16.04.2019 - 16:27 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

So wie es früher war

Es ist, als wäre die Zeit stehen geblieben: Der Oberpfalzverein Neustadt organisiert erstmals eine Sitzweil im Ledererhof in der Lindenstraße.

Dicht gedrängt sitzen die Besucher bei der erstmals vom Oberpfalzverein Neustadt organisierten Sitzweil in der guten Stube des wunderschön renovierten Ledererhofs. Kreisheimatpflegerin Leonore Böhm beleuchtet Osterbräuche und deutet viele Symbole und Gegenstände rund um das Leiden, den Tod und die Auferstehung Christi.
von Hans PremProfil
Dicht gedrängt sitzen die Besucher bei der erstmals vom Oberpfalzverein Neustadt organisierten Sitzweil in der guten Stube des wunderschön renovierten Ledererhofs. Kreisheimatpflegerin Leonore Böhm beleuchtet Osterbräuche und deutet viele Symbole und Gegenstände rund um das Leiden, den Tod und die Auferstehung Christi.

Gleich zwei Premieren gab es bei der Sitzweil im Ledererhof in der Lindenstraße zu feiern. Zum einen hatte der Oberpfalzverein Neustadt so eine Veranstaltung erstmals organisiert und zum anderen empfing Hausherr Josef Plößner zum ersten Mal so eine große Anzahl Gäste in der Wohnstube seines renovierten Hauses.

Woher stammt der Begriff und was ist eine Sitzweil eigentlich? Die Sitzweil lässt sich mit dem "Hutzergehen" vergleichen. Da ging man früher zum Nachbarn und tauschte Neuigkeiten aus. Um den „Danersntag“ (Vorweihnachtszeit) herum begann auch die Zeit der Sitzweile. Nachdem "zwischen den Lichten" (Zeit der Abenddämmerung) die letzte Hausarbeit beendet und dann das Abendbrot eingenommen wurde, begann die Sitzweil. Familie und Gesinde fanden sich in der Wohnstube zusammen und pflegten Unterhaltung, Scherze, Liedgut und Gesellschaftsspiele.

„Das sich treffen und miteinander reden stirbt in Zeiten des Flachbildschirmfernsehens und Smartphones immer mehr aus“, bedauerte Plößner. Man lasse sich zu sehr von außen berieseln. Umso mehr freute es ihn, der alte Sachen und Brauchtum sehr schätzt, dass diese Veranstaltung in seinem Haus stattfinden konnte. Roswitha Jobst stellte fest, dass das Brauchtum immer mehr verschwinde. Heute sei man in der guten Stube zusammengekommen, um eine alte Tradition wieder aufleben zu lassen. Für Ernst Umann, den Vorsitzenden des Oberpfalzvereins, war dieser Abend wie „Weihnachten und Ostern zugleich“. So etwas Schönes wie die gute Stube des Ledererhofs als Veranstaltungsort habe der Verein noch nicht gehabt.

Die fast 30 Besucher saßen eng gedrängt in einer urgemütlichen Bauernstube, in der die Zeit viele Jahrzehnte stehen geblieben zu sein schien. Ein rustikaler Dielenboden, mächtige Balken unter der Holzdecke, ein Kachelofen, alte Tische und Stühle, ein Regulator an der Wand, alte Bilder zwischen den kleinen Fenstern und eine an den Wänden rundum laufende Holzbank vermittelten diese ganz besondere, gemütliche Atmosphäre. Josef Plößner und seine Partnerin Carina haben nicht nur die alte Bausubstanz in vorbildlicher Weise renoviert, sondern auch im Inneren bei der Einrichtung des alten Bauernhofs viel Geschmack bewiesen. Die Sitzweilbesucher kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, entdeckten so manche Rarität und fühlten sich sichtlich wohl.

Die Organisatoren Umann und Jobst hatten Kreisheimatpflegerin Eleonore Böhm aus Grafenwöhr eingeladen. Sie erzählte über alte Osterbräuche, stellte österliche Symbole und Gegenstände und deren Bedeutung vor und las Geschichten und Gedichte rund um die Geschehnisse des Leidens und Sterbens sowie der Auferstehung Christi vor. Sie berichtete zum Beispiel über die Darstellung „Heiland in der Ruh“, die es in einigen Kirchen im Landkreis zu sehen gibt. Darin gönnt sich Jesus Christus am Gründonnerstag eine Ruhepause vor seinem Leiden. Sie stellte den Triangel, eine dreiarmige Osterkerze vor, die es in der Stadtpfarrkirche von Grafenwöhr gegeben hat, berichtete über den österlichen Blumenschmuck in Kirchen (Strelizien sind das Symbol für das Osterfeuer) und stellte fest, dass die Osterglocken nur leise läuten.

Für die passende musikalische Unterhaltung sorgten Gabi Fröhlich mit der Querflöte und Regina Schmid an der Gitarre. Der Hausherr gewährte seinen Gästen auch Einblick in andere Räume und erzählte, dass ihn kürzlich jemand gefragt habe, wo denn das Haus früher gestanden sei. Es würde zwar von der Bausubstanz ohne weiteres in ein Museumsdorf passen und wiederum auch nicht, denn es ist halt mit Leben erfüllt.

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