18.02.2019 - 18:00 Uhr
NiedermurachOberpfalz

Oberpfälzer Brauchtum ans Herz gewachsen

Er wollte nie weg aus seinem "kloin Dörfl". Trotzdem ist dieser Mann aus Niedermurach bayernweit bekannt geworden: als Rundfunkmoderator, Autor und Volksmusikant. Nun trauern viele um Alois Gillitzer, der mit 74 Jahren gestorben ist.

So kannte man ihn in der Oberpfalz: Alois Gillitzer, der aus seinem Buch vorliest.
von Autor HOUProfil

Es war zwei Tage vor dem zurückliegenden Weihnachtsfest. Da sagte er in der Küche seiner Metzgerei und Gastwirtschaft, dass doch alles gut gelaufen sei in diesem Leben. Der Sohn Tobias in seiner Fußspur als einer, der alles weiterführt. Er selbst in der Rolle des Seniors und Großvaters, der nicht nur für seine drei Kinder da war, sondern auch für die Enkel. Eine große Familie, an deren Spitze er immer stand. Dann schrieb er nach Heiligabend: "Es war schön, weil alle unter dem Christbaum saßen." Der Christbaum war für ihn Symbol für festen religiösen Glauben. Nur so konnte Alois Gillitzer manchen Schicksalsschlag akzeptieren. Seine Zuversicht war schier unglaublich. Sie gab die Kraft, an den ihm mitgegebenen Talenten festzuhalten, zur Freude unzähliger Menschen.

Gillitzer war Volksmusiker. Einer, der die Tradition angestammter Klänge wie eine Fahne vor sich hertrug und nie müde wurde, darauf zu pochen, dass die Oberpfalz ein Brauchtum besitzt und es zu verteidigen hat. Er selbst trat als Sänger hervor und gelangte an die Spitze, als ihn der damalige Landrat Hans Schuierer vertrauensvoll bat, die erstmals besetzte Funktion eines Kreisvolksmusikpflegers zu übernehmen. Erst kurze Zeit vor seinem Tod hat er dieses Amt nach 27 Jahren niedergelegt. Irgendwann ging Alois Gillitzer her und verfasste in seiner Mundart die "Oberpfälzer Weihnachtsg'schicht". Er beschrieb in Reimen das mystische Geschehen von Bethlehem und machte deutlich, dass der über einer Krippe aufgehende Stern überall auf diesem Globus hätte leuchten können - das Meisterwerk eines Laien-Autors, der danach immer wieder als Moderator beim Bayerischen Rundfunk und bei Lesungen auftrat. Faszinierend dabei mit seiner sonoren Stimme, aus der die Güte des Sprechers entnehmbar war.

Für seine Arbeit bekam Alois Gillitzer zunächst die Bundesverdienstmedaille. Dann, als er nach der Grenzöffnung oberpfälzische und böhmische Volksmusikanten zusammenführte, belohnte ihn die damalige Staatsministerin Emilia Müller mit dem Bundesverdienstkreuz. Hinzu kam die Landkreisverdienstmedaille. In Niedermurach tat er sich auch als Gemeinderat, Sport- und Feuerwehrfunktionär hervor.

In seiner Bescheidenheit ist Alois Gillitzer wohl nie bewusst geworden, welche Rolle er in seiner oberpfälzischen Heimat spielte. Der Landkreis Schwandorf und mit ihm die gesamte Oberpfalz ist am Sonntag mit Gillitzers Tod im Schwandorfer Krankenhaus ärmer geworden um einen, der sich beispielhaft einfügte: als Bürger und Mensch, der Gutes tun wollte und das auch vorlebte. Nun nehmen viele traurig Abschied. Nach einem Requiem, das am kommenden Donnerstag um 14.30 Uhr in der Niedermuracher Kirche beginnt, wird Alois Gillitzer auf dem Friedhof seines "kloin Dörfls" zu Grabe getragen.

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