27.09.2021 - 00:06 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Sieger der Bundestagswahl im Landkreis Neustadt/WN sind gar nicht im Parlament

In Zeiten von rund 25 Prozent im Bund sind für die Volksparteien auch im ländlichen Raum 50 plus x der Stimmen nur mehr Utopie. Die Erfahrung macht vor allem die CSU bei Erst- und Zweitstimmen im Landkreis Neustadt/WN.

An der Urne in Waldthurn hat Albert Rupprecht (CSU) noch gut lachen.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Die prozentualen Gewinner der Bundestagswahl zwischen Eslarn und Kirchenthumbach sind in Berlin nicht mal im Plenarsaal vertreten. Die Freien Wähler gewinnen bei den Zweitstimmen 5,3 Prozent hinzu auf 9,4 Prozent. Über die Gründe darf spekuliert werden. Stromtrassen-Ablehnung, Denkzettel für die Großen, die Kandidatenauswahl? Immerhin holt der weitgehend unbekannte Tobias Groß diesmal mehr Stimmen als vor vier Jahren der besser Etablierte Karl Meier als Direktkandidat.

CSU

Für CSU-Mann Albert Rupprecht wird der einzige Trost sein, dass es vielen anderen Stimmkreisbewerbern seiner Partei in Bayern ähnlich geht: Der Balken, der die Erststimmen 2021 mit dem Ergebnis von 2017 vergleicht, fällt in Grafiken nahezu allerorten im Landkreis kürzer aus. Vor vier Jahren ergatterte Rupprecht noch wesentlich mehr Voten als seine Partei. Nur Waidhaus musste er an Uli Grötsch und Trabitz an Konrad Dippel abgeben. Diesmal musste Rupprecht in 3 der 38 Kommunen anderen den Vortritt lassen: Dippel in Trabitz, Grötsch in Floß und Flossenbürg.

Bemerkenswert: Rupprecht gewinnt die meisten Anteile (42,2 Prozent) im Landkreis Tirschenreuth, also dort, wo er nicht herkommt. Im Stammland hat er nur 37,47 Prozent (NEW) und 33,4 (WEN). Zwischenzeitlich sah es so aus, als ob auch in Störnstein und Etzenricht Uli Grötsch die Nase vorn haben würde, doch im Lauf der Auszählung machte Rupprecht diese Rückstände wett. Dennoch sind diese beiden Orte symptomatisch für CSU-Verluste auf breiter Fläche. Minus 6,9 Prozent bei den Erststimmen und minus 7,2 Prozent bei den Zweitstimmen sind eine Enttäuschung. In Störnstein könnte der Konflikt um den Süd-Ost-Link den Christsozialen Voten gekostet haben. Darauf deutet das Ergebnis der Freien Wähler hin, die sich klar gegen die Stromtrasse positioniert haben. Das beste Resultat der Freien ist jedoch Schlammersdorf (14,0).

SPD

Interessant ist Waidhaus, der Heimatort von Uli Grötsch, der ihm bei Wahlen bislang unerschütterlich die Erstimmen-Treue gehalten hat. Der neue Erstwohnsitz des Sozialdemokraten ist Weiden. Prompt strafen ihn in Waidhaus die Wähler mit über 20 Prozent Verlust bei der Direktwahl ab. Dafür legt die SPD landkreisweit um 3,1 Prozent bei den Zweitstimmen zu. Ihre Hochburgen sind eindeutig Floß und Flossenbürg. Grötsch schneidet dagegen sogar leicht schlechter ab als 2017 (minus 0,8 Prozent).

AfD

Die AfD, die den beiden Großen vor vier Jahren noch richtig weh getan hat, geht im Landkreis gestutzt aus dem Sonntag hervor. Sie verliert minus 2,3 Prozent bei den Zweitstimmen. Dennoch bleibt sie dritte Kraft hinter CSU und SPD. Ihre Hochburgen hat sie in Eslarn, Georgenberg und Schwarzenbach.

Die Grünen

Wie im Bund legen die Grünen zu, allerdings auf so niedrigem Niveau, dass sie in vielen Gemeinden weit unter fünf Prozent bleiben. In die Nähe ihres Bundesschnitts kommen die Grünen höchstens in Parkstein und Kohlberg. Direktkandidatin Anne Droste aus Windischeschenbach holt dagegen mit 4,5 Prozent Erststimmen nur 1,5 Prozent mehr als vor vier Jahren die inzwischen aus der Partei ausgetretene Gisela Helgath.

FDP

Anders die FDP: 7,2 Prozent mehr als zuletzt sind ein Plus von einem Prozentpunkt. In etlichen Kommunen schaffen sie um die 8 Prozent. Dort kann man davon ausgehen, dass die Partei neben den Freien Wählern einige CSU-Zweitstimmen gewildert hat. Direktkandidatin Silke Klotz ist statistisch allerdings kein Stimmenmagnet.

Konrad Dippel

Die Ein-Mann-Partei Konrad Dippel landet auf Platz vier. Seine Anziehungskraft als politischer Paradiesvogel hat der Parteifreie aber offenbar eingebüßt. Zwar hat er einige Bastionen im Landkreis-Westen, 8,4 Prozent der Stimmen im Land- und 7,1 Prozent im Stimmkreis bedeuten aber erneut einen Verlust für den Unabhängigen.

Linke

Bleibt die Linke: Minus 2,5 Prozent für die Partei und minus 2,3 für Christian Weidner bedeuten, dass die Partei auf dem Land fast nicht stattfindet. Galt einst Grafenwöhr noch als Hochbürglein, kann diesmal von solchen Vergleichen gar nicht mehr die Rede sein.

Die Wahlbeteiligung

Erfreulich ist fast allerorten eine leicht steigende Wahlbeteiligung gegenüber 2017. Am vorbildlichsten sind die Vorbacher und Theisseiler mit über 88 Prozent, Schlusslicht die Grafenwöhrer mit 71,3 Prozent.

Konrad Dippel und weitere Reaktionen zur Bundestagswahl 2021 im Landkreis Neustadt/WN

Trabitz
Uli Grötsch wählt als Neu-Weidener im Elly-Heuss-Gymnasium.

 

 

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