03.07.2019 - 10:08 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Vater der Freundschaften zwischen Neustadt und Neustadt und Neustadt und ...

Die Arbeitsgemeinschaft "Neustadt in Europa" geht auf eine Initiative des heute 74-jährigen Hans Schreyegg zurück. Seine Idee einer großen Städtepartnerschaft lebt und sorgt für europäische Begegnungen über Ländergrenzen hinweg.

Hans Schreyegg, Vater und Ehrenvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft "Neustadt in Europa" plädiert leidenschaftlich für eine Partnerschaft der Bürger.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Gezeigt hat sich das zuletzt am Wochenende in Bad Neustadt an der Saale. Aus dem polnischen Nowe Miasto nad Pilicą, dem Ausrichter des letztjährigen Neustadt-Treffens, brachte Bürgermeister Mariusz Dziuba die Fahne der Städtepartnerschaft nach Franken mit und übergab sie an seinen Amtskollegen Bruno Altrichter. Mit Schreyegg, dem Vater der Städtefreundschaft, sprach Redakteur Uwe Ibl.

ONETZ: Was sagen Sie zu der Entwicklung, die die Ihre Idee der Städtepartnerschaft "Neustadt in Europa" genommen hat?

Hans Schreyegg: Wenn man bedenkt, dass wir mit 16 Neustadts angefangen haben und jetzt 36 aus so vielen Ländern Mitteleuropas dabei sind, ist das beachtlich. Das wichtigste ist, dass Vereine untereinander Patenschaften haben und sich gegenseitig besuchen und Sportvereine Turniere mit den verschiedenen Neustadts machen. Bei den ersten Neustadt-Treffen haben wir die Neustädte aus der DDR mit eingeladen und nicht einmal eine Antwort bekommen. Nach der Wende sind gleich die ersten Neustädte aus der ehemaligen DDR, aus Ungarn, Polen und der Tschechoslowakei beigetreten. Wenn man weiß, wie dicht die tschechische Grenze war, als der Oberpfälzer Australien besser kannte als Eger, wie wichtig das Kennenlernen war, wird die Bedeutung der Partnerschaft offensichtlich.

ONETZ: Was gab es für Gedanken, die zu den Neustadt-Treffen geführt haben?

Hans Schreyegg: Ich bin schon seit dem allerersten Treffen 1979 dabei. Wir wollten die Städte zusammenbringen zum Wohl aller Neustadts. Handel und Gastronomie sollten profitieren durch Werbeaktionen auf Gegenseitigkeit. Jedes Neustadt, das mitmacht profitiert als Stadt von dem Treffen und zugleich kommen Menschen zusammen auch über manche damals noch existierende Grenze.

ONETZ: Wie kam es zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft?

Hans Schreyegg: Die Arbeitsgemeinschaft "Neustadt in Europa" (Arge) wurde 1982 in Neustadt an der Waldnaab im ASV-Heim gegründet. Ich habe damals gesagt, "die Neustadt-Treffen sind schön, aber sie laufen sich tot, wenn sie nur bezahlte Betriebsausflüge der Stadträte sind. Wir müssen das auf größerer Beine stellen." Ich wurde damals eingesetzt als Koordinator der Arge und habe das 30 Jahre gemacht.

Gerade heute, wo Europa schwächelt, ist es gut, wenn die Bevölkerung zusammenhält, sich über Grenzen hinweg besucht, Kontakte knüpft und Freundschaften aufbaut.

ONETZ: Auf was freuen Sie sich bei den jährlichen Begegnungen?

Hans Schreyegg: Für mich sind die Bürgerbusse das bedeutendste. Dass Bürgermeister und Stadträte mitfahren, ist fast schon Pflicht. Toll ist so etwas wie die junge niederländische Kapelle in diesem Jahr zu erleben und die Infostände der Neustädte. Ein Fest im Bierzelt kannst Du immer machen. Aber dass sich Leute in einen Bus setzen und 500 oder 600 Kilometer fahren, um Freunde zu treffen, ist schon etwas Besonderes. Gerade heute, wo Europa schwächelt, ist es gut, wenn die Bevölkerung zusammenhält, sich über Grenzen hinweg besucht, Kontakte knüpft und Freundschaften aufbaut.

ONETZ: Welche Bedeutung kommt der Arge "Neustadt in Europa" in Zukunft zu?

Hans Schreyegg: Wir werden neue Idee aufgreifen müssen, die Bevölkerung und die Jugend noch aktiver einbinden und animieren mitzumachen. Städtefreundschaft und internationale Freundschaft geht nur über die Jungen und Beziehungen.

Hans Schreyegg mit Ehefrau Uschi (links) inmitten der Delegation aus seiner Heimatstadt Neustadt/WN.
Kommentar:

Europa von seiner besten Seite

Die Arbeitsgemeinschaft "Neustadt in Europa" füllt den europäischen Gedanken so selbstverständlich aber doch beispielhaft und unaufdringlich wie sonst wenige andere Initiativen. Das könnte bei den Verantwortlichen in Brüssel und Straßburg ankommen und ihnen auch etwas wert sein. Sie wäre eine Anerkennung, da doch jedes der beteiligten Neustädte Europa von seiner besten Seite repräsentiert. Dazu sollte keine Satzung oder gar ein Reglement für die Arbeitsgemeinschaft nötig sein, die die quicklebendige Städtepartnerschaft sonst in ihrer Kreativität einengen könnten.

Uwe Ibl

Hans Schreyegg beim Neustadt-Treffen in Bad Neustadt.
Hans Schreyegg.
Hans Schreyegg.
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