13.11.2018 - 14:43 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Mehr als ein schwarzer Punkt

Die Gräuel des Kriegs, Einblicke in seine Gefühlswelt und ein Appell an die Gesellschaft - Simon Jacob, Vorsitzender des Zentralrats Orientalischer Christen in Deutschland, hält in der Neustädter Stadthalle einen mitreißenden Vortrag.

Simon Jacob hält einen emotionalen und nachdenklich stimmenden Vortrag über die Situation im Nahen Osten. Er appelliert an die Gesellschaft.
von ENSProfil

"Der Krieg hat sich in die Köpfe der Menschen verlagert. Das Smartphone ist mittlerweile die gefährlichste Waffe. Beim Gebrauch eines Gewehrs sind einem die Konsequenzen bewusst. Bei einem Smartphone häufig nicht", begann Jacob. Das Auseinandersetzen mit der Digitalisierung sei eine der wichtigsten Aufgaben der Gesellschaft. Der ständige Fluss an Information werde vor allem von jungen Menschen immer weniger kritisch rezipiert.

Jacob selbst wurde bereits Opfer dieses unreflektierten Umgangs mit Information. Auf Facebook kursierte ein Bild vom ihm, das bei einem seiner Aufenthalte im Nahen Osten geschossen wurde, und auf dem angeblich Kämpfer des Islamischen Staats (IS) zu sehen sind. "Der Post wurde mehrfach geteilt. In dem Moment hat dieser Nutzer mit meinem Leben gespielt", meinte der Referent.

Dabei läge ihm nichts ferner. Als freier Journalist war er unter anderem für ARD, ZDF oder "Die Zeit" im Einsatz. "Ein muslimischer Clanführer zeigte mir einmal ein weißes Blatt Papier mit einem schwarzen Punkt darauf. Er fragte, was ich sähe. Ich antwortete, einen schwarzen Punkt. Genau darin lag der Fehler. Er erklärte mir, dass die Menschen immer nur den schwarzen Punkt, Hass und Leid, sähen. Den Großteil, das Weiße, das Schöne und den Frieden, würden sie ausblenden", erzählte Jacob.

Dann sei ihm bewusst geworden, dass er ständig über Krieg, Tod und Leid berichte. 2015 rief er deshalb die "Peacemaker-Tour" ins Leben. Zuvor lehnten verschiedene Medienanstalten seine Pläne ab, da sich gute Nachrichten nicht verkaufen ließen. Jacob machte sich auf den Weg in die Türkei, nach Syrien, den Irak und den Iran. Seine Erlebnisse und Gedanken hält er dabei in einem Buch fest, aus dem er auch einige Passagen vorliest. Gespannt folgten die Vortragsbesucher seinen Ausführungen.

Vor allem die Gräuel, die der Friedensbotschafter erlebt hatte, schockierten die Gäste. Er berichtete von Bombardierungen, Kriegsverbrechen und Selbstzweifeln. "Viele meiner Freunde sind im Kampf gegen den IS gestorben. Auch der Clanführer ließ 2016 sein Leben", erzählte Jacob.

Dennoch müsse man das Erlebte aufarbeiten und vergeben. "Wir dürfen uns nicht dem Hass hingeben. Hass führt nur zu Krieg und noch größerem Leid", appellierte er. Außerdem müsse man sich für das, was wir in Europa haben, einsetzen. "Wir brauchen keinen Extremismus und keinen Populismus. Bei uns läuft nicht alles perfekt und auch die Bürokratie in Brüssel ist nicht optimal. Aber wir haben das, wonach sich alle sehnen: Sicherheit und Stabilität. Das müssen wir schätzen und bewahren."

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