13.10.2020 - 17:55 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Wegen Turnhallensanierung: Basketballer der DJK Neustadt fürchten um Existenz der Abteilung

Sanierung statt Neubau. Noch ist es nicht beschlossen, aber sehr wahrscheinlich wird es am Gymnasium Neustadt/WN so kommen. Einige sind gar nicht einverstanden damit.

Solch packende Spielszenen, wie hier im Match gegen Jena, seien nicht mehr möglich, wenn die Basketballer der DJK Neustadt ihre Heimstätte, die Turnhalle des Gymnasiums wegen Umbauarbeiten räumen müssten, fürchtet der Abteilungsleiter. In der Umgebung gebe es kaum andere Hallen, die Regionalliga-Anforderungen gerecht würden.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Erst muss es der Kreisausschuss im November absegnen, aber es gilt als sicher, dass er der einstimmigen Empfehlung des Bau- und Vergabeausschusses des Kreistags folgt. Der hatte den geplanten Neubau der Dreifachturnhalle des Neustädter Gymnasiums in nichtöffentlicher Sitzung zurückgezogen (wir berichteten). Stattdessen soll, wie ursprünglich bis Herbst 2019 vorgesehen, eine um 2,1 Millionen Euro günstigere Sanierung zum Zug kommen.

Darüber ist Willy Merkl entsetzt. Er hat als Sportlehrer am Gymnasium und Basketball-Abteilungsleiter der DJK fest mit einem Neubau in unmittelbarer Nähe gerechnet. Der Vorteil: Schul- und Vereinssport hätten parallel dazu in der alten Halle stattfinden können.

In einem zweiseitigen Schreiben an Landrat Andreas Meier und die Kreisräte führt er eine Fülle von Argumenten dafür an. Der Basketball-Förderverein hat gleich noch nachgelegt.

Merkl rechnet anders als die Kämmerei im Landratsamt. Bei einem Neubau würde sich der Landkreis Einiges sparen, denn Kosten für Schülertransporte in umliegende Hallen fielen weg. 700 000 Euro, die ein Abriss kosten würde, müssten ohnehin anderweitig ausgegeben werden: für eine provisorische Ersatz-Dreifachhalle. "Die müssen wir im Einvernehmen mit dem Landkreis unbedingt hinkriegen", hofft Merkl.

Schulleiter "verständnisvoll"

Er fürchtet, dass 1500 Schüler ab Frühjahr 2021 zwei Jahre keinen Sportunterricht haben, nachdem der Lockdown in Schulturnhallen bereits von März bis Juli 2020 gedauert habe. Diese Zahl hält Landrat Andreas Meier für "weit übertrieben": "Die Schulleiter von Gymnasium, Realschule und Förderzentrum waren bei mir. Wir kooperieren, um möglichst viel abzufedern. Alle waren sehr verständnisvoll." Zudem wäre bei der Sanierung nicht nur der Abriss, sondern auch die Entsorgung des Bauschutts gespart.

Merkl sorgt sich ebenso um die Basketballsparte der DJK. "Es geht um die Existenz." Der Verein habe 15 Mannschaften im Spielbetrieb, und Trainingszeiten seien überall knapp. Ein Ausweichen in Nachbarorte sei daher schwierig. Erst recht für das Aushängeschild, die Erste Mannschaft, die in der 2. Regionalliga spielt. Für solch hochklassige Teams gebe es Vorschriften für Hallen, etwa Abstandsflächen hinter dem Korb.

Das erfüllten höchstens Hallen in Weiden und Vohenstrauß. Mit den Verantwortlichen dort will Merkl eventuell Kontakt aufnehmen, auch wenn er sich keine großen Chancen auf Asyl ausrechnet.

Am liebsten würden die Basketballer ohnehin in Neustadt bleiben. Zwar gebe es halbwegs geeignete Hallen in Eschenbach, Wiesau oder Tirschenreuth, aber die seien alle 30 Kilometer entfernt. Schlecht für Fans. "Und unsere Spieler fahren eh schon bis aus Regensburg her."

Weiden als Negativbeispiel

Merkl glaubt nicht, dass die Sanierung nur eine Hallensaison dauern würde. "Bei der Realschulhalle in Weiden hat es über zwei Jahre gedauert." Zudem habe der Landkreis einen Rechtsstreit gegen eine Bodenlegefirma verloren, weil sich der Hallenboden gewellt hat. Wegen des feuchten Untergrunds müsste also der Boden trockengelegt und eine Wanne eingebaut werden, was die Sanierung nochmals verteure. Prallschutz und Verkleidungen entsprächen nicht mehr den Normen, Geräteräume seien zu klein, Umkleiden zu weit auseinander und die Belüftung zu schlecht. Zudem seien eine Kletterwand und ein Kraftraum wünschenswert. Kurzum: Ein Neubau muss her.

Etwas gelassener sieht Hans Eismann das Ganze. Er ist Vorsitzender des TV Floß, dessen Faustballer am Gymnasium trainieren. Wenn die Halle ab dem Frühjahr gesperrt würde, verlagere sich das Training ohnehin ins Freie. Danach werde man sehen. Kreisrätin Margit Kirzinger (SPD) räumt ein, dass der Bauausschuss "schweren Herzens" zu einem schnellen Beschluss gezwungen war, weil sonst Förderfristen verstreichen, inhaltlich verteidigt sie das Votum aber. "Die Situation, dass wir eine neue Förderschule bauen müssen, war wirklich nicht absehbar. Und 2,1 Millionen Euro, die wir einsparen, sind keine Kleinigkeit. Das ist Steuergeld."

Es geht um die Existenz unserer Abteilung.

Willy Merkl, Sportlehrer und Basketball-Chef der DJK Neustadt

Willy Merkl, Sportlehrer und Basketball-Chef der DJK Neustadt

Hintergründe zum abgesagten Turnhallen-Neubau

Neustadt an der Waldnaab
Kommentar:

Klassenzimmer zuerst

Es sieht wie ein Zickzackkurs aus. Erst beschließt der Kreistag 2019, die Turnhalle des Neustädter Gymnasiums zu sanieren, wenig später legt er noch mal zwei Millionen Euro drauf und favorisiert einen Neubau. Nun kommt wohl die Rolle rückwärts.
Man kann es aus gutem Grund auch anders sehen. Nämlich so, dass die fetten Gewerbesteuerjahre vorbei, gesparte 2,1 Millionen eine Menge Geld und Prioritäten schmerzhaft sind. Eine solche Priorität ist die Beseitigung der Raumnot an Real- und Förderschule in Neustadt. Der fällt der Turnhallenneubau zum Opfer.
Es ehrt Willy Merkl, wenn er als Sportlehrer für sein Fach kämpft. Weil öffentliche Unterstützung aus der Lehrerschaft jedoch nirgends in Sicht ist, rennt er gegen Windmühlen an.
Was die Basketballer betrifft, wäre es Zeit, die Floskel der interkommunalen Zusammenarbeit mal wieder zu bemühen. Was bei der DJK geleistet wird, glänzt längst überregional und hat daher Schützenhilfe aus dem Umland verdient. Sollte es damit getan sein, dass die Sanierung in Neustadt in einer Hallensaison erledigt ist, wäre es für die Sportler auch nicht unzumutbar, 30 Kilometer Zusatzweg zu Training und Spiel in Kauf nehmen zu müssen. In Ballungsräumen sind solche Entfernungen gang und gäbe.

Friedrich Peterhans

 

 

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