13.09.2019 - 16:47 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Unbezahlbare Einsatzkräfte

Drehleiter, Löschfahrzeuge, Drohne – die komplette Neustädter Feuerwehr rückt mit schwerem Gerät aus. Ein Lastwagen mit Gefahrstoffen hatte einen Unfall. Das Szenario ist nur eine Großübung, zeigt aber, was die Ehrenamtler leisten.

Der Problemfall im Übungszenario: Der verunfallte LKW.
von Externer BeitragProfil

Zusammen mit den Flosser Kollegen wurde bei der Chipsyhalle der Einsatz mit gefährlichen Stoffen geübt. Insgesamt opferten knapp 60 Feuerwehrleute für das Training über eine Woche Freizeit. Was das Ehrenamt hier leistet, machte der Neustädter Übungsleiter Marco Spranger nochmal deutlich. "Bei einem Rohrbruch muss es auch schnell gehen. Einem Spangler zahlen Sie gern mal 30 bis 40 Euro die Stunde für den Handwerker", meinte Spranger. "Bei uns muss es auch schnell gehen, und wenn wir für heute mal 40 Euro für die Stunde ansetzen, bei knapp 60 Mann, drei Stunden, dann kommen wir auf nicht ganz 8000 Euro reine Arbeitsleistung – die Fahrzeuge nicht mitgerechnet." Damit will der Übungsleiter der Neustädter Wehr aber nicht etwa sagen, dass ehrenamtliche Feuerwehrleute bezahlt werden sollten. "Die Zahl soll nur verdeutlichen, was hier ehrenamtlich geleistet wird", ergänzt der junge Feuerwehrmann.

Das Übungsszenario für die Feuerwehrleute war folgendes: Ein Lkw mit in Fässern verladendem Gefahrgut hatte einen Unfall, ein Fass war beschädigt, giftige Stoffe traten aus. Als erste am "Einsatzort" waren die Flosser Feuerwehrleute. Problem hierbei: Diese verfügen nicht über die nötige Spezialausrüstung für einen Gefahrguteinsatz. In diesem Fall greift die "GAMS"-Regel, erklärt Felix Müller, der erste Kommandant der Flosser: "G" wie Gefahren erkennen, "A" wie Absichern der Einsatzstelle, "M" wie Menschenrettung unter Eigenschutz und "S" wie Spezialkräfte nachfordern. In dem Fall war das die Feuerwehr aus Neustadt.

Die Neustädter Feuerwehr rückte anschließend mit Chemieschutzanzügen vor, um das beschädigte Fass abzusichern und ein weiteres Austreten zu verhindern. Über solche speziellen Anzüge verfügen nur größere Feuerwehren, wie die Neustädter oder die Windischeschenbacher. Mit Atemschutz und bis zu drei Paar Handschuhen arbeiten die Feuerwehrleute. "Die Anzüge kommen dabei mit dem jeweiligen Gefahrstoff in Kontakt und müssen danach gereinigt werden. Auch darauf sind wir mit Hilfe unserer Dekonschleuse vorbereitet", erklärt Übungsleiter Spranger.

Die sogenannte Dekontaminationsschleuse besteht aus drei Planen. "Rot, gelb und grün – in der Reihenfolge durchlaufen die Kontaminierten den Schleusenbereich und werden danach gereinigt und die Anzüge werden abgelegt. Die belasteten Anzüge kommen dann zu einer Spezialfirma", erklärt Sebastian Zapf, ebenfalls Neustädter Feuerwehrmann und Übungsleiter. Zudem musste der Einsatzbereich von den Flosser Feuerwehrleuten weiträumig abgesperrt werden.

Bei der anschließenden Besprechung zogen die Übenden ein positives Fazit: das Zusammenspiel habe gut funktioniert, da waren sich die Feuerwehrleute einig. Marco Spranger und Sebastian Zapf bedankten sich noch einmal bei der Flosser Wehr für die Organisation.

Flosser Feuerwehrleute kümmern sich um den verletzten und benommenen LKW-Fahrer.
Die Übung findet in der Chipsyhalle statt, um die Ausrüstung zu schonen.
Die Feuerwehrleute aus Floß und Neustadt bei der Abschlussbesprechung.
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