Neustadt an der Waldnaab
16.02.2026 - 17:09 Uhr
OnetzPlus

Morddrohung und zerstörtes Fenster: Linken-Landratskandidat äußert sich

Ein Brief mit Morddrohungen. Ein zerstochenes Wahlplakat. Wenige Tage später wird ein Fenster von Simon Escher-Herzog, Landratskandidat der Linken, mit einem Stein eingeworfen. Was sagt der Betroffene? Und wie ist der Ermittlungsstand?

Es ist 2.40 Uhr, als Simon Escher-Herzog, Landratskandidat der Partei „Die Linke“ im Landkreis Neustadt/WN, in der Nacht zum Freitag aus dem Schlaf gerissen wird. „Ich habe einen Schlag gehört“, erinnert er sich im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Der 37-Jährige, der auf dem Sofa eingeschlafen war, blickt nach draußen. „Zuerst habe ich nichts gesehen.“ Als er sein Schlafzimmer betritt, „habe ich mich gefühlt wie im falschen Film“. Auf dem Boden liegt zwischen Scherben der eingeworfenen Fensterscheibe ein in Zeitungspapier eingewickelter Stein. Gehüllt in den Artikel, der wenige Tage zuvor über Simon Escher-Herzog im „Neuen Tag“ erschienen ist und die Mord- und Gewaltdrohung gegen ihn thematisiert hatte.

Escher-Herzog alarmiert sofort die Polizei, die wenige Minuten später im Haus des 37-Jährigen eintrifft, Fotos macht, Spuren sichert. „Am Vormittag kam dann auch der Staatsschutz und hat den Tatort untersucht“, sagt der Landratskandidat. „Der Stein wird aktuell untersucht“, informiert Jonas Krauß, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, auf Nachfrage. Für Escher-Herzog stellt dieser Vorfall eine neue Eskalationsstufe dar. Anfang Februar fand der 37-Jährige einen zerknüllten Brief in seinem Briefkasten, in dem ihm ein oder mehrere Täter explizit mit Gewaltszenarien und sogar Mord drohten, sollte er seine Kandidatur nicht zurückziehen. Wenige Tage später tauchte in seinem privaten Garten eines seiner Wahlplakate auf – das Gesicht mit zahlreichen Löchern zerstochen. „Das Plakat war so platziert, dass ich es sofort sehen musste, als ich das Haus verließ“, berichtete er gegenüber Oberpfalz-Medien kurz nach dem Vorfall.

"Hätte mich am Kopf treffen können"

Kaum eine Woche später wird Escher-Herzog aus dem Schlaf gerissen, als ein oder mehrere Unbekannte sein Fenster einwerfen. „Wer auch immer das getan hat, hat den Stein von einer öffentlichen Straße aus geworfen“, sagt der 37-Jährige. Für ihn ist besonders schockierend: „Der Stein ist in mein Schlafzimmer geworfen worden. Hätte ich in dieser Nacht in meinem Bett geschlafen, hätte mich der Stein am Kopf treffen können.“

Für den Landratskandidaten ist die Motivation des oder der Täter klar: „Das muss politisch motiviert sein – vorher bin ich nie angefeindet worden. Seit ich das Gesicht der Linken bin, passiert das. Das Vorgehen ist absolut feige. Man könnte mich ansprechen, mit mir diskutieren, wenn man politisch andere Ansichten hat. Aber das geht zu weit.“ Die Angriffe hinterlassen Spuren. „Ich bin kein Weichei, aber es macht etwas mit einem“, sagt er. Geräusche in der Nacht nehme er anders wahr. „Wenn draußen ein Auto hält, frage ich mich sofort: Was passiert da? Will jemand etwas von mir?“ Zuhause fühle er sich derzeit nicht mehr unbeschwert. „Aber ich will mir dieses Gefühl nicht nehmen lassen. Ich lasse mich nicht vertreiben.“

Zeugenaufruf bisher ohne Erfolg

In allen drei Fällen ermittelt das Fachkommissariat für Staatsschutz der Kriminalpolizeiinspektion Weiden, unter anderem wegen Bedrohung und Sachbeschädigung. Die ermittelnden Beamten gehen aufgrund der „örtlichen und thematischen Überschneidungen“ davon aus, dass ein Zusammenhang der Fälle bestehe. „Die Polizei nimmt grundsätzlich jeden Vorfall ernst. Deshalb ist es der Kriminalpolizeiinspektion Weiden ein großes Anliegen, den Sachverhalt aufzuklären. Zu einem möglichen Motiv des oder der Täter können wir zum aktuellen Zeitpunkt noch keine Angaben machen“, informiert der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz. Auch ein Zeugenaufruf, mit dem sich die Polizei am Freitag an die Öffentlichkeit gewandt hat, sei bisher ohne Ergebnis geblieben.

Von einer akuten Gefahrenlage für Escher-Herzog gehe die Polizei aktuell nicht aus. „Wir gehen weiterhin davon aus, dass es sich um Einschüchterungsversuche handelt, die ihn dazu bewegen sollen, sich politisch zurückzuziehen“, betont Krauß gegenüber Oberpfalz-Medien. Welche Ermittlungsmaßnahmen die Beamten derzeit verfolgen, dazu könne er sich nicht äußern. „Aber ich kann sagen: Wir ermitteln in alle Richtungen.“ In diesem Zusammenhang bittet der Sprecher des Polizeipräsidiums erneut Zeugen, die im Bereich der Inneren Flosser Straße in Neustadt/WN auffällige Beobachtungen gemacht haben, sich an die Kriminalpolizei Weiden unter der Telefonnummer 0961/401-2222 zu wenden. „Wir sind dankbar über jeden Hinweis“, sagt Krauß.

"Angriff auf Demokratie"

Unterstützung erhält Escher-Herzog auch aus den eigenen Reihen. Nach den ersten Vorfällen hatte sich unter anderem Martin Bauhof, Landessprecher der Linken Bayern, zu Wort gemeldet und von einer besorgniserregenden Entwicklung gesprochen. „Wir verurteilen diese Eskalation und die Gewalt gegen Simon Escher-Herzog aufs Schärfste“, erklärt auch Thomas Wipper, Co-Kreissprecher der Linken Nordoberpfalz. „Jede Form von Einschüchterung oder Bedrohung von Menschen, die sich politisch engagieren, ist ein Angriff auf unsere Demokratie."

Der Fall Escher-Herzog schlägt Wellen. In den bundesweiten Medien – und auch auf Bundesebene der Linken. Nach dem erneuten Vorfall meldete sich Jan van Aken, Bundesvorsitzender der Linken, bei dem 37-Jährigen. „Er hat sich erkundigt, wie es mir geht und hat gefragt, ob die Bundespartei etwas für mich tun kann“, erzählt Escher-Herzog. Auch Sebastian Giering, Bürgermeister von Neustadt/WN, habe sich unterstützend an ihn gewandt. Giering selbst war 2020 mit Morddrohungen gegen sich konfrontiert.

Solidaritätskundgebung in Neustadt

„Doch von allen anderen Parteien aus Neustadt kam nichts. Das finde ich enttäuschend. Man kennt sich, wir alle wollen das Gleiche: politisch etwas Gutes bewegen. Da sollte man zusammenhalten. Denn so etwas kann jeden treffen – unabhängig von Parteigrenzen“, sagt Escher-Herzog. Der 37-Jährige will seine Kandidatur nicht zurückziehen. „Dieser Gedanke ist mir trotz all der Vorfälle gegen mich nie gekommen“, sagt er.

Um die Solidarität zu Escher-Herzog auszudrücken, veranstaltet das Oberpfälzer Bündnis für Toleranz und Menschenrechte Neustadt/Weiden am Samstag, 21. Februar, um 13 Uhr eine Solidaritätskundgebung auf dem Neustädter Stadtplatz. „Ein Drohbrief und ein Steinwurf in sein Wohnhaus sind ein Angriff auf demokratische Grundwerte. Einschüchterung und Gewalt dürfen keinen Platz haben“, heißt es in einer Pressemitteilung des Bündnisses.

Neustadt an der Waldnaab13.02.2026
OnetzPlus
Neustadt an der Waldnaab09.02.2026
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.