10.05.2019 - 17:41 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Muttertag: Väter im Stress?

An Muttertag dreht sich alles um die Frauen. Doch was bedeutet der kommende Sonntag eigentlich für die Väter? Ein Gastwirt, ein Pfarrer und ein Bürgermeister erzählen, wie sie den Ehrentag erleben.

Der Muttertag sei für die ganze Familie ein "Großkampftag", sagt Gastwirt Christian Lang.
von Tobias GräfProfil

Der obligatorische Strauß Rosen - für viele Männer gehört er fest zum Muttertag. Ist dies aufrichtige Wertschätzung oder doch nur zum Ritual erstarrte Routine, um das schlechte Gewissen zu beruhigen? Vergessen wird auch gerne die Doppelrolle von Vätern an einem Muttertag: Von ihnen wird oftmals erwartet, neben der eigenen Mutter auch der Gattin gebührend Respekt zu zollen für ihre täglich Rolle als Erzieherin, Haushälterin oder Berufstätige. Drei Väter widersprechen dem "Muttertags-Hype".

Christian Lang ist Vater einer einjährigen Tochter und Gastwirt der "Holzmühle" in Schlammersdorf. Der 36-Jährige spricht vom kommenden Sonntag als einem "Großkampftag". Der Andrang wird so groß sein, "dass wir problemlos ein zweites Wirtshaus mit Gästen füllen könnten", spricht der 36-Jährige aus Erfahrung. Seine schwangere Frau Regina und die Mutter arbeiten alle in der Gaststätte mit, die als Familienbetrieb geführt wird. "Es gibt zwar ein kleines Muttertagsgeschenk, aber wenn ich ehrlich bin, geht der Tag im Arbeitsstress unter. Und das wird dann auch nicht nachgeholt." Mehr als ein gemeinsamer Kaffee mit Kuchen am Nachmittag sei "einfach nicht drin". Mit Oberpfälzer Offenheit gibt sich Lang überzeugt, dass es "auch nicht das Wahre" sei, der "Mutter an diesem einen Tag heile Welt vorzuspielen und die restlichen 364 Tage im Jahr ist alles egal". Der junge Vater ist zwar sicher, dass es sich Mutter und Ehefrau "vermutlich auch anders wünschen würden, aber es ist nun mal so in unserer Branche". Das Verständnis seiner eigenen Mutter scheint Lang sicher zu sein: Als langjährige Besitzerin der "Holzmühle" kennt sie die Eigenarten des Gastrogewerbes bestens.

Den Muttertag erlebt Volker Wappmann (61) der evangelische Pfarrer aus Vohenstrauß "nicht klassisch". Im Vordergrund stehen nicht Geschenke oder eine große Feier, sondern die Familie. Weil seine Ehefrau Karin die "Parole" ausgegeben habe, dass es ihr "lieber ist, sich im laufenden Jahr erkenntlich zu zeigen", gibt es am Sonntag keine Blumen. Das wissen auch die vier inzwischen erwachsenen Kinder. "Meine Frau hat es immer viel mehr gefreut, wenn man von selbst bereit war, im Garten oder der Küche zu helfen - solch spontane Anerkennung bedeutet ihr viel mehr", erzählt der Schulbeauftragte des Dekanats Weiden. Bedeutungslos ist der Muttertag im Hause Wappmann trotzdem nicht: "Am Muttertag kommt die ganze Familie zusammen. Wir treffen uns dann bei der Oma in Floß." Der Pfarrer weiß dabei Geistliches und Weltliches miteinander zu verbinden. Nach dem "Gottesdienstbesuch gibt es ein Sektfrühstück, bei dem auf Mama und Oma getrunken wird, mittags geht es dann meistens ins Wirtshaus". Wappmann fasst lachend zusammen: "Bei uns spielen Blumen keine Rolle, sondern eher der Sekt."

"Bei uns kommt niemand mit Fahnen und Musikkapellen", sagt Rupert Troppmann (64). Der Bürgermeister Neustadts kommt somit gleich auf den Punkt: "Aus dem Muttertag wird bei uns zuhause kein Hype gemacht." Die 91-jährige Mutter wohnt mit im Haus, "die drücke ich dann einmal fest, aber es gibt keine Geschenke". Es sei doch sowieso "viel sinnvoller, die Wertschätzung über das ganze Jahr zu verteilen", sagt Troppmann, Vater dreier erwachsener Kinder und siebenfacher Opa. Vor allem sieht der Politiker keine besondere Rolle für Väter, eher seien dann die Kinder gefordert: "Am Vatertag kommen meine Kinder zu mir, und am Muttertag kommen sie eben zu meiner Frau. Ich gehe dann zu meiner eigenen Mutter. Man gratuliert sich oder ruft an."

Pfarrer Volker Wappmann freut sich auf das Sektfrühstück mit der ganzen Familie.
Neustadts Bürgermeister Rupert Troppmann macht keinen "Muttertags-Hype".

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