01.06.2021 - 19:03 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Partymeile an der Neustädter Wallfahrtskirche: Den Anliegern reicht's

Junge "Sportfahrer", die den Parkplatz an der Wallfahrtskirche St. Felix als Partymeile nutzen, sorgen für starken Durchgangsverkehr in der Felixallee. Eine Unterschriftenaktion soll Abhilfe schaffen.

Bereits am Nachmittag ist der Parkplatz vor der Wallfahrtskirche St. Felix stark von jungen Auto- und Motorradfahrern belegt. Die Anlieger im Kloster und in der Felixallee müssen mit dem dadurch bedingten hohen Durchgangsverkehr und Lärmbelästigung leben. Für die Gottesdienstbesucher bleibt oft kaum ein freier Parkplatz übrig.
von Hans PremProfil

"Jetzt reichts", finden die Anlieger der Felixallee. Ihre Leidensfähigkeit ist in punkto abendlichen Verkehrsaufkommens und der damit einhergehenden Lärmbelästigung durch junge Autofahrer in der sonst beschaulichen Straße an gewisse Grenzen gestoßen. Durch eine Unterschriftenaktion hat Anlieger Dr. Reinhard Roth nun auf die Misere aufmerksam gemacht und hofft auf Hilfe durch die Politik.

"Das Problem mit dem verstärkten Verkehrsaufkommen haben wir ja seit Jahren. Aber es wird immer extremer", beklagt sich Roth. Dabei geht es ihm nicht um den normalen Durchgangsverkehr, sondern vor allem um die jungen "Sportfahrer", wie er sagt, die täglich ab 17 Uhr den Parkplatz unterhalb der Wallfahrtskirche St. Felix über die Felixallee anfuhren. "Kaum ein Fahrer hält sich an Tempo 30, die Bässe wummern und die Auspuffanlagen röhren", beschwert sich auch Adelheid König.

Lärm bis weit nach Mitternacht

"Das geht dann den ganzen Abend so, bis weit nach Mitternacht", informiert Roth. Der idyllische Platz an der Wallfahrtskirche sei mittlerweile Ziel von "Auto-Posern" mit ihren meist lauter gemachten, übermotorisierten Fahrzeugen. Die kämen den Kennzeichen nach nicht nur aus dem Landkreis Neustadt und der Stadt Weiden, erklären die Anlieger. "Die Fahrer mit den Kennzeichen NEW, WEN, AS, SAD, OVI, KEM, TIR, NAB und MAK funktionieren den Parkplatz täglich zur Partymeile um. Aufgestellte Campingstühle, Lautsprecherboxen, Bierkästen und neuerdings sogar gemeinsames Shisha-Pfeifenrauchen auf dem Parkplatz sprächen für sich.

"Für uns Anwohner der Felixallee und der abzweigenden Goethestraße bedeutet das jeden Tag Hunderte sinnloser Fahrzeugbewegungen mit extremer Lautstärke der oft getunten Motoren und überlaute Musik aus den Fahrzeugen", bedauert Roth. Das Problem sei schon länger bekannt und sollte vor drei Jahren durch ein Halteverbot ab 22 Uhr gelöst werden. Der Neustädter Polizeiinspektion fehle jedoch nach Rücksprache das nötige Personal, um öfter Kontrollen durchzuführen. Die Wahrscheinlichkeit, bei Nichtbeachtung der Halteverbotszone, der Tempo-30-Regelung oder der Missachtung der Rechts-vor-Links-Regelung belangt zu werden, gehe seiner Meinung nach daher gegen Null.

Mit der Unterschriftenaktion, an der sich spontan über 30 Haushalte beteiligt haben, erhoffen sich die Unterzeichner eine Verbesserung ihrer Situation. Zahnarzt Dr. Reinhard Roth hat die Listen je an die Fraktionsvorsitzenden der im Stadtrat vertretenen Parteien und an Bürgermeister Sebastian Dippold übersandt. Die Anlieger hoffen auf schnelles Handeln seitens der Politik.

Sie fordern nach Rücksprache mit Beamten der Neustädter Polizeiinspektion ein absolutes Halteverbot von 19 bis 6 Uhr auf dem Parkplatz vor der Wallfahrtskirche St. Felix (ausgenommen Gottesdienstbesucher). Weiter fordern sie ein Durchfahrtverbot in der Felixallee ab der Abzweigung Watzlikstraße bis zur Einmündung in die Theisseiler Straße von 19 bis 6 Uhr (ausgenommen Gottesdienstbesucher und Anlieger) sowie häufige Park-, Geschwindigkeits- und Lautstärkenkontrollen durch die Polizei, vor allem bei hörbar manipulierten Fahrzeugen. Nur so kann man laut Roth das Problem in den Griff bekommen.

Bürgermeister hat Verständnis für Anwohner

Auf offene Ohren stößt Roth mit seiner Aktion bei Bürgermeister Sebastian Dippold. Er war kürzlich mit Vertretern der Neustädter Polizeiinspektion vor Ort, um sich wieder einmal ein Bild des Problems, das nicht nur ihm seit langem bekannt ist, zu machen. "Dabei mussten wir feststellen, dass auf dem Parkplatz ein Feuer geschürt worden war, das einen Schaden von schätzungsweise 500 Euro zu Lasten der Stadt verursacht hat", berichtet Dippold. Das Müllproblem, Lärmbelästigung und Schäden seien weder für die Anwohner noch für die Stadt hinnehmbar. Deshalb werde jetzt auch schnell reagiert. Bereits in der nächsten Stadtratssitzung soll das Thema Durchfahrtsverbot der Felixallee diskutiert und wenn möglich auch beschlossen werden.

"Das Problem sind nicht die jungen Leute, die auf den Parkplatz fahren und die Aussicht genießen. Das Problem sind einfach immer wieder die schwarzen Schafe, die mit zu hoher Geschwindigkeit, lauten Motoren und lauter Musik durch die Felixallee brettern und auf dem Parkplatz Party feiern", betont Dippold. Er versteht auch, dass sich junge Menschen treffen wollen, doch das rechtfertige nicht, was dort geschehe. Die auftretenden Probleme seien seiner Meinung nach auch durch die Corona-Pandemie massiver geworden. Dippold verhehlt jedoch nicht, dass die Zufahrt zum Parkplatz über die Theisseiler Straße ohne Einschränkungen nach wie vor möglich sei.

Wenn alles nichts fruchte, so wolle man als letztes Mittel eine Parkplatzverordnung erlassen, so wie sie auf dem Hertie-Parkplatz in Weiden gelte. Dann sei nur noch das Parken und nicht der Aufenthalt auf dem Parkplatz erlaubt. Doch zunächst wolle man bis zum Jahresende abwarten, ob die anderen Maßnahmen fruchten.

Padres leiden unter Partystimmung

Auch die Klosterpadres leiden unter der Partystimmung. Sie sind die Leidtragenden, wenn junge Autofahrer täglich auf dem Parkplatz vor der Wallfahrtskirche St. Felix feiern. Für Guardian Pater Stanislaus hat sich die Situation im Laufe der Jahre noch verschlechtert. „Der Parkplatz ist kein Treff für Neustädter Jugendliche, sondern die Fahrzeuge kommen bis aus den Landkreisen Cham und Schwandorf“, stellt er fest. Die letzte Zeit sei um 22 Uhr wegen der Ausgangssperre Ruhe gewesen. Doch jetzt muss er, dessen Zimmer als einziger Schlafraum im Kloster noch in Richtung der der Lärmzone liegt, wieder ungewollt Musik hören bis weit nach Mitternacht. Die restlichen Zellen wurden durch Umbaumaßnahmen bereits auf die Seite zum Klosterhof verlegt.

Da während der Gottesdienste aus Hygienegründen die Kirchentüren geöffnet sind, stört die die laute Musik aus den PS-starken Boliden auch erheblich die Messfeiern. Ein weiteres Problem stellen für ihn die Verunreinigung mit Müll und die „Wildpinkler“ dar. Irgendwo müssten die Parkplatzbesucher bei dem Stunden langen Aufenthalt ihre Notdurft verrichten. „Auf unseren Toiletten, die ausschließlich für die Kirchenbesucher da sind, geht das nicht mehr, da diese nun auf dem Klostergelände hinter einem verschließbaren Tor liegen und nachts verschlossen sind.

Klostergarten als Toilette benutzt

„Die beiden Tore halten die jungen Leute nun zwar davor zurück, durch das Klostergelände zu spazieren, so wie sie es vorher gemacht haben. Der niedrige Zaun schützt jedoch nicht, dass es immer wieder vorkommt, dass sie im Klostergarten ihre Notdurft verrichten“, ärgert sich der Klosterchef.

Außerdem sei ein weiteres Problem, dass die Gottesdienstbesucher, für die die Parkplätze ja eigentlich gedacht seien, diese dann oftmals nicht mehr bekämen, da sie ja schon durch die Autos der jungen Fahrer belegt seien. Und schließlich weist Pater Stanislaus noch auf den Müll und die überquellenden Mülleimer auf dem Parkplatz hin. Wenn sie tagsüber geleert würden, seien sie am nächsten Morgen wieder übervoll.

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Albersrieth bei Waldthurn
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"Für uns Anwohner der Felixallee und der abzweigenden Goethestraße bedeutet das jeden Tag Hunderte von sinnlosen Fahrzeugbewegungen mit extremer Lautstärke der oft getunten Motoren und überlaute Musik aus den Fahrzeugen"

Zahnarzt Dr. Reinhard Roth

Zahnarzt Dr. Reinhard Roth

 

 

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