06.01.2019 - 13:46 Uhr
NiedermurachOberpfalz

Züchter wollen hoch hinaus

Rücklagen, die ein gutes Polster bilden, eine gelungene Brieftaubenausstellung und das Hobby vielleicht bald als Weltkulturerbe. Die Bilanz der Reisevereinigung Nabburg fällt hervorragend aus.

Der neue Flugleiter Jürgen Müller gab detaillierte Informationen zu den einzelnen Flugabläufen.
von Josef BöhmProfil

Mehrzweckhalle Niedermurach. Ein Umstand, den sich die Reisevereinigung (RV) Nabburg 86 zunutze machte. Sie hielt ihre Herbstversammlung in der Halle ab.

Zunächst ging RV-Vorsitzender Willibald Pirzer auf das Vereinsjubiläum ein, gratulierte den Mitgliedern und dankte ihnen für die Ausrichtung der RV-Brieftaubenausstellung. Diese war erneut ein besonderer Treff für Züchter und Brieftaubenfreunde. Zufrieden zeigte sich Willibald Pirzer bei seiner Ausstellungsbilanz und freute sich über das gute Gelingen in allen Bereichen der öffentlichen Brieftaubenschau. Den beiden Ausstellungssiegern Siegfried Gersing und Klaus Przywara gratulierte er zu ihren Erfolgen.

"Anspruchsvolles Hobby"

Schirmherr Bürgermeister Martin Prey richtete Glückwünsche an die Preisträger und lobte die ansprechend gestaltete Ausstellung, die er als Aushängeschild für Züchter und Gemeinde betrachte. "Brieftaubensport ist ein anspruchsvolles Hobby, das Kontinuität verlangt", betonte er und war erfreut, dass die RV Nabburg in Niedermurach zu Gast war. Zu Beginn der RV-Herbstversammlung galt das Gedenken der verstorbenen Züchter Martin Fröhler und Helmut Zanner, beide von "Gut Flug" Gleiritsch. In seinem Bericht verwies Vorsitzender Willibald Pirzer auf die letzte Vorstandschaftssitzung, in der vereinbart wurde, dass die jetzige Reiserichtung die gerechteste für die RV Nabburg sei und für eine Änderung kein Anlass bestehe. In der nächsten Saison wird auch ein 500-Kilometer- und ein 600-Kilometer-Flug stattfinden, geplant werden aber jeweils drei Flüge, damit man bei extremen Wetterbedingungen flexibel reagieren und ausweichen kann. In seinem detaillierten Rückblick auf das Reisejahr 2018 berichtete Willibald Pirzer von großen und kleinen Schwierigkeiten, aber auch von erfreulichen Erfolgen. Insgesamt könne man ein erfolgreiches Reisejahr abschließen, in dem die RV Nabburg auf allen Ebenen sehr positiv in Erscheinung trat.

Bewegtes Reisejahr

Mit exakten Berichten informierte Flugleiter Jürgen Müller die Züchter über alle Flüge der Saison. Detaillierte Angaben zu Auflasszeiten, Wetterbedingungen, Fluggeschwindigkeiten, Konkurszeiten und Flugplanänderungen ergaben das Bild eines sehr bewegten Reisejahres. Umsichtige und gute Arbeit bescheinigte der RV-Vorsitzende dem Flugleiter Jürgen Müller, der erstmals eigenverantwortlich die Flüge startete.

Einen Zwischenbericht zur finanziellen Situation der RV Nabburg gab Kassier Ambros Galli, der auf ein gutes Polster bei den Rücklagen verwies. Er wies darauf hin, dass für 19. Januar von 14 bis 16 Uhr eine Taubenimpfung bei Dyonis Prechtl in Lampenricht anberaumt ist. Jeder Züchter kann dort ohne Anmeldung seine Tauben impfen lassen.

Ein Thema war auch das Vorhaben des Brieftaubenzuchtverbandes, das "Brieftaubenwesen" als Weltkulturerbe in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturgutes aufnehmen zu lassen. In Nordrhein-Westfalen ist die Eintragung in dessen Inventar des Immateriellen Kulturerbes bereits vollzogen. Der Antrag zur Eintragung auf Bundesebene scheiterte 2018. Experten würdigten zwar die Bewerbung als spezifisches Wissen über die Natur, das durch sehr engagierte Trägerschaft gepflegt und weitergegeben wird, doch gab es noch einige Sachverhalte, die geklärt werden müssten.

Tauben haben von jeher eine besondere Bedeutung und ihre ausgeprägte Orientierungsfähigkeit wird von den Menschen seit Jahrtausenden genutzt. Bereits vor 4000 Jahren ließen die Sumerer im Gebiet des heutigen Irak, auch die ägyptischen Pharaonen und die Nachrichtenbeflissenen im antiken Griechenland oder die Kreuzritter im Mittelalter kleine Schriftstücke von den Tauben transportieren. Für das Militär waren Brieftauben unverzichtbar. Die deutsche Kavallerie zum Beispiel unterhielt schon lange vor dem Ersten Weltkrieg eine eigene Brieftaubenabteilung. Selbst Paul Julius Reuter nutzte Brieftauben für Finanznachrichten in Gebieten mit Lücken im Telegrafensystem. Schnelligkeit war schon immer gefragt und die Brieftaube war eben deutlich schneller als Boten, Kutschen oder die Eisenbahn.

Heute fliegen sie im sportlichen Wettstreit gegeneinander. Brieftauben haben eine starke Bindung zu ihrem Heimatort, zu ihrem Schlag, genauso wie ihre Züchter, die als sehr bodenständige und heimatverbundene Menschen gelten. Brieftaubenzüchter haben einen besonderen, geradezu liebevollen Bezug zu ihren Tieren und setzen im Grunde genommen das sportlich fort, was einst nutzbringender Dienst für die Menschen war.

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