23.02.2020 - 18:18 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Neustädter Faschingszug: Narren stürmen die Stadt

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Viele Karnevalsumzüge in Deutschland sind wetterbedingt abgesagt. Nicht so der Neustädter. Das Feiervolk zieht tapfer durch die Stadt, auch wenn der Sturm manche Perücke vom Kopf weht. Etwa 100 Gruppen unterhalten Tausende Besucher.

von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

„Nicht so stürmisch!“, das galt am Sonntag nicht nur für zu betrunkene Faschingsbesucher, sondern auch für das Wetter. Es brauste durch die engen Gassen. Dass die Wagen wackelten, lag wohl eher an den Jecken, die darauf herumtanzten und -sprangen. Aufgrund des Wetters kamen jedoch weniger als die etwa 20.000 Besucher im Vorjahr. Während Neustadts Faschingsvereinsvorsitzender Jürgen Trescher etwa 15.000 Gäste schätzt, meldet die Polizei Neustadt 5000.

Nach Angaben von Trescher zogen etwa 100 Gruppen durch die Stadt, davon neun Faschingsgesellschaften, die bis aus Sulzbach-Rosenberg in die Kreisstadt gekommen waren. Einige kreative Ideen waren wieder dabei. Die Falken aus Neuhaus bei Windischeschenbach kamen im Privatjet und Transvestiten im Neustädter Bordell brachten kosmopolitisches Flair in die Nordoberpfalz.

Mit mehr als 100 Mitwirkenden war der Organisator, der Neustädter Faschingsverein, die größte Gruppe. Zwei Kindergarden, zwei Jugendgarden, Funkenmariechen, die große Garde, der Elferrat und der Vorstand zogen an den Zuschauern vorbei. Am meisten Eindruck machten wohl die Gäste aus Baden-Württemberg: Die etwa 50 Musiker der „Oschtalb Ruassgugga“ aus Aalen trugen aufwendig gestaltete riesige schaurige Masken und machten ordentlich Lärm.

Viele Gruppen nutzten die Gunst der Stunde, um sich über die Stadtpolitik lustig zu machen oder die Gesellschaft zu kritisieren. Blumenmänner von der „Wilden 13“ aus Störnstein setzten sich für Umweltschutz ein. Statt Altlasten sollen Blumen blühen, forderten sie. „Auferstanden aus Ruinen, soll Neustadts Schandfleck erblühen, ob Gartenschau, ob neues Amt, die Wilde 13 bleibt gespannt“, hieß es auf dem Wagen.

Die DJK-Basketballer forderten bei der Gymnasiumsturnhalle: „Hoffen mit ’ner Tribüne drin’. Wo sollen die Zuschauer sonst hin?“ Den Slogan „Fridays for Future“ verwandelten einige Gruppen in „Freibier for Future“ oder „Fridays for Zoigl“. Die Rettungswache Eschenbach kritisierte die verstärkten Angriffe auf Einsatzkräfte: „Früher haben wir Verbände angelegt und Blutdruck gemessen. Heute dürfen wir den Selbstverteidigungskurs nicht vergessen.“

Ein Gutes hatte der Sturm am Ende dann doch: Den ganzen Müll, den die Jecken zurückließen – Plastikbecher, Flyer, Süßigkeiten – fegte er einfach weg.

Info:

Keine Zwischenfälle, trotz Wetters viele Besucher

Der Polizei Neustadt vermeldet keine relevanten Zwischenfälle während des Zuges. Auch die Integrierte Leitstelle meldet "nichts gravierendes", zwei Abtransporte hätte es gegeben. Faschingsvereinsvorsitzender und Organisator Jürgen Trescher ist sehr zufrieden mit dem Ablauf.

Er freut sich, dass trotz des unbeständigen Wetters so viele Leute da waren. Der Verein wollte den Zug auf keinen Fall absagen. Doch nach dem Faschingszug können sich die Vereinsmitglieder nicht entspannen, denn auf der After-Zug-Party in der Neustädter Tiefgarage tummeln sich mehrere Tausend Besucher.

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