16.07.2020 - 10:34 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Versammlung der Heiligen

Vom Heiligen Rupert bis zu St. Laurentius: In der Mutter-Anna-Kirche auf dem Mühlberg in Neustadt/WN sind viele Märtyrer zu entdecken. Zentrales Bild am Hauptaltar ist das Gnadenbild der Anna Selbdritt.

Mit seinem prächtigen Akanthusrahmen stammt der linke Seitenaltar, so vermutet der Neustädter Heimatforscher Heinrich Ascherl, von St. Quirin, das einen neuen Seitenaltar erhielt.
von Rainer ChristophProfil

Jedes Jahr am letzten Sonntag im Juli wird in der Mutter-Anna-Kirche am Mühlberg das Mutter-Anna-Fest gefeiert. Verbunden ist damit eine Wallfahrt von Altenstadt/WN aus. Die Kirche gehört heute noch zur Pfarrei Altenstadt/WN, auch wenn der Mühlberg bei der Gebietsreform Neustadt/WN zugeschlagen wurde.

In der Kirche befinden sich heute drei Altäre. Bereits im Jahre 1742 berichtete der Altenstädter Pfarrer Hessler ans Ordinariat in Regensburg von zwei Altären, von denen keiner konsekriert sei. Der Hauptaltar in der Mitte hatte einen "uralten Altarkasten mit einem offenen Türchen, darin ein "Bildniss des Hl. Laurentius., rechts des Emmerams und linkerseits des Hl. Wolfgangs". Ebenso standen im Hauptaltar der Hl. Ruperti und St. Mauritius. Einige dieser Figuren sollen aus der, wegen Baufälligkeit im Jahre 1561 abgerissenen, Kirche St. Nikolaus in Floß stammen.

Der Hochaltar stand bis 1742 im Vordergrund und wurde auf Bitten des Pfarrers tiefer in den Chor eingebaut. So wie wir ihn heute sehen, stammt der Rokoko-Altar im Presbyterium vom Waldthurner Bildhauer Kurzwart, der auch den Wallfahrtsaltar am St. Quirin fertigte. Der Neustädter Künstler Thaddäus Rabusky fasste im Jahre 1830 den Hochaltar.

Vergoldete Kapitelle

Der Altar besteht aus marmorierten Holz und breitet sich mächtig aus. Er reicht von der linken zur rechten Chorwand hinauf bis an die Decke und hat auf jeder Seite zwei gewundene, teilweise verzierte Säulen mit vergoldeten Kapitellen. Verspielt wirkende Engelsfiguren finden sich ebenso als schmückendes Beiwerk, wie Rocaille-Ornamente an die Säulen und dem Tabernakel, fast schwerelos beleben sie die Säulen. Anstelle eines Altarblatts mit Bild beherbergt der Hochaltar zentral über dem Tabernakel einen Glasschrein mit dem Gnadenbild der Anna Selbdritt. Obenauf sieht der Besucher lichtdurchflutet in der Morgensonne die Figur des Heiligen Nikolaus thronen, dem ehemaligen Patron der Kirche in einem fast verspielt wirkenden, oval krönenden Bogen ohne Rückwand.

Der Hauptaltar der Mutter-Anna-Kirche hat zentral über dem Tabernakel einen Glasschrein mit dem Gnadenbild der Anna Selbdritt. Obenauf sieht der Besucher die Figur des Heiligen Nikolaus, ehemaliger Patron der Kirche.

Auf der Rückseite des Hochaltars steht "Paul Selch in Parkstein". Er war der beteiligte Zimmermann und Schreiner. Die fürstliche Oberamtswitwe Eva Freifrau von Riesenfeld aus Neustadt stiftet 150 Gulden für die Errichtung des neuen Hochaltars im Mai 1776. Ein Schild mit der Aufschrift "Memento Maria Eva" erinnert daran. Beim Abbruch des alten Altars wurden die Figuren entfernt und wanderten auf die Seitenaltäre.

Heimsuchung Mariens

"Hochpreise meine Seele den Herrn": Der rechte Seitenaltar ist der Heimsuchung Mariens geweiht und eine neuzeitliche Anfertigung ohne großen künstlerischen Hintergrund. Angeblich kommt er aus einer Werkstatt in Pfreimd und erinnert an den damals auch in unserer Gegend verbreiteten Malstil der Nazarener des 19. Jahrhunderts. Bedeutsam ist lediglich die kleine Figur der Anna Selbdritt, die um das Jahr 1500 geschnitzt, aus der Würzburger Gegend gekommen ist.

Brückenheiliger

Auf gleicher Höhe befinden sich zwei Figuren. Hier handelt es sich um die Hl. Barbara (links) und Maria Magdalena (rechts). Über dem Altartisch links steht der böhmische Brückenheilige Johannes von Nepomuk, in der Mitte, im Sakramentshäuschen, eine Madonnenfigur mit dem Jesuskind, rechts die Figur des Auferstandenen. Diese Figuren kamen erst später hinzu. An der Wand linkerhand des Altars ist der Heilige Laurentius "mit dem Rost" dargestellt. Er stand im ersten Hochaltar an der Stelle, wo heute der Schrein der Anna Selbdritt steht.

Mit seinem prächtigen Akanthusrahmen stammt der linke Seitenaltar, so vermutet der Neustädter Heimatforscher Heinrich Ascherl, von St. Quirin, das einen neuen Seitenaltar erhielt. Die ehemaligen Figuren des Hochaltars sind hier zu finden. Dieser Meinung war auch der ehemalige Pfarrer Schießl in Püchersreuth, der den Altar am liebsten für die Wallfahrtskirche am Quirin zurückhaben wollte. Im Vordergrund stehen neben dem Heiligen Ruperti, die Patrone des Bistums Regensburg, der St. Emmeram (links), der Heilige Wolfgang (rechts), im Bild links Sankt Mauritius als geharnischter Märtyrer, rechts der Hl. Dionysos.

Bei der Betrachtung dieses Altars taucht immer wieder die Frage "Wer ist wer?" auf. Die Figuren sind: der Heiligen Rupert, Bischof von Salzburg. Nach dem Auftreten des Hl. Emmeram im 7. Jahrhundert trat mit Rupert zu Beginn des 8. Jahrhunderts ein weiterer fränkischer Glaubensbote auf. Dieser ist untrennbar mit der bayerischen Frühgeschichte und bis heute eng mit Salzburg verbunden. Das Land westlich der Stadt trägt als "Rupertiwinkel" bis heute seinen Namen. Rupert starb am 27. März 715 in Worms. Namenstag ist der 24. September.

Dargestellt ist auch der Heilige Mauritius, ein römischer Legionär, der mit seinen Gefährten auf Befehl von Kaiser Maximianus enthauptet worden sein soll. In Deutschland ist bis zum heutigen Tage die Abteikirche von Tholey im Saarland ein Ort der Verehrung. Dort liegen auch Reliquien des Heiligen. Namenstag ist am 22. September.

Der rechte Seitenaltar ist der Heimsuchung Mariens geweiht.

Dritter im Bunde ist der Hl. Wolfgang. Geboren als Grafensohn in Pfullingen in Schwaben erfolgte 968 die Priesterweihe durch Bischof Ulrich von Augsburg in Einsiedeln. 972 kam die Ernennung zum Bischof von Regensburg. Inthronisation und Bischofsweihe war 973 in Regensburg. 973 errichtete er das Bistum Prag gegen den Willen des eigenen Domkapitels. Am 31. Oktober 994 starb er in Pupping in der Nähe von Eferding bei Linz in Österreich. Er ist Patron des Bistums Regensburgs. Sein Namenstag ist am 3. Oktober.

Ungewollt schwanger

Dann sieht man den Hl. Emmeram, Bischof von Regensburg. Gemeinsam mit Rupert von Salzburg und Korbinian von Freising zählt Emmeram zu den großen Missions- und Wanderbischöfen des 7. und frühen 8. Jahrhunderts im frühmittelalterlichen Bayern. Drei Jahre nach seiner Ankunft in Regensburg vertraute sich Uta, die Tochter des Herzogs, Emmeram an. Ihre heimliche Liaison mit dem Sohn eines herzoglichen Richters war nicht ohne Folgen geblieben und nun fürchteten beide den Zorn Theodos angesichts der ungewollten Schwangerschaft.

Mehr zur Wallfahrt zur Mutter Anna:

Altenstadt an der Waldnaab

Emmeram riet beiden, ihn selbst als Vater des ungeborenen Kindes anzugeben, um die zwei Liebenden vor der Strafe des Herzogs zu schützen. Er selbst wollte eine Reise nach Rom antreten, sich vor dem Papst für den vermeintlichen Fehltritt verantworten und nach seiner Rückkehr auch vor dem Herzog den Sachverhalt aufklären. Bereits kurz nach seiner Abreise eröffnete Uta ihrem Vater die mit Emmeram vereinbarte Geschichte. Um die Ehre seiner Schwester zu retten, setzte daraufhin der Herzogssohn Lantpert dem in seinen Augen flüchtenden Emmeram nach. Beim heutigen Kleinhelfendorf südöstlich von München stellte er den Bischof, ließ ihn auf eine Leiter binden und martern. Kurz vor Aschheim erlag der Bischof seinen Verletzungen.

Emmeram mit Leiter

Die ältesten Darstellungen aus dem Regensburger Raum zeigen Emmeram in Messkleidung. Erst seit dem 15. Jahrhundert wurde die Darstellung als Bischof im Ornat, mit Bischofsstab und Mitra üblich. Als Hinweis auf sein Martyrium führt er eine Leiter mit sich. Sein Namenstag ist der 22. September.

Zu guter Letzt ist der Hl. Dionysos, Bischof von Alexandria, dargestellt. Er wurde geboren um 180 in Ägypten, er starb um 265 in Alexandria. Dionysius wurde um das Jahr 247 in hohem Alter Bischof. Er musste bald schon vor den Christenverfolgern unter Kaiser Decius fliehen und begab sich nach Libyen und ins Nil-Delta. Als er zurückkehren konnte, fand er sein Bistum verwüstet. Einige seiner Schriften sind bruchstückhaft bis heute erhalten. Sein Namenstag ist am 17. November.

Hintergrund:

Mutter-Anna-Fest

Aufgrund der Corona-Pandemie verläuft das Mutter-Anna-Fest am Sonntag, 26. Juli, in diesem Jahr anders. Die Feuerwehr Neustadt/WN, die stets für den weltlichen Teil des Festes verantwortlich zeichnet, hat die Bewirtung abgesagt. Das wird zutiefst bedauert, aber auch akzeptiert.

Die Pfarrei Altenstadt/WN will „wegen der äußeren Bedingungen“ das 312. Mutter- Anna-Fest „umso tiefer aus der Dimension des Glaubens heraus feiern“. Um 10 Uhr ist die Festmesse zum Patrozinium am Mühlberg geplant. Um 17 Uhr besteht die Möglichkeit zum Einzelsegen mit der Mutter-Anna-Reliquien-Monstranz. Um 18 Uhr ist eucharistische Rosenkranzandacht um christliche Mütter. (cr)

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.