12.03.2021 - 15:41 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Mülldeponie holt Neustadt/WN ein: Freizeitanlage in Gefahr?

Im allerschlimmsten Fall wird in Neustadt in den nächsten Jahren die Freitzeitanlage gesperrt und der Boden komplett abgetragen. Allzu wahrscheinlich ist das nicht. Doch die Stadt braucht Klarheit, was dort alles unter der Erde liegt.

Bürgermeister Sebastian Dippold (links) zeigt mit Stadt-Geschäftsführer Peter Forster auf einer Karte, wie groß einst die Mülldeponie an der Waldnaab war. Auf dem Gelände hinter ihnen lagerte Hausmüll. Näheres müssen nun Boden- und Grundwasserproben ergeben.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Die Waldnaabauen mit Campingplatz, Gastronomie, Musikpavillon, Jugendtreff "Freiheit", Fußball-, Volleyball- und Basketballfeld sind ein Filetstück der Kreisstadt. Es trägt den schlichten Namen "Freizeitanlage" und ist an Sommertagen von Hunderten Menschen täglich besucht.

Nur die älteren Neustädter wissen, dass die grüne Idylle jahrzehntelang alles andere war, nämlich eine Mülldeponie. Die existierte von den 1940er-Jahren bis 1977. "Alles genehmigt, alles legal", erzählt Bürgermeister Sebastian Dippold, der damals noch gar nicht geboren war.

Bereits früher Untersuchung

Nun muss er sicherstellen, dass von dieser ehemaligen Kippe keine Gefahr ausgeht. Das fordert das Landratsamt. Es hat einen 20 Jahre alten Schriftwechsel zwischen Stadt und Kreisbehörde ausgegraben. Denn bereits Ende der 1990er Jahre wurde das Gelände von einem Ingenieurbüro aus Weiden untersucht und in den Altlastenkataster des Freistaats aufgenommen. "Weiter geschehen ist nichts", sagt Dippold.

Doch nun macht das Landratsamt Dampf. "Das ist im Prinzip richtig, das muss geklärt werden, denn wir wissen nicht, was drin liegt", betont der Rathauschef. Klar sei bislang nur: Im Bereich der Gramau, also beim Fußballplatz, war Hausmüll gelagert worden. Weiter vorne, Richtung Feuerwehr, bestand eine Bauschuttdeponie.

Gifte wie Arsen und Blei wie im Fall der alten Glasfabriken, werden nicht vermutet, erklärt Peter Forster, der städtische Geschäftsführer. Nun muss das Rathaus Untersuchungen für Boden und Grundwasser ausschreiben. Sollte danach tatsächlich Gift oder anderer Problemmüll auftauchen, müsste das Gelände über Jahre hinweg abgeriegelt, saniert und einige der Gebäude abgerissen werden.

Das mögen sich Forster und Dippold zurzeit gar nicht ausmalen, zumal die Stadt eigentlich an der Erneuerung der Freizeitanlage mit all ihren Spielplätzen, Liegewiesen und Sportplätzen arbeitet. Das liegt nun auf Eis, bis Sachverständige grünes Licht geben, dass nicht tonnenweise Boden entsorgt werden muss. Das kann durchaus ein Jahr dauern.

Serenaden noch unklar

Einstweilen plant Dippold die Sommersaison in der Freizeitanlage, soweit Corona dies zulässt. Ob es Sommerserenaden geben wird, muss erst noch der Kulturausschuss entscheiden.

Dass die Altlastenproblematik zur unendlichen Geschichte und zum Fass ohne Boden wird, wie einst die Glasindustrie, glaubt Forster nicht. "Wenn etwas wäre, wird das über die GAB, die Gesellschaft für Altlasten Bayern, gefördert. Da muss man rechtzeitig in ein Programm zur Entsorgung reinkommen." Ein Trost: Hausmülldeponien, die verfüllt und anderweitig genutzt wurden, haben sehr viele Kommunen in Bayern. Sie alle müssen mal nachschauen lassen, was dort in der Erde oder im Grundwasser lagert.

Die Onetz-Themenseite zu Altlasten in der Region

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.