13.05.2019 - 16:08 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Musik für die Seele

Zu einem Klangerlebnis solle das Muttertagskonzert des Salonorchesters werden, begrüßt musikalischer Leiter Nicolaus Dick die Gäste. Die Aufgabe erfüllen die professionell agierenden Musiker mit Bravour und werden gefeiert.

Das Orchester bzw. Teile davon während des Muttertagskonzerts des Salonorchesters Neustadt/WN
von FSBProfil

Wie seit vielen Jahren führte Moderatorin Maria Hirsch gekonnt mit Informationen zu den Werken und Komponisten sowie netten Anekdoten durch das Programm in der nahezu voll besetzten Stadthalle. Besonders willkommen hieß sie alle Mütter mit dem Gedicht „Ein Wunder ist die Welt für ein Kind, und nur ein Kind kann verstehen, was wir schon lange nicht mehr sehen.“ Zu Beginn zitierte sie den griechischen Philosophen Platon: „Musik und Rhythmus finden ihren Weg zu den geheimsten Winkeln der Seele.“ Deshalb empfahl sie dem Publikum, sich auf Empfang zu stellen.

Das Orchester servierte einen bunten Reigen von Märschen, Polkas und Walzern, die einem vielleicht nicht unbedingt vom Titel, aber schon nach wenigen Takten vom Hören her bekannt vorkamen. Die Stücke stammten überwiegend von österreichischen, ungarischen und böhmischen Komponisten aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, zu Zeiten des Kaisertums Österreichs und der Doppelmonarchie. Dirigent Dick hatte seine über 40 Streicher, Bläser und Perkussionisten aller Altersstufen bis in Nuancen unter Kontrolle und entlockte ihnen dynamische Abstufungen und feinste Details.

Zu Beginn des beschwingten Nachmittags ertönte „Semper Fidelis“ (Allzeit treu) des Amerikaners John Philip Sousa, dem „König der Marschmusik“. Der flott interpretierte US-Marine-Marsch gehört zum Standardrepertoire von Blaskapellen in aller Welt. Danach war Johann Strauß Sohn mit einer Polka française zu hören. Der Frauenschwarm hatte sie für seine heimliche Liebe Olga aus Petersburg komponiert. Aus Rache, weil sie einen anderen heiratete, benannte er das Werk, in dem Vogelgezwitscher und Kuckucksrufe eingearbeitet sind, von „Pawlowsk-Park“ in „Im Krapfenwaldl“ um, nach einem hügeligen Waldgebiet in Wien.

Als Johann mit seinem Bruder Josef in Pawlowsk weilte, schufen sie gemeinsam eine perlende Köstlichkeit: die berühmte „Pizzicato-Polka“ (op. 449), bei der die Streicher die Saiten mit den Fingern im Staccato zupfen und man sich an einem sonnigen Tag im Wald wähnt. Konzertmeister Edwin Langheinrich eröffnete mit einem Vorspiel den zunächst schwermütig und langsam klingenden Walzer „Dorfkinder“ des Ungars Emmerich Kálmán. Durch das mehrteilige Stück, das in lebensfrohen Dur-Charakter übergeht, zieht sich Kálmáns Erfahrung von Heimatlosigkeit und Verlust.

Auch der „Florentiner Marsch“ des tschechischen Kapellmeisters Julius Fučík mit fröhlicher Grundstimmung hatte ursprünglich einen anderen Namen, der vom Verleger oder aus politischen Gründen geändert wurde: „La rosa di Toscana“ ließ die Zuhörer von „la bella“ Florenz träumen.

Mit typisch wienerischen Klängen wurden nach der Pause die „Moulinet Polka“ von Josef Strauß mit Dur- und Mollabschnitten sowie die gemütliche, mit Trommelwirbel endende Polka française „Bitte schön“ von Johann Strauß präsentiert. Ausdruck wienerischer Lebensfreude und Lebenslust konnte auch dem Walzer „Faschingskinder“ (op. 382) von Carl Michael Ziehrer entnommen werden. Das längere Stück schloss mit fulminantem Vollklang. Ein Werk, das angesichts der Tempovariationen vollen Einsatz des Dirigenten verlangte, war der zunächst bedächtige Walzer „Badner Madln“ des böhmischen Komponisten Karl Komzák jun.

Den Abschluss des höchst unterhaltsamen Konzerts bildete der als Ouvertüre in der Zirkusmusik bekannte Marsch „Einzug der Gladiatoren“ (op. 68) von Julius Fučík mit seinen Fanfarenklängen. Mit den Worten von Maria Hirsch „Wenn der Alltag mal wieder grau ist, erinnern Sie sich an diese schönen Melodien“, endete das offizielle Programm.

Doch natürlich kam das Orchester nicht um Zugaben herum, die begeistert mitgeklatscht wurden: Nach dem Pop-Medley „Mamma Mia“ mit „Dancing Queen“ und „S.O.S“ folgte noch die „heimliche Hymne“ der Luftwaffe, der „Fliegermarsch“ des Österreichers Hermann Dostal aus dessen Operette „Der fliegende Rittmeister“, bevor wieder Peter Kreuders langsamer Walzer „Sag zum Abschied leise Servus“ das Zeichen zum Aufbruch signalisierte.

Moderatorin Maria Hirsch weiß Informatives und Unterhaltsames zu den Kompositionen beim Muttertagskonzert des Salonorchesters Neustadt zu berichten.
Das Orchester bzw. Teile davon während des Muttertagskonzerts des Salonorchesters Neustadt/WN
Das Orchester bzw. Teile davon während des Muttertagskonzerts des Salonorchesters Neustadt/WN
Das Orchester bzw. Teile davon während des Muttertagskonzerts des Salonorchesters Neustadt/WN
Das Orchester bzw. Teile davon während des Muttertagskonzerts des Salonorchesters Neustadt/WN
Das Orchester bzw. Teile davon während des Muttertagskonzerts des Salonorchesters Neustadt/WN
Das Orchester bzw. Teile davon während des Muttertagskonzerts des Salonorchesters Neustadt/WN
Das Orchester bzw. Teile davon während des Muttertagskonzerts des Salonorchesters Neustadt/WN
Konzertmeister Edwin Langheinrich beim Walzer „Dorfkinder“ zusammen mit dem musikalischen Leiter Nicolaus Dick
Konzertmeister Edwin Langheinrich beim Walzer „Dorfkinder“
Das Orchester bzw. Teile davon während des Muttertagskonzerts des Salonorchesters Neustadt/WN
Das Orchester bzw. Teile davon während des Muttertagskonzerts des Salonorchesters Neustadt/WN
Das Orchester bzw. Teile davon während des Muttertagskonzerts des Salonorchesters Neustadt/WN
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