Die drei Zoiglstuben beim Waldhauser sind brechend voll, die Stimmung zu zünftigen Brotzeiten und süffigem Zoigl ausgelassen am Montag vor dem Faschingswochenende. Die närrischen Zoiglregenten Prinz Bernhard I. und Prinzessin Carina I. verleihen dem anwesenden Volk Zoiglorden, die Alfons Kistenpfennig geschnitzt hat.
So ist und wäre es beim Waldhauser seit 2003 der Brauch. Doch heuer ist alles anders. Der Gerstensaft fließt nicht, es gibt keine Brotzeiten, der gastronomische Betrieb ist wie alle anderen geschlossen. Der Neustädter Schnitzer ließ es sich aber trotzdem nicht nehmen, auch heuer wieder einen Orden zu schnitzen, der allerdings in geringer Auflage und unter Einhaltung der Hygienevorschriften an den Mann und die Frau gebracht wurde.
„Motiviert hat mich der Zoiglprinz Bernhard Lang. Er hat ständig an mich hingeredet und mich gebeten, nicht aufzugeben und obwohl der Fasching ausgefallen ist, auch heuer einen Orden zu schnitzen“, erzählt Kistenpfennig. Für ihn war klar, dass er als aktuellen Bezug das derzeit alles beherrschende Thema nehmen würde. So malte er zunächst ein großes C für Corona auf seine Skizze. Darin sitzt der Schwarze Kater, die Symbolfigur des Neustädter Faschings. Der liegt jedoch aufgrund der momentanen Entbehrungen in den letzten Zügen und lässt die Zunge heraushängen. Doch neues Leben wird ihm in Form einer Zoiglspritze praktisch als Impfung injiziert. „So wird am Ende alles gut werden“, ist sich Kistenpfennig sicher.
Rund fünf Stunden Handarbeit sind für jeden Orden nötig. Seine Arbeit nennt er „erhabene Schnitzerei“, weil er das Motiv aus jeder Scheibe aus Lindenholz herausarbeitet wie bei der Relief-Schnitzerei. Jeder Orden ist ein Unikat und in echter Handarbeit gefertigt. Deshalb sind die Ehrenzeichen aus Holz auch so begehrt und gelten bereits jetzt als Sammlerstücke.
Gesammelt aufgehängt sind sämtliche Modelle hinter Glas in der Schankstube der Zoiglstube „Zum Waldhauser“, vom ersten Orden mit der Perchtenmaske, über den Jubiläumsorden zum Stadtjubiläum bis zum Segelorden als Anschubhilfe fürs Kommun-Brauhaus im letzten Jahr. „Heuer wird der Corona-Orden dazu gehängt“, versichert Zoiglwirt Gerald Wickl bei der Übergabe am Montag in der leeren Zoiglstube. Ihn macht die derzeitige Situation traurig. Vor allem die gewohnte Geselligkeit und das Gespräch mit seinen Gästen fehlt ihm.
Das Zoiglprinzenpaar freute sich ebenfalls über den Orden. Auf das obligatorische Küsschen und Drücken wurde natürlich verzichtet. Es wurde auf den entsprechenden Abstand geachtet. Alleine schon dadurch trübt sich die Freude. Corona ist allgegenwärtig. So bleibt für alle Beteiligten nur die Hoffnung, dass es im nächsten Jahr wieder einen Zoiglfasching beim Waldhauser geben wird, mit ausgelassener Stimmung und einem neuen Orden vom Schnitzer Alfons Kistenpfennig.


















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