27.03.2019 - 15:51 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Mixtura Cantorum mischt auf

Zu "Chor- und Orgelmusik aus sechs Jahrhunderten" luden der Dirigent und Musikforscher Karl Heinz Malzer und der Lions-Club Lobkowitz die Freunde anspruchsvoller Chormusik in die Stadtpfarrkirche ein. Und das war nicht zuviel versprochen.

Der überregionale Chor mit Mixtura Cantorum im Fränkischen Sängerbund begeistert die Besucher in der Neustädter Stadtpfarrkirche.
von Erich HiltlProfil

Der überregionale Chor mit Mixtura Cantorum im Fränkischen Sängerbund, eine Gründung des früheren Bundes-Chorleiters Karl-Heinz Malzer aus Altenstadt/WN, bot ein exzellentes Programm mit einem bestens geschulten Ensemble von 50 aktiven Sängern sowie Orgel-Solisten mit Tobias Kerscher und Klara Bäumler.

Der Förderverein Mixtura Cantorum wurde 2008 gegründet, um die Menschen mit anspruchsvollen und wertvollen Kompositionen zu verwöhnen und gerade auch die Oberpfälzer Komponisten mit ihren wunderschönen Kompositionen vorzustellen. An diesem Abend waren es Martin Vogt aus Kulmain und Hans Koessler aus Waldeck.

Mittlerweile hat sich Karl-Heinz Malzer, geboren in Pleystein, zuletzt Studiendirektor am Gymnasium in Neustadt und geschätzter Bundes-Chorleiter für 1600 Chöre in Nordbayern, mit einem Grundlagenwerk über den in Neustadt geborenen Franz Gleißner (1761 bis 1818) große Verdienste erworben.

Das musikalische Angebot begann mit Kompositionen aus der Spätrenaissance und dem Barock von Ruggiero Giovanelli, Johann Hermann Schein, Antonio Ingegneri und Johann Ludwig Bach. Es folgten die Oberpfälzer Martin Vogt mit "Salve Regina" und Hans Koessler mit "Wanderers Nachtlied" und "Die Nacht". Bei Martin Vogt ist die Nähe zu Michael Haydn, bei dem er in Salzburg Unterricht nahm, deutlich zu spüren.

Bei Koessler lässt sich die Verwandtschaft mit Max Reger ebenfalls nicht leugnen. Seine kraftvollen und äußerst anspruchsvollen achtstimmigen Werke strotzen nur so von spätromantischen Klangballungen und subtiler Chromatik. Felix Mendelssohns Motette "Richte mich Gott" überzeugte durch eine prachtvolle achtstimmige Klangpalette. Mit allen Mitteln der romantischen Tonsprache und harmonischer Dichte wurde die achtstimmige Motette "Hilf mir Gott" von Albert Becker interpretiert.

Alle diese romantischen Werke benötigen zu dieser Klangentfaltung und Klangpracht einen gut aufgestellten und zahlenmäßig großen Chor wie ihn die Mixtura anbietet. Aufgelockert wurden die chorischen Darbietungen mit wunderbaren Orgelzwischenspielen durch Tobias Kerscher, einem ehemaligen Schüler des Gymnasiums Neustadt. Kerscher bekam nach der "Festmusikk" von Mons Leidvin Takle einen zusätzlichen Zwischenbeifall des Publikums, das durch diese selten zu hörende, heiter und virtuose Orgelmusik freudig angeregt wurde.

Mit kleinen Kostbarkeiten wie "Sweet and low" und "I sat down" der Engländer Sir Joseph Barnby und Sir Edward Bairstow überraschte der Chor, durchsichtig und zart mit subtiler Textausdeutung gesungen.

Weitere anspruchsvolle Sätze von Knut Nystedt und John Taverner und den noch lebenden Komponisten Vytautas Miškinis aus Litauen, Jaakko Mäntyjärvi aus Finnland und dem Spanier Javier Busto rundeten das herausragende Konzert ab.

Der mit 19 Männerstimmen und 31 Frauenstimmen besetzte Klangkörper faszinierte durch eine großartige Klangkultur, präzise Einsätze, eine große Klangbreite und Dynamik von zartestem Pianissimo bis zum kraftvollen Fortissimo, dazu kamen eine ausgezeichnete Aussprache und Textverständlichkeit mit klanglicher Transparenz und einer Chor-Disziplin, die sich jeder Chorleiter nur wünschen kann.

Die Sänger kommen aus ganz Süddeutschland und scheuen auch anstrengende Proben nicht. Nur so ist diese Qualität des Chores zu halten, der nur fünf- bis sechsmal im Jahr zusammenkommt.

Lang anhaltender Beifall und stehende Ovationen waren der Lohn für diese einmalige Vorstellung. An die Solisten und den Chorleiter überreichte Christian Kick Blumen und Geschenke.

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