Neustadt an der Waldnaab
25.05.2022 - 17:37 Uhr
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Oberpfalzverein Neustadt plant künstlerisch gestalteten Meditationsweg in Felixallee

Eine Verbindung von der Schallerkapelle zur Felixkirche will der Oberpfalzverein in Neustadt schaffen. Die Ideengeber stellen sich einen künstlerisch gestalteten Kreuz- oder Meditationsweg zu aktuellen Themen vor.

„Wir wollen keine Via dolorosa, sondern einen Kreuzweg in anderer Form“, sagt Cornelia Meyer an der Schallerkapelle. Die Schriftführerin des Neustädter Ablegers des Oberpfalzvereins möchte zusammen mit Vorsitzendem Ernst Umann und seiner Stellvertreterin Roswitha Jobst einen meditativen Weg mit künstlerisch gestalteten Säulen hinauf zur Felixkirche schaffen. Einen Zusammenhang mit dem umstrittenen Bauvorhaben auf dem Krankenhausareal habe das Projekt nicht, weist der Oberpfalzverein etwaige Vermutungen zurück.

Bisher ist das ganze eine Idee. Selbst für die Straßenseite, auf der die Stelen stehen sollen, haben die Initiatoren noch keinen eindeutigen Favoriten. Es gehe um eine Aufwertung der Kapelle und dem Kraftort an der Doktorleite. Der Oberpfalzverein geht davon aus, dass die Schallerkapelle ursprünglich als Beginn eines Kreuzweges hinauf zu St. Felix gedacht war.

Erster Schritt war die Kontaktaufnahme mit der Stadt. Im Kulturausschuss herrschte prinzipielle Zustimmung. „Es ist ganz klasse, dass ein Verein in Privatinitiative so etwas plant“, sagte Tobias Knauer (CSU). Er sprach von einem tollen Ansinnen. „Das sollten wir von der Stadt unterstützen.“ Auch der Vorschlag, das Felixbrünnerl einzubeziehen, sei gut. „Wie das finanziell wird, können wir erst dann sehen, wenn die Planungen konkreter werden“, blickte Bürgermeister Sebastian Dippold nach vorne und dankte dem Verein für das Engagement.

In einem weiteren Schritt wollen die Ideengeber an die Kirche herantreten. Wenn die zustimmt und die Resonanz der Bürger positiv ist, planen sie, einen Förderverein zu gründen und Sponsoren zu gewinnen. Mit knapp 50 Mitgliedern ist der Oberpfalzverein zu klein, so ein Projekt allein zu stemmen. Schließlich sollen künstlerisch gestaltete und dauerhafte Stelen auf dem rund 300 Meter langen ansteigenden Pilgerweg platziert werden.

Viel mehr als erste Gestaltungsideen gibt es noch nicht. „Wir sind noch in der Findungsphase“, sagte Meyer. Thematisch sollen die Probleme der Zeit wie Frieden und Umwelt von verschiedenen Künstlern bearbeitet werden und zum Nachdenken anregen. Auf eine Zahl der Stationen habe man sich noch nicht festgelegt. Wichtig ist ihnen zunächst der historische Ort mit der Schallerkapelle am Anfang, an der täglich mehrere 100 Schüler vorbeikommen, und der Felixkirche am Ende, an der sich der Blick weitet.

Schallerkapelle

1968 ist die Schallerkapelle an der Kreuzung der Felixallee mit der Bild-, Zacharias-Frank- und Georgstraße das letzte Mal renoviert worden. Mittlerweile ist das sechseckige Kleinod in einem erbärmlichen Zustand. Der Putz fällt großflächig ab, das Mauerwerk scheint durchfeuchtet und die ungewöhnliche kupfergedeckte Zwiebelkuppel beginnt sich zu neigen. Schon vor 20 Jahren wollte der Oberpfalzverein das Kirchlein herrichten. Das gefiel dem Eigentümer nicht und führte letztlich dazu, dass das historische Bauwerk seitdem weiter verfiel.

Durch die Scheibe an der Tür lassen sich im Inneren des Barockbaus Befundzettelchen erkennen. Die Zeit des Verfalls ist vorbei. Denn mittlerweile ist die Situation eine andere. Die Kapelle gehört seit zwei Jahren der Stadt. Derzeit liefen die Gespräche mit dem Denkmalschutz und dem Architekten, bestätigte Bürgermeister Sebastian Dippold. Der Rathauschef sprach von der Zusicherung, dass die Sanierung noch heuer beginnen solle. Der bauliche Zustand sei besser als es der Augenschein vermuten lasse.

Sagenhafte Geschichte

Der Sage nach sollen in der Kapelle während der von 1560 bis etwa 1620 dauernden protestantischen Zeit in Neustadt die Frühmesse gefeiert worden sein. Das kann aber kaum sein, wenn es stimmt, dass das Kirchlein erst aus der Zeit datiert, als die Felixkirche gebaut wurde.

Eine andere Geschichte mit möglicherweise wahrem Kern ist die vom Tod des legendären Feldherrn Max Piccolomini. Angeblich gab es im Dreißigjährigen Krieg bei Neustadt eine Schlacht der Truppen des Kurfürsten Maximilian mit denen des Feldherren Piccolomini, bei der der Offizier fiel. Noch bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts standen die Totenbretter für die gestorbenen Neustädter an dieser Stelle.

Felixbrünnerl

Die kleine Quellfassung mit dem großen Granitaufbau etwa auf halber Strecke zwischen Schallerkapelle und Felixkirche wird meist nur als Felixbrünnerl bezeichnet. Offiziell ist es der St. Felix Gnadenbrunnen. Früher soll der Wasserzulauf kontinuierlich gewesen sein. In den letzten Jahren liegt das kleine Becken oft auch nahezu trocken. Das Wasser, so glaubte man, solle Linderung bei Augenleiden bringen. Im „Wunderbuch der Felixkirche“ sind mehrere Fälle unerklärlicher Hilfe durch den Brunnen aufgeführt. Drei Wunder beschreibt der Kapuzinerpater Casius für das Jahr 1734:

  • Die Cronwörthin Juliana Poppin hatte Schmerzen im Laib und Augenwehe. "Diese hat das St. Felixi Brindl Wasser getrunken und die Augen gewaschen, wird gleich gesund."
  • Wenz Wokatsch, Schreiber bei Herrn Oberwürtschafter, habe vier Tage lang eine geschwollene Hand gehabt. "Waschet mit der am Felixweg laufenden Brindlwasser, seine Handt wird gesundt."
  • Jungfrau Chatarina Dorothea, Drechslerin aus Neustadt hatte rotfeurige, schmerzliche Augen. "Ruft St. Felix an, waschet ihre Augen bei dem St. Felixbrunnen, tragt ein solches Wasser nach Haus, waschet noch einmal auf die Nacht ihre Augen mit dem Felixwasser, in der Frue waren die Augen frisch und gesundt."
Hintergrund:

Schallerkapelle

  • Älteste Kapelle der Pfarrei St. Georg
  • Erbaut um 1740 von einem fürstlichen Beamten namens Schaller
  • Neues Dach um 1900
  • Renovierung und neue Eisentür 1946, anschließend Weihe zum Laurentiusfest am 11. August
  • Außen- und Innenrenovierung 1968 durch die katholische Kirchenverwaltung: Putzarbeiten durch Baugeschäft Weidner; Dachanstrich von Malermeister Pruischütz; Geländer und feste Eisentür von Metallbau Fritsch mit Verglasung durch Glasermeister Prösl; Altarfassung durch den Regensburger Kirchenmaler Vogel.
  • Seit Mai 2020 gemäß Stadtratsbeschluss vom 3. März 2020 nach einer Schenkung der Eigentümerin, die nach Regensburg zog, im Besitz der Stadt Neustadt
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