12.04.2019 - 15:10 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Weniger Unfälle, mehr Verletzte und Tote auf Autobahnen

Die Zahl der Unfälle im Zuständigkeitsbereich der Weidener Verkehrspolizei auf den Autobahnen 6 und 93 ist gesunken. Verletzte gab es jedoch so viele wie seit 2010 nicht mehr. Angestiegen ist auch die Zahl der Straftaten auf der Straße.

In diesen Warnleitanhänger der Autobahnmeisterei krachte im Oktober 2018 ein Lkw auf der A 93 bei Wiesau. Der Fahrer hatte den Anhänger trotz deutlicher Warnzeichen übersehen. Am Fahrzeug standen vier Straßenmeister, die sich in letzter Sekunde retten konnten.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Immer mehr Fahrzeuge verzeichnet die Verkehrspolizeiinspektion (VPI) in ihrem Zuständigkeitsbereich auf den Autobahnen 6 und 93 (siehe Kasten). Das geht aus dem aktuellen Verkehrslagebericht der VPI für 2018 hervor. Laut Messungen im Bereich Waidhaus fuhren auf der A 6 im Jahr 2018 6,1 Millionen Fahrzeuge. 2017 waren es 5,9 Millionen. Im Vergleich zu 2011 (4,3 Millionen) handelt es sich um einen Anstieg um 47 Prozent. Der Schwerverkehr (Busse, Sattelzüge und Lkw über 3,5 Tonnen) mache aktuell rund 37 Prozent aus.

Auf der A 93 ist der Verkehr im Vergleich zu 2011 um 12 Prozent auf 13,5 Millionen Fahrzeuge gestiegen (2017: 13,2 Millionen). Der Schwerverkehrsanteil beträgt hier etwa 16 Prozent.

Multimedia-Spezial: Weiden und die A 93

16 Prozent weniger Unfälle

Auf den Streckenabschnitten, für die die VPI zuständig ist, sind auf beiden Autobahnen insgesamt 16 Prozent weniger Unfälle passiert. 2018 krachte es 465 mal (551 mal in 2017). Erfreulich auch die gesunkene Zahl von Unfällen auf der A 93 im Stadtgebiet Weiden. Diese Zahl war nämlich seit 2014 kontinuierlich gestiegen. 96 Unfälle passierten hier im vergangenen Jahr, 2017 waren es noch 117 – ein Rückgang um 18 Prozent.

Allerdings stieg die Zahl der Unfälle auf der A 6 und A 93, bei denen Menschen verletzt wurden, um vier Prozent auf 58 Unfälle an. Insgesamt kamen auf den beiden Autobahnabschnitten im vergangenen Jahr 108 Menschen zu schaden – der höchste Wert seit 2010. Die häufigsten Unfallursachen auf der A 6 und A 93 laut VPI: Fahrfehler (174 Unfälle) und zu geringer Sicherheitsabstand (52 Unfälle).

Auf den beiden Autobahnen kamen im Gegensatz zum Vorjahr zwei Menschen ums Leben: Auf der A 93 fuhr im Januar ein 76-Jähriger kurz vor der Ausfahrt Frauenricht ungebremst auf einen Sattelzug auf. Seine Ehefrau und Beifahrerin starb später an ihren Verletzungen. Im März übersah ein 59-jähriger Tscheche auf der A 6 bei Waidhaus ein Stauende und fuhr ebenfalls ungebremst auf einen Sattelzug. Er starb an der Unfallstelle.

Nur knapp dem Tod entkamen außerdem vier Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Windischeschenbach / Rehau im Oktober, als ein Lkw-Fahrer bei Wiesau einen Warnleitanhänger der Meisterei mit voller Wucht rammte. Die Straßenmeister retteten sich laut Polizei in letzter Sekunde mit einem Sprung über die Leitplanke. Weitere neun Personen wurden an diesem Tag durch Folgeunfälle verletzt.

Windischeschenbach

Auf der A 93 führte die Polizei 2018 91 mobile Abstandsmessungen durch. Das Ergebnis: 2768 Anzeigen (2017: 2530) und 423 Fahrverbote (2017: 322). Auf der A 93 kam es außerdem zu 38 Wildunfällen. Unfälle durch Geisterfahrer gab es 2018 zum Glück nicht, obwohl fünf Falschfahrer gemeldet worden waren (2017 waren es sogar 10).

Luhe-Wildenau

Fast 30 Prozent mehr Straftaten im Verkehr

Um 29 Prozent zugenommen hat die Zahl der Verkehrsstraftaten laut der VPI-Statistik. Dabei handelte es sich hauptsächlich um Kennzeichenmissbrauch (28 Fälle 2018, 1 Fall 2017) und das Fahren ohne Fahrerlaubnis (71 Fälle 2018, 2017: 65).

Deutlich angestiegen ist auch die Zahl der registrierten Fahrten unter Drogeneinfluss auf den Autobahnen: 52 Fälle registrierte die Polizei im vergangenen Jahr. 2017 waren es nur 39. Die Polizei begründet dies vor allem mit der Intensivierung der Kontrollen in diesem Bereich.

Raser fährt 75 km/h zu schnell

Im gesamten Zuständigkeitsbereich führten die Beamten 833 (2017: 999) mobile Geschwindigkeitskontrollen an mehr als einer halben Million Fahrzeuge durch. Bei 9605 Fahrern gab es etwas zu beanstanden, eine Quote von 1,73 Prozent. Das schnellste Kfz innerhalb einer Ortschaft erwischte die Polizei im Landkreis Tirschenreuth mit 105 statt der erlaubten 50 km/h. Außerorts traf es einen Fahrer im Landkreis Neustadt, der mit 175 statt 100 km/h unterwegs gewesen war. Auf der A 93 wurde ein Raser im Bereich Neustadt mit 194 statt der erlaubten 120 km/h gemessen.

Viele Beanstandungen im schweren Verkehr

Im gewerblichen Schwerverkehr kontrollierte die Polizei 2390 Fahrzeuge mit einer Beanstandungsquote von ganzen 47 Prozent. Im Gefahrgutbereich wurden 562 Kontrollen durchgeführt. Hier wurden sogar 60 Prozent der kontrollierten Fahrzeuge beanstandet. Beide Werte entsprechen denen aus dem Vorjahr. Die Beamten fanden zum Beispiel technische Mängel, Verstöße gegen Sozialvorschriften und die Straßenverkehrsordnung sowie zahlreiche Fälle von unzureichender Sicherung der Ladung.

Auf der A 6 kontrollierte die Polizei im September einen türkischen Lkw und entdeckte 20 mit je 1000 Kilogramm Säure gefüllte Behälter, die ungesichert transportiert wurden. Die Säure hätte jederzeit unkontrolliert austreten können. Der Lkw durfte nicht weiterfahren und es hagelte drei- bis vierstellige Bußgelder für den Fahrer, den Spediteur und den Verlader.

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Zuständigkeitsbereich der VPI

Die VPI Weiden ist auf rund 80 Streckenkilometern zuständig für die Autobahn 93 (Anschlussstellen Pechbrunn bis Wernberg) und die A 6 (Anschlussstelle Leuchtenberg bis zur tschechischen Landesgrenze). Zudem deckt sie in folgenden Aufgabenbereichen die Landkreise Neustadt und Tirschenreuth sowie die Stadt Weiden ab: Kontrolle des gewerblichen Personen- und Güterverkehrs, technische Verkehrsüberwachung, Schleierfahndung und Fahndung von Unfallflüchtigen, Unterstützung der örtlichen Polizei bei Verkehrsfragen unter anderem durch die Motorradgruppe sowie mit Messgeräten. Wo sinnvoll, kooperiert sie mit der tschechischen Polizei.

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