15.02.2019 - 18:07 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Sonntagssemmeln schmecken vielen Bäckern nicht

Das Oberlandesgericht in München hat entschieden, dass Bäckereien mit Café auch sonntags länger Semmeln und Brot verkaufen dürfen. Die Bäcker im Landkreis Neustadt haben dazu unterschiedliche Ansichten. Manche sehen den Beschluss kritisch.

Josef Arnold (rechts) möchte sonntags keine Semmeln verkaufen. Links sein Sohn Michael Arnold, der auch im Betrieb tätig ist.

Wer sonntags ein Café mit Bäckerei aufsucht, will bei der Gelegenheit vielleicht auch ein paar Semmeln und Brot mitnehmen. Bisher war das nicht ohne Weiteres möglich: Semmeln und Brote durften laut Ladenschlussgesetz nur drei Stunden lang angeboten werden. Egal, ob das Café länger geöffnet hat. Eine Entscheidung des Oberlandesgerichts in München ändert das nun. Doch wie stehen die Bäckereien im Landkreis dazu?

Josef Arnold von der gleichnamigen Bäckerei in Neustadt/WN sieht die verlängerten Verkaufszeiten am Sonntag kritisch: "Das ist schlecht für kleine Bäckereien und für die Arbeitnehmer." Sonntags den Laden zu öffnen, käme für ihn sowieso nicht infrage. "Da würde ich mein Geschäft eher schließen, bevor ich das mache." Wenn er seinen Laden am Sonntag aufsperren würde, wären sowohl der Sonntag als auch der Samstagabend kaputt.

"Die Sonntagsarbeit ist eine Entwicklung, der man so lange wie möglich entgegenwirken muss", meint Arnold. Natürlich würde auch er mal am Sonntag arbeiten - wenn eine Tortenbestellung ansteht etwa. Es sei jedoch schon üblich, dass Bäckereien sonntags auch regulär geöffnet hätten. "Wenn die Kunden das wollen, müssen eben zumindest die großen Bäckereien liefern."

Die Verkäuferin einer Brunner-Filiale in der Landkreismitte sieht das ähnlich. "Für die Arbeiter ist das blöd", meint sie. In einer anderen Filiale arbeitet sie etwa jeden zweiten Sonntag fünf Stunden lang. "Da ist der Sonntag gelaufen", erklärt die zweifache Mutter. Drei Stunden am Sonntag würden ihrer Meinung nach reichen. Ihre Filiale hat sonntags sowieso lediglich drei Stunden geöffnet. Dass sich das mit dem neuen Beschluss ändert, glaubt sie nicht. "Da ist hier der Bedarf wohl nicht da."

Auch Markus Nickl vom Diözesanbüro Weiden der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) ist gegen die verlängerten Verkaufszeiten am Sonntag. "Menschen haben in ihrer Arbeitswelt keinen Tag mehr für sich", kritisiert er. Die KAB positioniert sich insgesamt klar gegen den Sonntagsverkauf - also auch gegen die schon vorher geltende Drei-Stunden-Regelung. "Es geht nur um Profit auf Kosten von Menschen", ist Nickl überzeugt.

Das Urteil verwundert ihn dennoch: In letzter Zeit sei die Rechtssprechung eigentlich eher pro freiem Sonntag gewesen, immer mehr Städte seien wieder von den verkaufsoffenen Sonntagen abgerückt. Nickl ist also gespannt, wie der Fall der Bäckereien weitergeht, wenn er zur Revision an den Bundesgerichtshof in Karlsruhe geht.

Stefan Schwärzer dagegen sieht die Situation anders: Er ist mit dem Urteil aus München zufrieden. Seiner Bäckerei in Pressath ist ein Café angegliedert. Er findet: Wenn beides in einem Raum ist, sollte man nicht so sehr zwischen dem Café und der Bäckerei differenzieren. Arbeitskräfte seien sowieso vor Ort - ob nun auch Semmeln und Brot verkauft werden oder nicht.

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Konnersreuth

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