02.01.2019 - 11:21 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Stärke durch Zoigl

Der alte Brauch des „Stärkeantrinkens“ lebt an Dreikönig in der Zoiglwirtschaft „Zum Waldhauser“ wieder auf. Zur persönlichen Kontrolle gibt es ein Maßband.

Karin und Gerald Wickl lassen im "Waldhauser" den Brauch des "Stirkantrinkens" wieder aufleben. Dazu ließ der Wirt extra ein Maßband zur persönlichen Kontrolle drucken. Ob es ratsam ist, für jeden Monat des Jahres eine Halbe zu trinken, dürften Ärzte und Beratungsstellen allerdings anders sehen.
von Hans PremProfil

Bereits als Jugendlicher pflegte Waldhauser-Wirt Gerald Wickl die alte Tradition des Stärke-antrinkens in Störnstein. „In Neustadt ist der Brauch praktisch ausgestorben“, bedauert er. Deshalb kam er gemeinsam mit Ehefrau Karin auf die Idee, das „Stirkantrinken“ wieder aufleben zu lassen. Am Sonntag, 6. Januar, ab 10 Uhr besteht dazu die Möglichkeit.

Die Tradition wird vor allem in Oberfranken, aber auch in der Oberpfalz gepflegt. Bis zur Festsetzung von Neujahr auf den 1. Januar durch Papst Innozenz XII. im Jahr 1691 galt der Dreikönigstag, also der 6. Januar, als Beginn des neuen Jahres. Bereits in vorchristlicher Zeit glaubten die Menschen an die zwölf Raunächte zwischen 25. Dezember und 6. Januar, in denen die Wilde Jagd umging und diverse Dämonen ihr Unwesen trieben. Um dem etwas entgegenzusetzen räucherte man aus oder trank sich Stärke an.

Die Stärke steht dabei für Kraft und Gesundheit. Sie trägt damit einen rituellen Schutzcharakter vor den Gefahren des kommenden Jahres in sich, indem man sich gegen die möglichen Widrigkeiten wappnet.

Antrink-Maßband für die Gäste

„Um möglichst gesund und stark über das ganze Jahr zu kommen, trinkt man für jeden Monat eine Halbe“, klärt Wickl auf. Er hat sich dafür auch etwas ganz Besonderes zur persönlichen Kontrolle einfallen lassen: Ein „Stärketrinken-Maßband“. Das Band ist in die zwölf Monate des nächsten Jahres eingeteilt. Bestellt der Zecher einen Zoigl, streicht die Bedienung einen Monat auf dem Maßband ab. „Am Ende kann der Gast nachprüfen, ob er gesund übers ganze Jahr kommt. Das 13. Monatsgehalt übernehme natürlich ich“, lacht der Wirt.

Wickl freut sich schon auf gewisse Frotzeleien der Gäste beim Blick auf das Band des Tischnachbarn. Das Band soll nicht den Bierfilz ersetzen, auf dem die Zeche aufgeschrieben wird, diene aber als Kontrolle, ob man gesund und stark über das ganze Jahr komme.

Auch Wirtin Karin hat sich zum Stärketrinken kulinarisch extra etwas einfallen lassen. „Neben Zoigl-Brotzeiten gibt es Bratheringe und einmarinierte Heringe mit Kartoffeln.“ Nach der Völlerei zu den Weihnachtstagen passe ihrer Meinung nach Fisch ganz gut zum Beginn des neuen Jahres.

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