10.05.2019 - 10:44 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Schuldner unter einem Dach

So trocken es klingt, so verzwickt ist eine Gesetzesänderung zur Insolvenz- und Schuldnerberatung.

von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Bis Ende August war die Insolvenzberatung Ländersache, die Schuldnerberatung war bei den kreisfreien Städten und Landkreisen aufgehängt. In beiden Fällen war im Landkreis der AS (Allgemeine Schuldnerberatung) zuständig, in Weiden und Tirschenreuth der ARV.

Seit Januar ist nun auch die Verbraucherinsolvenz Sache der Kommunen. "Ganz glücklich wird man wohl mit keiner Regelung, aber die Zusammenführung ist ein Segen", erklärt Johanna Meier, die Leiterin des Sozialamts im Landratsamt. Schuldnern könne damit schneller und effizienter geholfen werden.

Der Haken daran: Eine Vollzeitstelle vom Staat gibt es dafür nur, wenn das Beratungsgebiet 130000 Einwohner umfasst. Das funktioniert nur, wenn sich Weiden, Neustadt und Tirschenreuth unter einem Dach zusammentun. Der Sozialausschuss des Neustädter Kreistags ist damit einverstanden. Für Betroffene ändert sich in der Praxis wenig. Die AS bleibt weiterhin erste Anlaufstelle im Landkreis. Theoretisch hätte ein Neustädter Bürger aber nun auch die Wahl, sich in Weiden oder Tirschenreuth beraten zu lassen.

Barbara Kindl (ÖDP) erkundigte sich im Sozialausschuss des Kreistags nach dem Sinn des neuen Konstrukts: "Kann man nicht jedem eine Drittelstelle geben?" Das hält Johanna Meier für wenig zielführend: "Damit kommen Sie im Vertretungsfall nicht weit." Sie erklärte einen weiteren Hintergrund der Neuregelung: Bisher habe es in Bayern keine verpflichtenden Meldungen gegeben, was in der Schuldner- und Insolvenzberatung läuft. Mit der Zusammenführung sei es leichter, eine Statistik zu führen.

Meier macht ein anderer Bereich Sorgen: Die Altenstädterin Elfi Gierlinger hat aus beruflichen Gründen ihr Ehrenamt als Wohnberaterin abgegeben. Wohnberater kümmern sich vor allem um ältere und pflegebedürftige Menschen. Sie geben Tipps zu Barrierefreiheit und möglichen Gefahrenquellen im Haushalt, um Bürgern mit Handicap möglichst lange selbstständiges Wohnen in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. "Wir bräuchten noch einen ganzen Stab an solchen Helfern, gern auch aus dem Kreis der Kreisräte", lautet Meiers Appell.

 

 

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