12.10.2020 - 16:53 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Neue Schullandschaft auf dem Felix in Neustadt/WN

Letzte Woche war es nur ein Gerücht, mittlerweile ist es bestätigt: Der Landkreis will die Turnhalle des Gymnasiums Neustadt nur sanieren statt neu bauen. Die Hintergründe hat kaum einer geahnt. Sie verändern ein ganzes Stadtviertel.

Der Landkreis will Teilflächen des Neustädter Krankenhauses kaufen und dort die neue Förderschule bauen. In dem bestehenden Gebäude des Sonderpädagogischen Förderzentrums könnte sich dann die Lobkowitz-Realschule ausbreiten.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Der Bau- und Vergabeausschuss des Kreistags traf sich am Montag letzter Woche nichtöffentlich. Danach sickerte durch, dass er hinter den vor einem Jahr gefassten Beschluss zurückrudert. Damals hatte der Kreisausschuss festgelegt, die bereits abgesegnete Sanierung der Dreifachhalle des Gymnasiums Neustadt einzukassieren, weil ein Neubau "nur" 2,1 Millionen Euro teurer käme. Also gleich ein neues Schmuckstück für Schul- und Vereinssport, über das sich von allen Vereinen vor allem die Basketballer der DJK Neustadt sehr gefreut hätten.

Eine Woche später liefert Landrat Andreas Meier im Kreisausschuss die Erklärung für die nun erfolgte Absage des Plans. Vorrang vor einer neuen Halle am Gymnasium hat ein 28-Millionen-Euro-Paket, das gleich vier Schulen auf dem Kulturhügel in der Kreisstadt betrifft. Damit verbunden sind ein komplett neues Schulgebäude, eine neue Einfachturnhalle und Veränderungen auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses. Das alles soll innerhalb von fünf Jahren geschehen.

Neubau auf Kliniken-Grund

So soll am Krankenhaus die Förderschule komplett neu gebaut werden. Der Kreisausschuss hatte Meier nichtöffentlich ermächtigt, Grundstücksverhandlungen mit der Kliniken Nordoberpfalz AG aufzunehmen. Das bestehende Gebäude der Förderschule soll zugleich so saniert werden, dass es die benachbarte Lobkowitz-Realschule nutzen kann, die wegen steigender Schülerzahlen aus allen Nähten platzt und wo allein 14 Klassenzimmer fehlen. Ähnlich eng sieht es an der Förderschule aus.

Apropos Schülerzahlen: Weil nach Berechnungen von Fachstellen auf dem Felixhügel inzwischen eine Einfachturnhalle zu wenig steht, soll "an zentraler Stelle" eine neue gebaut werden. Wo genau, stehe noch nicht fest, teilt das Landratsamt auf Anfrage mit. Ziel sei, für alle Schulen kurze Wege zu haben.

Obendrein ist der Schwimmhalle an der Realschule nicht das ewige Leben vergönnt. Eine Generalsanierung würde rund sieben Millionen Euro kosten. Daneben hat das Berufsschulzentrum Erweiterungsbedarf angemeldet, was mit etwa 5,2 Millionen Euro kalkuliert ist. Unterm Strich kommen so die 28 Millionen Euro zustande.

Müssten dann nicht 2,1 Millionen für eine komplett neue Dreifachhalle am Gymnasium noch drin sein? Meier sagt Nein und verweist auf den einstimmigen Beschluss aller im Bau- und Vergabeausschuss vertretenen Kreistagsfraktionen. Der zusätzliche Bedarf für Real- und Förderschule sei im Herbst 2019 noch nicht absehbar gewesen. Zudem drohten dem Kreis und seinen 38 Kommunen wegen Corona gewaltige Mindereinnahmen.

Mehrkosten nicht förderfähig

Meier: "Letztes Jahr wäre diese Differenz unter anderen Vorzeichen zu akzeptieren gewesen, aber 2,1 Millionen sind zwei Punkte Kreisumlage, die die Kommunen bezahlen müssten." Geld also, das den Bürgermeistern vor Ort fehlt. Überdies müsste der Kreis die Summe ohne Förderung ganz aus eigener Tasche bezahlen. Nur bei Sanierung gebe es weitere Mittel aus dem Kommunalen Investitionsprogramm des Freistaats. Der Landkreischef ist überzeugt, dass auch bei einer Hallensanierung für 5,4 Millionen Euro etwas Ordentliches auf Neubauniveau herauskäme.

Die am Gymnasium trainierenden Vereine müssten nur eine Hallensaison in einem Übergangsdomizil unterkommen. "Bei der Generalsanierung der Mehrzweckhalle Windischeschenbach und der Stadthalle Grafenwöhr hat es doch auch geklappt", bittet Meier um Verständnis.

Er verstehe, dass dies organisatorischen Aufwand bedeute, seine Behörde und der Kreistag versuchten aber auch, den Vereinen wo es gehe entgegenzukommen. "Der kommunale Prüfungsverband schreibt uns jedes Jahr, dass wir Hallennutzungsgebühren verlangen sollen, doch das tun wir nicht."

Der frühere Beschluss zum Neubau der Turnhalle

Neustadt an der Waldnaab
Reaktionen:

Kaum drang die Kunde durch, dass am Gymnasium die Halle doch saniert statt neu gebaut wird, formierte sich dagegen Protest, vor allem aus Kreisen der DJK Neustadt. Besonders enttäuscht reagiert Willy Merkl, DJK-Abteilungsleiter Basketball, Sportlehrer am Gymnasium und Bezirksvorsitzender des Basketballverbands. Er befürchtet, dass ab Frühjahr 2021 rund 1500 Schüler über wahrscheinlich mehr als zwei Jahre keinen Sportunterricht haben. Landrat Meier rechnet zwar auch mit Unterrichtsausfall, ist aber zuversichtlich, viel mit den Sportstätten umliegender Schulen aufzufangen. Hintergrund: Bei einem Neubau auf dem benachbarten Kugelstoßplatz könnte parallel dazu der Sportbetrieb in der alten Halle weiterlaufen. Basketball-Fördervereinsvorsitzender David Weimann vermisst in einem Schreiben an die Kreisräte "Mut für eine richtungsweisende Entscheidung". Der Schulleiter des Gymnasiums, Anton Hochberger, wollte sich auf Anfrage von Oberpfalz-Medien, nicht äußern. (phs)

 

 

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