05.10.2021 - 14:05 Uhr
NiedermurachOberpfalz

Pater Savari seit einem Jahr in Niedermurach: Ordenspriester wünscht sich Begegnungen

Kontakt zu den Gläubigen, das ist für Pater Savarimuthu Selvarasu enorm wichtig. Seit einem Jahr ist er in Niedermurach als Vikar. Sein indisches Heimatdorf könnte dem Namen nach auch in Bayern liegen.

Pater Savari an der Murachbrücke in Niedermurach gleich neben der Pfarrkirche. Zu Gottesdiensten ist er hier stets zu Fuß unterwegs. Er zeigt sich optimistisch in Bezug auf die weniger werdenden Kontaktbeschränkungen und hofft auf neue Begegnungen mit den Menschen.
von Josef BöhmProfil

Seit einem Jahr ist Pater Savarimuthu (kurz: Savari) Selvarasu als Pfarrvikar in der Pfarreiengemeinschaft Teunz-Niedermurach-Pertolzhofen. Dass sein Einstand als Vertreter und Unterstützer des Pfarrers in der Seelsorge in die Corona-bedingten Einschränkungen fiel, erlebte er als ziemlich nachteilig - und auch als Anlass für ihn, einen persönlichen Rück- und Ausblick zu geben. Übrigens: Bei seinem Kurznamen Savari liegt die Betonung auf dem "i".

Der aus Indien kommende Ordenspriester Pater Savarimuthu Selvarasu gibt einen tieferen Einblick in seine Herkunft und sein Leben. „Es reicht, mich mit Pater Savari anzusprechen – Savari heißt Xaver“, erklärt er und ist überzeugt, „dass den Leuten die Kurzform doch lieber ist.“ Sein Namenspatron Franz Xaver hat in seiner Familie und in seinem Dorf eine ganz besondere Stellung. Seine beiden Großväter hießen Savarimuthu und sein Bruder heißt Francis (Franz).

Mit 16 ins Priesterseminar

„Unser Dorfpatron ist der heilige Franz Xaver und der Name meines Heimatdorfes ist Saveriyar Patti, also Xavers Dorf“, erklärt er nicht ohne Stolz und sieht darin das Besondere für seinen Namen. Pater Savari ist 34 Jahre alt, sein Bruder 37. Seine Schwester starb mit nur 24 Jahren an einem Herzinfarkt. Seine Eltern und sein Bruder leben zusammen und bearbeiten auch eine kleine Landwirtschaft.

„Von Kindheit an war in mir der Wunsch, Priester zu werden“, sagt Pater Savari über seine Berufung für die Seelsorge. Mit 16 Jahren trat er in das Priesterseminar der Kongregation der „Missionare von den Heiligsten Herzen Jesu und Mariens“ ein und schloss nach zwölf Jahren ordensinterner Ausbildung das Studium in Philosophie und Theologie mit dem Bachelor ab. Am 3. Januar 2015 wurde er zum Priester geweiht.

Sein großes Interesse, nach ein paar Jahren Seelsorge in Indien als Missionar oder Ordenspriester im Ausland tätig zu werden, nahm konkrete Formen an, als ihn 2017 sein Ordensoberer fragte, ob er nach Deutschland gehen möchte. „Ich sagte ja, obwohl ich keine Ahnung von Deutschland hatte“, erzählt Pater Savari. Mit dem Erlernen der deutschen Sprache bereits in Indien und Informationen über sein Zielland kam Pater Savari gut vorbereitet im Dezember 2018 in die Diözese Regensburg als „Priester zur besonderen Verfügung im Bistum“. Nach Stationen in Stallwang und Steinach (Niederbayern) trat er im September 2020 seine zugeordnete Stelle als Pfarrvikar in der Pfarreiengemeinschaft Teunz-Niedermurach-Pertolzhofen an.

Spürbare Entlastung

Mit den Corona-Einschränkungen hatte Pater Savari einen denkbar ungünstigen Einstand in der Pfarreiengemeinschaft. Für ihn als sehr kontaktfreudigen Ordenspriester gab es außer in den Gottesdiensten kaum Möglichkeiten, mit den Pfarrangehörigen in Verbindung zu treten. „Wie soll man die Menschen kennenlernen, wenn alle quasi anonym in der Kirche sind?“, bedauert er und fügt schmunzelnd hinzu: „Ich kenne kaum die Ministranten, da sie nur mit Maske ihren Dienst verrichten.“ Als Pfarrvikar sieht er die Seelsorge als seine Kernaufgabe. Dazu zählen auch die Krankenbesuche. „Hierbei habe ich doch recht viele Pfarrangehörige kennengelernt.“

Das Mitwirken des Ordenspriesters bedeutet für Pfarrer Herbert Rösl eine spürbare Entlastung, zumal er sich in diesem Schuljahr verstärkt der Katechese in den Grundschulen Teunz und Niedermurach widmen möchte. „Pater Savari hat sich bei uns gut eingearbeitet“, betonte der Ortsgeistliche, „deshalb ist es mir wichtig, dass er noch mehr Einblick in die Verwaltung der Pfarreiengemeinschaft erhält und konkret erfährt, wie Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung den Pfarrer in seinen Aufgaben unterstützen.“

So es die örtlichen Verpflichtungen erlauben, ist Pater Savari auch als Aushilfe in den Nachbarpfarreien Gaisthal, Oberviechtach, Schönsee, Stadlern, Weiding und Winklarn unterwegs. Den Ordenspriester Pater Savari erleben die Menschen als Mann der eher leisen Töne, Ruhe und Selbstsicherheit ausstrahlend. Seine Predigten sind berührend und überzeugend, sein Gesang – gelegentlich auch mal in seiner Muttersprache Tamil – ist eine echte Bereicherung für jeden Gottesdienst.

Erfreut und dankbar ist Pater Savari, dass er sich hier keinerlei Vorurteilen ausgesetzt sieht und sich gut aufgenommen fühlt, was seine Lust auf Begegnungen natürlich verstärkt. Eine gute Gelegenheit mit ihm in Kontakt zu treten sind seine Dienststunden jeweils donnerstags im Pfarrheim Niedermurach. „Ich freue mich auf jeden Besucher, auf jedes persönliche Gespräch, auch unangemeldet“, betont er und weist darauf hin, dass bei ihm auch heilige Messen in Auftrag gegeben werden können.

Erst kochen lernen

Beeindruckt zeigte sich Pater Savari vom recht aktiven Glaubensleben in der Pfarreiengemeinschaft und von der ausgezeichneten Zusammenarbeit zwischen Pfarrei und politischer Gemeinde. Das Leben auf dem Land bedeutete für ihn ohnehin keine besondere Umstellung, schließlich wuchs er selbst in einem Dorf auf. Er liebt die Natur und die Ruhe, genießt diese bei Spaziergängen um seinen Wohnort Niedermurach und weiß die landschaftliche Schönheit der Umgebung sehr zu schätzen.

Mit den Essgewohnheiten der Oberpfalz habe er keine Probleme, so Pater Savari, denn nach seinen Worten esse er alles, bevorzugt jedoch Fisch und Gemüse. Als Selbstversorger erstellt er eigenverantwortlich seinen Speiseplan. „Ich habe erst Kochen lernen müssen“, lacht er, „denn zu Hause kochte meine Mutter und im Priesterseminar das Personal der ordenseigenen Küche.“

Dass sich Pater Savari hier respektvoller Anerkennung und großer Beliebtheit erfreuen kann, bestätigen auch Pfarrangehörige. Pfarrgemeinderats-Sprecherin Irmgard Glaser fasst es zusammen: „Mit seiner sympathischen und freundlichen Ausstrahlung bereichert er auf besondere Weise unser Pfarrleben.“ Sie gibt ihrer Hoffnung Ausdruck, „dass er hier auch ein Stück Zuhause fühlen und erleben kann.“

Ein weiteres Jahr wird Pater Savari hier auf jeden Fall noch tätig sein. In dieser Zeit will er versuchen, viele Menschen zu erreichen. Als optimistischer Ordensmann setzt er seine Hoffnung darauf, durch persönliche Begegnungen Zeichen für einen lebendigen Glauben zu setzen.

Pater Savari gefällt es hier gut und er ist sehr dankbar für die Sympathie, für jeden guten Rat und hilfreichen Tipp zur Vertiefung seiner Deutschkenntnisse. In fünf Sprachen kann er sich den Menschen zuwenden: Tamil (seine Muttersprache), Englisch, Malayalam und Kannada. Letztere sind zwei indische Sprachen, die er sprechen und verstehen, aber nicht lesen und schreiben könne. Und natürlich Deutsch. Nur der Oberpfälzer Dialekt hat halt so seine Tücken. Doch Pater Savari ist optimistisch: „Vielleicht wird es mal meine sechste Sprache“, meinte er scherzend, „ich werde daran arbeiten.“

Einführungsgottesdienst zu Erntedank

Teunz
Hintergrund:

Der Orden

  • Die Kongregation der „Missionare von den Heiligsten Herzen Jesu und Mariens“ (MSSCC) wurde 1838 in Italien gegründet.
  • Ordensgründer: Gaetano Errico, ein italienischer römisch-katholischer Priester, heiliggesprochen 2008, Gedenktag 29. Oktober.
  • Der Orden ist international aktiv. In Indien ist er in zwei Provinzen mit 60 Priestern und 50 Seminaristen vertreten. Unter anderem betreibt der Orden Schulen.
  • Pater Savari kommt aus dem südlichsten Bundesstaat Tamil Nadu (72 Millionen Einwohner) und er gehört zur „Tamil Nadu Delegation“,
  • Zwei weitere Ordensmitbrüder sind in Deutschland tätig: Pater Pani in Massing und Pater John in Neukirchen zu St. Christoph.

"Wie soll man die Menschen kennenlernen, wenn alle quasi anonym in der Kirche sind."

 Savari) Selvarasu zu den Problemen während der Pandemie

Pater Savarimuthu (kurz: Savari) Selvarasu zu den Problemen während der Pandemie

 

 

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