08.09.2020 - 15:37 Uhr
NittenauOberpfalz

Amazon in Nittenau: 100 Jobs, wenig Gewerbesteuer

Amazon plant ein Verteilzentrum in Nittenau. Bürgermeister Benjamin Boml freut's. Die Gewerkschaft Verdi nennt den Internetgiganten als Arbeitgeber "schwierig".

Der Internetgigant Amazon plant in Nittenau ein Verteilzentrum.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Schon vor der Kommunalwahl geisterte der Name durch die Gerüchteküche, jetzt wird es konkret: Amazon will im Gewerbegebiet Waltenried ein Verteilzentrum betreiben (wir berichteten). Bauherr ist die TIH Real Estate (Essen). "Als Mieter ist Amazon im Boot", bestätigte Bürgermeister Benjamin Boml (FW) den Oberpfalzmedien. Am Dienstagabend stand das Projekt auf der Tagesordnung des Stadtrates. "Beantragt ist ein Logistikzentrum mit Bürotrakt", sagte Boml.

Vier Hektar Fläche

"Wir erwarten rund 100 Arbeitsplätze", sagte der Bürgermeister. Dies sei ein gutes Signal für Nittenau und auch die Region. "Gerade auch in Zeiten, in denen man nicht weiß, wie es wirtschaftlich weitergeht", sagte Boml mit Blick auf die Coronakrise. Für einen Teilbereich des vier Hektar großen Grundstückes nahe der Brucker Straße müsse der Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Das Grundstück gehört nach Bomls Auskunft nicht der Stadt.

Verteilzentren stehen am unteren Ende der Logistik-Kette des Internetriesen. Dort kommen die Waren aus großen Zentren wie Graben (bei Augsburg) an, werden von Dienstleistern abgeholt und an die Kunden zugestellt. "Der große Gewerbesteuerzahler wird das leider nicht", sagte Boml.

Befristete Verträge

"Aus Arbeitnehmer- und Gewerkschaftssicht ist Amazon eins schwieriger Arbeitgeber", sagte Thomas Gürlebeck, Gewerkschaftssekretär für den Bereich Handel beim Verdi-Landesverband Bayern. Seiner Erfahrung aus dem Amazon-Logistikzentrum in Graben nach arbeitet der Internetriese häufig mit befristeten Arbeitsverträgen, die nach 24 Monaten auslaufen. Genau dann, wenn im "Amazon-System" eine Höherstufung möglich wäre. "Nach 23 Monaten ist dann Schluss, und Amazon bedient sich auf dem Arbeitsmarkt". Rechtlich ist das möglich. Während Belegschaft und Gewerkschaft in den meisten großen Amazon-Zentren Betriebsräte etablieren konnten, sei das in den Vetriebszentren bislang nicht der Fall. Das sei aufgrund der Befristungen auch schwierig, meinte Gürlebeck. Wer kandidiere, könne Gefahr laufen, dass sein Vertrag nicht verlängert werde. "Eine Begründung dafür braucht es ja nicht", so der Gewerkschaftssekretär.

Amazon will nach Nittenau

Nittenau

Der Internetgigant orientiere sich erfahrungsgemäß am regionalen Lohnniveau. "Meistens bezahlen sie etwas mehr als in der Leiharbeitsbranche", so Gürlebeck. Tarifgebunden ist Amazon nicht. In Pommersfelden (Kreis Bamberg) entsteht nach einem Ratsbegehren ebenfalls ein Verteilzentrum, das 2021 in Betrieb gehen soll. Dort sprach ein Amazon-Vertreter laut Presseberichten von einem Stundenlohn von mindestens 11,91 Euro. Das Ausliefern der Pakete vom Verteilzentrum zum Kunden übernehmen die bekannten Paket-Dienstleister. "Die Ausfahrer sind oft Sub-Sub-Unternehmer", sagte Gürlebeck, "da herrschen auch prekäre Arbeitsverhältnisse".

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