Neustadt an der Waldnaab
17.07.2018 - 18:14 Uhr

Zurück zuhause

Fünf Monate nach dem Brand sind nun die letzten Bewohner des Caritas-Alten- und Pflegeheims St. Martin zurück in Neustadt. So langsam kehrt auch bei Heimleiterin Stefanie Schricker wieder Normalität ein.

Sie sind endlich wieder daheim: Patrick Bodensteiner (Dritter von links) und Heimleiterin Stefanie Schricker empfangen die Bewohner (von links) Inge Bauer, Josef Karl, Christoph Beierl und Herta Pöllmann. Schönberger
Sie sind endlich wieder daheim: Patrick Bodensteiner (Dritter von links) und Heimleiterin Stefanie Schricker empfangen die Bewohner (von links) Inge Bauer, Josef Karl, Christoph Beierl und Herta Pöllmann.

(tsa) Josef Karl und Christoph Beierl sitzen auf den Rattan-Möbeln vor dem Eingang. "Hier ist es so schön, nichts ist vergleichbar mit Neustadt", sagt Karl. Er ist mit 30 weiteren der insgesamt 64 Bewohner am Dienstag zurückgekommen. Sie waren seit dem Brand im Februar in verschiedenen Heimen untergebracht. Der 94-Jährige hatte sein Quartier in einem Weidener Heim. "Das ist überstanden. Ich bin froh, dass ich daheim bin."

"Die Bewohner waren quer über den Landkreis und darüber hinaus verteilt. Wir haben darauf geschaut, dass sie nah bei ihrer Familie in eine Unterkunft kommen", sagt Heimleiterin Stefanie Schricker. Vor allem bei den Patienten der geschlossenen Station war das nicht immer möglich. "Es gibt nur wenige 'behütete' Plätze." Einige Bewohner mussten deshalb sogar in Bruck (Kreis Schwandorf) untergebracht werden.

Christoph Beierl war mit seiner Frau und vier weiteren Bewohnerinnen in Vohenstrauß. "Mir hat es gefallen. Ich bin rund um die Kirche spazierengegangen. Die Schwestern waren nett und das Essen war gut." Trotzdem ist Beierl glücklich, wieder in Neustadt zu sein: "Da bin ich zuhause". Herta Pöllmann lebte übergangsweise in Waldsassen. Vor allem der riesige Garten hat ihr gefallen. Aber: "In Waldsassen war ich fremd." Pöllmann freut sich vor allem auf Pflegeazubi Andreas. Ihn hat sie besonders vermisst. "Er ist wie mein Enkelkind."

Die meisten Senioren waren grüppchenweise untergebracht. "Die Gemeinschaft hat geholfen, dass sie sich wohlfühlten", sagt Schricker. Die St.-Martin-Mitarbeiter ließen ihre Schützlinge nicht im Stich. "Betreuungskräfte sind rumgefahren und haben sich gekümmert", sagt Schricker. Sie brachten Post, feierten Geburtstage und schauten nach dem Rechten. "Es war uns wichtig zu wissen, wie es den Bewohnern aktuell geht." Vor allem die ehrenamtliche Mitarbeiterin Rita Siegert lobt Schricker. Sie kam vor dem Brand jeden Tag zweimal ins Heim, half beim Essen, begleitete die Bewohner in die Kirche. "Nach der Evakuierung ist ihr halber Lebensinhalt weggebrochen", sagt Schricker. Siegert ließ sich nicht abhalten und besuchte die verschiedenen Heime. "Und das, obwohl sie keinen Führerschein hat - und 82 Jahre alt ist. Das ist wirklich bemerkenswert", sagt Schricker.

Drei Bewohner kamen nicht zurück. "Sie sind in anderen Heimen geblieben", so Schricker. Acht Menschen verstarben. Das Personal war in der Sanierungszeit auf sechs Caritas-Häuser verteilt. "Drei blieben in anderen Caritas-Häusern, ein Mitarbeiter wechselte auf die Sozialstation." Jetzt kehrt wieder Normalität ein in St. Martin. "Nur unsere Großküche funktioniert noch nicht", sagt Schricker. Wenn die repariert ist, wird gefeiert: "Willkommenssommerfest!"



 
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