Von Uwe Ibl
Sebastian Giering will nach seiner Niederlage bei der Wahl zum Neustädter Bürgermeister sein Stadtratsmandat behalten. "Ich habe vom Wähler einen Auftrag bekommen. Den will ich wahrnehmen", sagt der scheidende Bürgermeister rund zwei Wochen nach der Wahl. "Allerdings habe ich noch keine Ahnung, wohin es mich verschlägt", schränkt er die Zusage mit Blick auf seine persönliche berufliche Zukunft etwas ein.
Auf Jobsuche
Wie die genau aussieht, weiß der künftige Ex-Bürgermeister noch nicht. "Ich muss mir einen neuen Job suchen. Das ist nicht das erste Mal", sagt der gelernte Radiojournalist. Bei Ramasuri will er sein Engagement hochschrauben. Mit der Firma Janner Waagen, bei der er vor dem Wechsel ins Rathaus zuletzt beschäftigt war, hatte er bereits Kontakt. Angebote habe er schon bekommen, bestätigt Giering. "Noch ist alles offen."
Er geht aber davon aus, sich gegenüber den Jahren vor der Zeit als Stadtoberhaupt beruflich umzuorientieren. Zu den Erfahrungen in der Kinder- und Jugend- sowie Öffentlichkeitsarbeit bringt er jetzt noch die aus der Leitung einer Behörde mit ein. "Ich appelliere an Städte mit einem SPD-Bürgermeister, mich als Pressesprecher anzuheuern", schmunzelt der 39-Jährige.
Übergangsgeld
Bis zu dreieinhalb Monate erhält Giering ab Mai dann als ehemaliger Beamter auf Zeit die Höhe seiner letzten Besoldung als Übergangsgeld. So steht es im Bayerischen Beamtenversorgungsgesetz, auf das der Bayerische Gemeindetag nach einer entsprechenden Anfrage verweist.
Erst nach acht Jahren hat ein hauptamtlicher Bürgermeister in Bayern Anspruch auf spätere Pensionszahlungen. Diesen Rahmen regelt jedes Bundesland für sich. Im benachbarten Thüringen beispielsweise reichen schon fünf Jahre aus, um einen Pensionsanspruch zu erwerben. "Wurde das berufsmäßige Bürgermeisteramt nicht lange genug ausgeübt, um Anspruch auf Versorgung zu erhalten, erfolgt durch die Gemeinde für die Zeit der Amtsausübung eine Nachversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung", lautet die Auskunft des Gemeindetags zu Situationen wie in Neustadt, wo Giering nach sechs Jahren aus dem Rathausbüro ausziehen muss.
Die Versorgung trägt laut Gemeindetag grundsätzlich der Dienstherr. Das bedeutet auch, dass die Stadt jetzt eine Nachversicherung in die gesetzliche Rentenversicherung des scheidenden Bürgermeisters einzahlen muss. Im Haushalt schlägt sich das nach Auskunft von Kämmerin Bianca Köhler kaum nieder, da dafür die während der Amtszeit gebildete Versorgungsrücklage wieder zurückfließt. "Das gleicht sich weitgehend aus."
Erfolge dauern
Einen Großteil seines Urlaubs nach der Stichwahl saß Giering an einem Weiher. Angeln? "Einfach mal nichts tun." Nachdenken? "Überraschend wenig", antwortet Sebastian Giering. "Ich hätte schon gerne weitergemacht." In seinen Worten schwingt Melancholie und die verpasste Ernte bei zahlreichen von ihm angeleierten Projekten mit.
Anderseits freut sich der Neustädter darauf, Zeit zu haben. "Zeit für Persönliches, für Privates und mehr Zeit für meine Frau." Auch der Sport sei in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen. "Meine Basketballer vermissen mich schon."
Rettungssanitäter statt Reservist
Giering überlegt, die Ausbildung zum Rettungssanitäter fertig zu machen. Die Zwischenzeit bis zu einem neuen Job nennt er eine Chance, Dinge zu tun, die man sonst immer vor sich herschiebt. "Die größte Herausforderung wird es, das Haus meines verstorbenen Papas auszuräumen." Wäre Sohn Sebastian erneut zum Bürgermeister gewählt worden, wäre er bei der Bundeswehr in die Reserve eingetreten und mit der Neustädter Pateneinheit im Herbst ins Feld zurückgekehrt. "Schade", sagt Giering, das dass nichts werde.
Die Politik sei für ihn keine Karriereoption, sondern Dienst am Menschen, an der Sache, meint der Bürgermeister wenige Tage vor dem Ende seiner Amtszeit. Und mit einem Seitenhieb: "Da müsste man schon ein anderes Parteibuch haben. Schwarz bin ich nicht. Ich habe Anstand. Meine Familie ist seit Generationen Rot."
Jedes Stadtoberhaupt vor ihm habe sich ein Denkmal geschaffen. "Ich habe noch keines." Soll es einmal eine Sebastian-Giering-Straße in Neustadt geben? "Nein!"
Bürgermeister im Untergrund
"Es klingt vielleicht komisch, aber ich bin der erste Neustädter Bürgermeister, der in den Untergrund gegangen ist." Damit bezieht er sich auf den Blick in die Abwasserkanäle, um das Leitungsnetz langfristig in Schuss zu halten. "Ich habe die Befürchtung, dass es nicht weitergeht, was wir gemacht haben", verweist er auf die für ihn befremdliche Neustart-Kampagne der CSU im Wahlkampf. "Ich befürchte, dass man diese Themen wieder aus den Augen verliert, weil sie zwar wichtig, aber nicht sexy sind."
Die Kommune müsse Maßnahmen angehen, die unpopulär seien, verweist Giering beim Blick auf die geleistete Arbeit und bevorstehende Aufgaben auch auf Personal wie einen Wassermeister und einen Umwelttechnologen. Ihre Aufgaben habe lange der Bauhof quasi nebenher erledigt. "Seit 2016 hätten wir diese Kräfte gebraucht. Jetzt müssen wir sie haben." Trotz hervorragender Hausmeister benötige außerdem die Stadthalle einen Veranstaltungstechniker, der sich mit den Sicherheitsvorschriften auskenne.
Das mit Thomas Baldauf besetzte technische Bauamt ist für Giering die wichtigste neue Errungenschaft seiner sechs Jahre im Rathaus, um Neustadt ordentlich in die Zukunft zu bringen. "Es ist irre, was Baldauf auf dem Schreibtisch hat." Die anstehende Betonsanierung am Parkdeck sei da nur ein Beispiel.
Stadtplatz
Verrückt nennt Giering das Thema Innenstadt. Der Freistaat fördere Bäume in Städten wegen der Klimaerwärmung. "Wir aber dürfen am Stadtplatz keine pflanzen." Sonst bestehe die Gefahr, Fördergelder zurückzahlen zu müssen, die für den Ausbau des Platzes gezahlt wurden. Weil der Denkmalschutz erst die Entwicklung am Stadtplatz 43, dem ehemaligen Trommer-Anwesen, abwarten wolle, ist bei der Sanierung des schadhaften Pflasters noch nichts sichtbares geschehen. "Ich bin der Meinung, dass die Fahrbahn asphaltiert werden muss", verweist der Bürgermeister auf eine besondere Mischung als Lösung für diesen Bereich.
Das Projekt Altlasten und Tritschlergelände bezeichnet der scheidende Neustädter Bürgermeister als schwierig. "Du nimmst eine Hürde, dann kommt die nächste."
Tritschler in vier Akten
Erster Akt: Die Idee einer Landesgartenschau bringt den Stein ins Rollen, ist aber nicht realisierbar, weil die Gelder nicht zur Altlastensanierung genutzt werden können. Zweiter Akt: Kauf des Geländes zu einem Preis, über den Stillschweigen vereinbart wurde. Giering: "Nicht der berühmte eine Euro." Dritter Akt: Ersatzvornahme der Altlastenbeseitigung durch den Landkreis. Vierter Akt: Die Haftungsfreistellung durch das Umweltministerium begrenzt die Kosten aufgrund weiterer Altlasten für die Stadt auf eine Viertelmillion Euro. Finale: Wahrscheinlich fällt der Vorhang für den weiteren Weg zu früh, um mit der Neugestaltung Ende 2027 fertig zu sein. Nur dann aber gibt es die benötigten Fördergelder.
Welchen Wunsch hat der scheidende Rathauschef für die Zukunft der Stadt? "Dass wir einen gesunden Weg finden und dass das Bewusstsein da ist, dass wir tun müssen, was wir tun müssen, damit es Neustadt gut geht. Es gibt keinen Raum für Luftsprünge." Und ein Tipp für Nachfolgerin Tanja Kippes: "Ich maß es mir nicht an, Tipps abzugeben." Er wisse noch, was ihm Rupert Troppmann zum Amtsantritt gesagt habe, das gebe er auch jetzt weiter: "Allen kannst du es nicht recht machen."













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