09.05.2021 - 13:38 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Umbau oder Verkauf: Weiter Tauziehen um HPZ-"Hofgarten" in Neustadt/WN

Wird aus dem ehemaligen Hotel "Am Hofgarten" in Neustadt jemals ein Heim für Menschen mit Behinderung? Oder mündet die vorerst unendliche Geschichte in einen Verkauf? Die Entscheidung ist erneut vertagt.

Wohin führt der Weg? Das HPZ Irchenrieth bräuchte das frühere Hotel "Am Hofgarten" dringend als Wohnheim. Hohe Auflagen und Kosten sind für den nötigen Umbau aber seit Jahren eine Hürde, die bislang nicht zu überwinden war.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Wie oft der Umbau des Hotels "Am Hofgarten" in Neustadt in ein Heim des Heilpädagogischen Zentrums (HPZ) Irchenrieth schon verschoben worden ist, weiß keiner so genau. Ein halbes Dutzend mal bestimmt, vorsichtig geschätzt. Und mit jedem Aufschub wachsen die Zweifel, ob überhaupt noch etwas daraus wird.

Doch nun rückt eine Entscheidung immer näher, versichert Christian Stadler. Der Vorstandschef des HPZ hat das Projekt von seinem Vorgänger Helmut Dörfler geerbt. Unter dessen Ägide kaufte das HPZ das Hotel 2018 von der Besitzerfamilie für angeblich 1,3 Millionen Euro. Etwa eine weitere Million war für den Umbau in ein Wohnheim vorgesehen, in dem 24 Menschen mit leichter geistiger Behinderung eine Bleibe finden sollen. Menschen, die in den HPZ-Werkstätten einer Arbeit nachgehen, einen Haushalt führen können und in der Lage sind, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Der Bauantrag ist längst genehmigt, doch inzwischen sind dem HPZ die Kosten davongaloppiert. Stadler, der erst seit einem Jahr die Einrichtung leitet und vor allem mit die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie einhegen muss, nennt keine Zahl, was den Umbau betrifft. Der koste inzwischen das 2,5-Fache dessen, was ursprünglich kalkuliert worden sei. Das wären 2,5 Millionen Euro.

Auflagen wie für Pflegeheim

Je höher die Kosten klettern, desto höher steigen die Pflegesätze, auf die der Bau umgelegt wird. Das ist vor allem dem Bezirk Oberpfalz als Kostenträger zu viel. "So, wie es jetzt ist, ist es wirtschaftlich nicht vertretbar", räumt Stadler ein. Er kämpft vor allem mit der bayerischen "Verordnung zur Ausführung des Pflege- und Wohnqualitätsgesetzes", kurz AVPfleWoqG. Sie sieht Auflagen vor, die in einem Haus für weitgehend selbstständige Menschen mit Behinderung einen Umbau nach Pflegeheimstandard verlangen. Das sind unter anderem absolute Barrierefreiheit, breitere Flure oder Duschen und Ähnliches vor. Kurz: Es ist immens teuer.

Das hatte beim Kauf offenbar niemand so auf der Rechnung. Trotzdem genießt der Erhalt des "Hofgartens" für Stadler noch "höchste Priorität". Am Mittwoch hatte er einen Termin im Landratsamt, um den er gebeten hatte. Dort traf er sich mit Landrat Andreas Meier und dessen Baufachleuten. Ihr Ziel: Alles versuchen, um von den hohen Baukosten runter zu kommen. Muss wirklich jede Stufe weg? Wo könnte man noch sparen? Ginge es notfalls mit einem oder zwei Zimmern weniger? Schließlich soll wirklich nur die allerfitteste Klientel des HPZ dort einziehen.

"Das Signal war eindeutig positiv", sagt Stadler nach dem Gespräch. Landrat Meier äußert sich vorsichtig, wenngleich optimistisch: "Das liegt uns als Behörde sehr am Herzen. Alle Beteiligten haben heute nochmals einen gemeinsamen Weg erarbeitet. Auf der Basis dieses rechtlich für uns tragbaren, aber auch individuell flexiblen Kompromisses muss das HPZ letztlich in Abstimmung mit dem Bezirk als Kostenträger entscheiden. Ich hoffe sehr auf ein positives Votum, aus unserer Sicht wurde der Weg hierfür geebnet.“

Weiden als Alternative

Nur bis wann? Einen Termin wagt keiner zu nennen. Das neue, mit dem Landratsamt erarbeitete Umbaukonzept muss jetzt erneut nach Regensburg zur Heimaufsicht. Dort habe man zügige Prüfung zugesagt, so Stadler. Doch auch wenn von dieser Seite grünes Licht kommt, bleibt noch die Bezahlbarkeit der Pflegesätze.

Wegen all dem kommt Stadler nicht ohne einen Plan B aus. Wenn also der "Hofgarten" verkauft werden müsste, würden weiterhin Wohnheimplätze fehlen. Die könnten geschaffen werden, indem das HPZ auf zwei Grundstücken investiert, die es "Hinterm Rangierbahnhof" in Weiden gekauft hat. Doch das würde dieses Jahr keinesfalls etwas. Förderungen, Pläne, Genehmigungen – all dies wäre im Vorfeld zu klären. Auch die Investition in ein weiteres Grundstück sei möglich. Wo, will der Vorstandschef noch nicht verraten.

"Wir brauchen zwei Gebäude mit je 24 Plätzen", beschreibt Stadler den Auftrag, den der Aufsichtsrat und die Eltern der HPZ-Betreuten gegeben haben. Schlagworte wie Konversion und Inklusion machen dies nicht einfach. Darunter versteht man das staatliche Ziel, an zentralen Standorten wie dem HPZ-Komplex in Irchenrieth stationäre Plätze abzubauen und dezentrale Wohnmöglichkeiten in Gemeinden zu schaffen. Immerhin an einer Stelle lichten sich die Wolken über der Einrichtung. "Wir haben das Coronajahr 2020 recht gut überstanden", atmet Stadler auf.

Die schwierige Situation rund um das HPZ und den "Hofgarten"

Neustadt an der Waldnaab
Hintergrund:

Die HPZ-Wohnstätten

  • Kinderhaus (8 Plätze)
  • Heilpädagogisch-therapeutische Kindergruppe (7 Plätze)
  • Wohnheim für Werkstattmitarbeiter und Förderstättenbesucher (120 Plätze, gegliedert in Wohngruppen)
  • Seniorengruppe (8 Plätze)
  • Beschützte Gruppe für Erwachsene mit einer primär geistigen Behinderung (8 Plätze)
  • Außenwohngruppe (9 Plätze)
  • Ambulant Betreutes Wohnen (10 Plätze)
  • Pflegeheim für Menschen mit geistiger und/oder Mehrfachbehinderung (67 Plätze)
  • Kurzzeit- und Verhinderungspflege

 

 

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