16.04.2019 - 09:18 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Überraschung in der Stadthalle

Eine Angehörige eines Ex-Häftlings bringt ein besonderes Geschenk zum Empfang des Fördervereins der KZ-Gedenkstätte mit.

Die meisten ehemaligen KZ-Häftlinge wollen nie wieder etwas mit einer gestreiften Uniform zu tun haben, geschweige denn eine in Reichweite haben. Jolanta Lange hat dieses Textil-Dokument, das über das Leid ihres Vaters informiert, trotzdem aufbewahrt. Nun überreicht sie es Jörg Skriebeleit von der KZ-Gedenkstätte.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Es klingt eigentlich zu harmlos, aber man könnte es eine Art Klassentreffen oder Familienfeier nennen, so heiter und entspannt geht es mitunter zu. Doch die, um die es geht, werden immer weniger. Beim Empfang des Fördervereins der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg am Samstagabend in der Stadthalle Neustadt waren nur noch neun Überlebende des Konzentrationslagers dabei.

Sie trafen sich mit rund 300 anderen Gästen: Angehörigen, Wissenschaftlern, Teilnehmern einer internationalen Jugendbegegnung, Mitarbeitern der Gedenkstätte und Freuden, die sie im Laufe der Jahre in und um Flossenbürg gefunden haben. Der Name dieses Orts ist für viele trotzdem auf ewig mit selbst erlebtem Leid oder mit dem ihrer Großeltern oder Eltern verbunden. "Es muss etwas geben, dass Sie bewegt, jedes Jahr wieder hierher zukommen", sagte Fördervereinschef Karl-Hermann Schötz.

Um diese Etwas herauszufinden, gab es vor überbackenem Putenschnitzel oder Spätzle mit Rindfleisch eine Talkrunde, die Thomas Muggenthaler vom Bayerischen Rundfunk moderierte. Er kitzelte viele Gründe für Besuche in Flossenbürg heraus: Jack Terry lässt das KZ als Überlebenden nicht mehr los, Yves Durnez aus Belgien verfolgt die Gedenkstättenarbeit, um das Andenken an seinen Vater und dessen Brüder zu wahren.

Jugendliche wollen vor allem Geschichte aus erster Hand hören, und der Flossenbürger Alexander Sailer macht sich für das "Nie wieder" stark, weil sein Vater als Anwohner des früheren Bahnhofs als Kind jahrelang Augenzeuge von Häftlingstransporten war.

Ein Frau in der Runde bewegte alle Zuhörer ganz besonders. Jolanta Lange aus Polen präsentierte dem völlig überraschten Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit ein Geschenk: eine gut erhaltene Häftlingsuniform.

Jolanta Lange ist die Tochter des verstorbenen Wiktor Oseka. Er wurde im Zuge einer Verhaftungsaktion von Zivilisten während der Warschauer Aufstands ins Durchgangslager Pruszków bei Warschau gebracht und im September 1944 in Auschwitz eingeliefert. Einen Monat später transportiert man ihn und 1538 Leidensgenossen weiter nach Flossenbürg. Nach seiner Befreiung im Frühjahr 1945 kehrt er nach Hause zurück - immer noch in Häftlingsuniform. Die Familie brachte es zu keiner Zeit fertig, sich von diesem Schicksalszeugnis zu trennen - bis zum vergangenen Wochenende.

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