verankert, findet Ramon Gomez-Islinger. Der Konrektor der Lobkowitz-Realschule sagt, die Schüler hätten im Unterricht zwar durchaus mit digitalen Inhalten zu tun, zum Beispiel mit dem 3-D-Konstruktionsprogramm CAD. Welche Gefahren jedoch die alltägliche Nutzung des Internets birgt, dies werde noch zu wenig thematisiert. Der 54-Jährige organisierte deshalb das "Digi-Camp" an der Realschule: "Wir kooperieren seit Jahren mit Barmer im Sportbereich. Jetzt haben wir erstmals ein gemeinsames Projekt zur Medienprävention." Die Krankenkassen sind gesetzlich dazu verpflichtet, einen Teil ihrer Mitgliedsbeiträge in Präventionsarbeit zu investieren. Barmer beauftragte deshalb das Start-up "BG3000", mit seinen Fachreferenten die Neustädter Schüler für das Internet fit zu machen.

"Bei unseren Digi-Camps geht es hauptsächlich um Social Media", erklärt "BG3000"-Projektorganisatorin Nina Widera. "Unser Ziel ist es aufzuzeigen, dass nicht alles schlecht ist am Internet. Wichtig ist, das Netz sinnvoll zu nutzen und zu überlegen, was ich von mir preisgebe." Das Projekt ist laut Widera genau auf die Neuntklässler zugeschnitten: "In dem Alter sind die Jugendlichen voll dabei. Facebook ist ja schon wieder out. Es geht mehr um das Zocken oder Instagram." Betroffen seien beide Geschlechter. Auch die Gruppendynamik spiele häufig eine Rolle: "Viele wollen Plattformen wie Instagram haben, weil es alle nutzen. Man erhält Likes auf die eigenen Fotos und gewinnt somit soziale Bestätigung."

Fünf Stunden im Internet

Von den Schülern selbst wird dies bestätigt. So erzählt Deniz Murat, dass sie das Handy täglich fünf Stunden lang nutzt. "Besonders für Instagram", sagt die 15-jährige Weidenerin. "Vieles, was wir in den Workshops gelernt haben, wusste ich noch nicht. Vor allem auf sicherere Passwörter werde ich zukünftig mehr achten." Auch Leonie Pscheidt aus der 9c findet die Workshops "interessant". "Ich hab viele neue Eindrücke gewonnen." Im Alter von 10 Jahren bekam die heute 15-Jährige ihr erstes Handy. Sie nutzt es nach eigener Einschätzung circa drei Stunden am Tag. An der Lobkowitz-Realschule ist sie inzwischen Medientutor und damit eine Art Streitschlichter für das Digitale. Ihre Aufgabe ist es, Cybermobbing unter den Schülern möglichst schon im Keim zu ersticken. Obwohl sie medienaffin ist, sagt sie mit Blick auf das "Digi-Camp": "Ich habe hinzugelernt."

Problematisch ist auch, dass vielen Eltern nicht bewusst ist, "was ihr Kind den ganzen Tag am Handy macht", sagt dazu Gomez-Islinger. "Viele Eltern äußern oftmals Handlungsunsicherheit im Bereich der Medienfragen. Deshalb ist digitale Medienerziehung eine gemeinsame Aufgabe von Elternhaus und Schule", sagt der Konrektor. Er betont: "Der Dialog der Eltern mit den Kindern über deren Surfverhalten ist wichtig." Dies sei entscheidend, um den Schülern "einen verantwortungsbewussten Umgang mit Endgeräten" beizubringen.

Die digitale Medienerziehung ist eine gemeinsame Aufgabe von Elternhaus und Schule.

Konrektor Ramon Gomez-Islinger (54)

Konrektor Ramon Gomez-Islinger (54)

Start-up "BG3000":

Digitale Bildung für Minderjährige

Die "BG3000 Service GmbH" ist ein Start-up aus dem rheinländischen Bad Godesberg – daher auch die Namensbezeichnung "BG". Das 2015 gegründete Unternehmen hat es sich zum Ziel gesetzt, die "digitale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu fördern". Es setzt sich deshalb für Chancengleichheit und Kompetenzförderung in der digitalen Bildung ein und bezeichnet sich selbst als "Marktführer in digitalen, kontextbezogenen Trainingsangeboten an Schulen". Mit seinen Bildungsangeboten "Digi Camps" und "Lehrer Digi Camps" hat "BG3000" nach eigenen Angaben bisher mit Fachreferenten und Medienexperten über 12.000 Schüler in Deutschland trainiert.

Vielen Schülern sei nicht bewusst, dass ihre privaten Daten im Netz sehr leicht missbräuchlich genutzt werden könnten, sagt Ramon Gomez-Islinger, Konrektor der Lobkowitz-Realschule Neustadt.
Referent Frieder Krauß von "BG3000" übt mit den Schülern den sicheren Umgang mit dem Internet.
Bei dem Digi-Workshop in der Lobkowitz-Realschule durften die Schüler in Workshops selbst tätig werden und sich ausprobieren.
Die Realschülerin Leonie Pscheidt aus der 9c ist Medientutorin an der Lobkowitz-Realschule. Ihre Aufgabe: Cybermobbing unter Mitschülern möglichst schon im Keim zu ersticken und auf einen fairen Umgang in der digitalen Kommunikation zu achten.
Bis zu fünf Stunden täglich: Deniz Murat (15) nutzt ihr Smartphone am meisten für Instagram.

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