Fabian Gradl wird zum Lebensretter: Stammzellenspende für einjähriges Kind

Fußballer, Musiker und nun auch Lebensretter: Fabian Gradl aus Neuzirkendorf hat für ein einjähriges Kind Stammzellen gespendet – und das nicht zum ersten Mal.

Fabian Gradl hat die Möglichkeit, einem Kind mit einer Stammzellenspende das Leben zu retten. Für die Entnahme muss der Neuzirkendorfer ins ins Klinikum Nord in Nürnberg.
von Fritz FürkProfil

Eine gute Nachricht erreichte den Vorstand des Vereins "Hilfe für Anja". Fabian Gradl, Hobbymusiker, Feuerwehrmann aus Neuzirkendorf und Fußballspieler des SC Kirchenthumbach, spendete Anfang April zum zweiten Mal Stammzellen."Im Jubiläumsjahr ist das umso erfreulicher", sagte Vorstand Michael Sporrer dazu. Der Verein "Hilfe für Anja" blickt heuer auf das 20-jährige Bestehen zurück. Seit der Gründung im Jahr 2000 wurden über 56.200 Spender für die weltweiten Datenbank aufgenommen. Aktuell sind wegen der Coronakrise alle Typisierungsaktionen abgesagt. Die Mitglieder des Vorstands geben die Hoffnung nicht auf, dass das Vereinsjubiläum im Herbst gefeiert werden kann.

Zurück zur Geschichte von Fabian Gradl: Der junge Neuzirkendorfer ließ sich am Pfingstmontag 2015 im Sportheim Kirchenthumbach für die weltweite Datenbank registrieren. Das war damals eine spontane Aktion. Das Team von "Hilfe für Anja e.V." hatte am Tag zuvor eine Aktion im Max-Morlock-Stadion in Nürnberg. Auf dem Heimweg kam ihnen die Idee, die A-Jugend des SC Kirchenthumbach am Pfingstmontag vor dem Auswärtsspiel in Etzenricht zu typisieren. Man nahm also Kontakt mit dem damaligen SCK-Vorstand Gerhard Lindner auf. Der war sofort Feuer und Flamme für diese Idee. Whatsapp sei Dank - der Treffpunkt am Sportheim zum Auswärtsspiel wurde kurzerhand um 20 Minuten nach vorne verlegt.

Auch Pater Benedikt Röder wurde gebeten, dass er den Termin am Pfingstmontag im Gottesdienst verkündet. Am Ende wurden in der Zeit von 12.15 Uhr bis 13.15 Uhr mal nebenbei und ganz spontan 33 neue Spender aufgenommen. Darunter auch Fabian Gradl, der vier bzw. fünf Jahre später eine entscheidende Rolle spielt, aber diesmal nicht auf dem grünen Rasen.

Im Januar 2019 bekam Fabian Post aus Düsseldorf, mit der Bitte, eine Blutprobe abzugeben, da er eventuell als Spender in Frage kommt. Seine erste Reaktion: Er freute sich darauf, vielleicht jemandem helfen zu dürfen. Es dauerte danach erst eine Weile, ehe der begeisterte Fußballer und Musiker nach Nürnberg in das Klinikum Nord zum Gesundheits-Check geladen wurde. Als dieser Check keine Beschwerlichkeiten aufzeigte, wurden ihm die Entnahmemöglichkeiten erklärt. Die Ärzte favorisierten bei dem Neuzirkendorfer die etwas unpopulärere Knochenmark-Entnahme. Hätte er das nicht gewollt, hätte er auch die periphere Entnahme – über die Blutbahn – wählen können. „Wenn ihr Knochenmark bevorzugt, dann bekommt ihr auch Knochenmark“, sagte Fabian zu den Ärzten.

 Fabian fragte sich natürlich immer wieder, wer sein genetischer Zwilling ist. Aus Datenschutzgründen erfuhr er bisher nur, dass es sich um ein einjähriges Kind handelt, das irgendwo in Europa lebt. Noch mehr Motivation für den jungen Prozessbetreuer gibt es wirklich nicht.

Mitte Juni 2019 musste er dann in die Nordklinik. Jeder Schritt wurde ihm genau erklärt. Am Vortag wurden noch ein paar Untersuchungen gemacht, ehe ihm am nächsten Tag in der Früh die Narkose verabreicht und aus dem Beckenkamm das Knochenmark entnommen wurde. Nach 20 Minuten war alles vorbei. Fabian blieb noch ein paar Stunden in der Klinik, bevor er mit seinen Eltern wieder nach Hause fuhr. Er hätte noch eine Nacht in der Klinik bleiben dürfen, aber das sah er nicht für notwendig an.

Ob Fabian Schmerzen hatte? „Naja ich würde lügen, wenn ich es nicht zugeben würde. Die ersten zwei bis drei Tage spürte ich unangenehme Druckschmerz und Schlappheit kam natürlich auch dazu, aber nichts, was man nicht aushalten kann.“

Nach vier Tagen ging er auch wieder in die Arbeit. Sein Arbeitgeber, die Firma Rogers Germany GmbH in Eschenbach, hatte Fabian bei seinem Vorhaben nicht im Wege gestanden. Die Tage und das Jahr verging, Fabian hatte noch nichts von dem kleinen Kind gehört. Im Januar diesen Jahres fragte er schließlich nach und erhielt die Antwort, dass alles aktuell gut läuft. „Da war ich richtig erleichtert", berichtete Fabian. Umso verwunderter war er, als er Ende Februar einen Anruf bekam, ob er nochmals bereit wäre, eine zweite Spende abzugeben, diesmal Stammzellen. Der Verlauf der Gesundung des Kindes war dann doch nicht so zur Zufriedenheit der Ärzte und man wolle auf Nummer sicher gehen.

Fabians erster Gedanke war nicht: „Oh Mann, nicht schon wieder!“, sondern „Oh Gott, schade dass der/die Kleine immer noch nicht ganz über den Berg ist“. Dass er sich nicht mehr zur Verfügung stellen würde, stand für ihn nie zur Debatte.

Es ging wieder nach Nürnberg zur Voruntersuchung und am 1. April diesen Jahres durfte er zum zweiten Mal ran. Diesmal wurden Stammzellen entnommen, hierbei spürte er überhaupt keine Nebenwirkungen. Nach drei Stunden durfte er auch schon wieder nach Hause fahren. Jetzt hofft er, dass endlich dem Kind geholfen werden kann. Für den Neuzirkendorfer ist es ein gutes Gefühl, helfen zu dürfen. „Auch wenn ich das Kind nicht kenne, man macht sich immer wieder Gedanken, wie es meinem Zwilling wohl gehen mag. Auch ein dritter Anruf wäre für mich kein Problem, da würde ich aber hoffen, dass es nicht mehr für dieses Kind wäre, sondern für einen anderen Menschen. Das kleine Kind, welches jetzt mittlerweile eineinhalb Jahre ist, hat jetzt endlich mal ein Anrecht auf ein unbeschwertes Leben", erklärte Fabian. Wenn alles ausgestanden ist und die Kontaktsperre von zwei Jahren vorbei ist, würde er sich riesig freuen, wenn er die Familie und seinen genetischen Zwilling kennen lernen dürfte. 

Fabian Gradl hat die Möglichkeit, einem Kind mit einer Stammzellenspende das Leben zu retten. Für die Entnahme muss der Neuzirkendorfer ins ins Klinikum Nord in Nürnberg. Mit im Bild ist der zuständige Arzt.
Info:

Registrierung

Wer sich ebenfalls als Stammzellenspender für die weltweite Datenbank registrieren lassen will, kann dies auch zu Hause aus machen. Dazu kann über die Homepage www.lass-dich-typisieren.de ein Spender-Set angefordert werden, das dann in den nächsten Tagen per Post geliefert wird. Bestellungen sind auch unter Telefon 0171/1952747 möglich. (ü)

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Tirschenreuth

 

 

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