24.03.2019 - 13:30 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Vom Ohrwurm infiziert

Ob es stimmt, dass der Name der Vokalgruppe „Bertomijo“ wirklich daher stammt, dass die Sänger einst als mittellose Studenten dort in Italien Urlaub machten? So jedenfalls erklären sie selbst dieses Wort.

von FSBProfil

Doch es sind wohl eher die jeweils ersten Silben der Vornamen der ursprünglichen Bandmitglieder. Denn eine große Portion Humor gehört zu ihren Auftritten. Gegründet vor mittlerweile 19 Jahren anlässlich eines improvisierten Kurzauftritts bei einer Geburtstagsfeier, tourt das semiprofessionelle Ensemble aus Regensburg seit dem Frühjahr 2017 mit seinem nunmehr vierten Bühnenprogramm „Ohrwurm 2 go“ durch die Oberpfälzer Lande.

„Bertomijo“, das sind die Tenöre Michael, Joachim und Johannes, der Bassbariton Andreas und der Bassist Thomas, die teilweise Kirchenmusik, Gesang und Musikpädagogik studiert haben. In der leider nur gut halb gefüllten Stadthalle zeigten sie mit ihrem Konzert mit ausgefeilter Choreographie eine gekonnte Mischung aus „Music & Comedy“, in die das Publikum immer wieder mit einbezogen wurde: Es wurde zum Mitklatschen, zum Mitpfeifen, zum Mitsingen musikalischer Einwürfe als Begleitchor animiert. Mal wurden die Handys als Lichtquellen geschwenkt, mal sich im Stehen zum flotten One-Man-Dance eines der Sänger bewegt: „I like to move it“ aus dem Animationsfilm „Madagascar“.

Bei den erlesenen Arrangements standen die einzelnen ausgebildeten Stimmen zuweilen gleichberechtigt nebeneinander, hauptsächlich begleiteten sie jedoch mit beeindruckendem A-capella-Gesang den jeweiligen Leadsänger. Aber auch an diversen Instrumenten wie Keyboard, Gitarre, Mandoline, Akkordeon oder der mittelalterlichen Cister streuten die fünf Musiker abwechslungsreich immer wieder ihre Talente ein. Gewürzt wurde das Ganze mit Licht- und Nebeleffekten, mit kabarettistischen Einlagen, Verkleidungen und witziger Moderation.

Dem Titel gemäß dominierten im Repertoire bekannte Oldies verschiedener Jahrzehnte, die „Ohrwürmer“, die den Zuhörern direkt in die Gehörgänge kriechen sollten: von „Barbara Ann“ der Beach Boys über Udo Jürgens’ Hit „Griechischer Wein“, der schon mal zu „Ja, ja der Chiantiwein“ überschwenkte, zum beschwörenden, auf die Knie zwingenden Abba-Song „Mamma Mia“, zum gefühlvollen „I want it that way“ der Backstreet Boys bis zu „Sex Bomb“ von Tom Jones, interpretiert von einem in die US-Flagge gehüllten Donald Trump. Beim „Kriminaltango“ des Hazy Osterwald Sextetts wurde der Klavierspieler, der nicht zu spielen aufhören wollte, per Stimme „erschossen“.

Dass „Bertomijo“ neben den „Ohrwürmern“ auch „Comedy“ kann und mit Spielfreude und Klamauk die Lachmuskeln beansprucht, bewiesen die Sänger mit parodistischen oder auch selbst komponierten Liedern. Die Eurovisionshymne wurde kurzerhand zu „Wir feiern ein Fest mit Freunden“ umgetextet und bei der italienisch gesungenen „Bertomijo-Hymne“ zur Melodie „God save the Queen“ durften die Besucher den würdevollen Rahmen bieten, indem sie sich mit der Hand auf dem Herzen von den Stühlen erhoben.

Als einer der kabarettistischen Höhepunkte stellte sich danach die gespielte Version des „Münchners im Himmel“ heraus, auf Leonard Cohens „Halleluja“ basierend und mit der Bayern-Hymne endend. Zur Studentenzeit der Akteure passte das Volkslied „Als wir jüngst in Regensburg waren“, dem der auch nasal gesungene „Regensburg Rap“ als Hommage an die schönste und geilste Stadt der Welt folgte. Nach „Hallo, ich bin dein Ohrwurm“ erzwang der lange Schlussapplaus noch drei Leckerbissen: die nur mit Silben gesungene Melodie aus „Games of Thrones“, den Klassiker „Mein kleiner grüner Kaktus“ von den „Comedian Harmonists“ aus dem Jahr 1934 und den Hit „Hello Mary Lou“ aus den 60ern.

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