16.04.2019 - 16:24 Uhr
NittenauOberpfalz

Anklage gegen Jäger erhoben

Fahrlässige Tötung: So lautet die Anklage gegen einen 46-Jährigen Jäger aus dem Landkreis Schwandorf. Er soll einen Schuss abgegeben haben, der im August 2018 einen 47-Jährigen Mann das Leben kostete.

Bei Nittenau suchten Polizeibeamte mehrere Male das Feld nahe der Bundesstraße 16 ab, auf dem eine Jagd stattgefunden hatte. Ein Verkehrsteilnehmer war von einer Kugel aus einem Jagdgewehr getroffen und getötet worden
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Die ballistischen Gutachten zum Jagdunfall im August 2018 bei Nittenau sind abgeschlossen. Das Ergebnis: Das Projektil, das den 47-jährigen Beifahrer in einem Auto auf der Bundesstraße 16 getötet hat, ist nicht von einem harten Gegenstand oder dem Boden abgeprallt, war also kein Querschläger. Das bestätigte Leitender Oberstaatsanwalt Joachim Diesch den Oberpfalz-Medien. Für die juristische Einordnung des tragischen Unfalls hätte diese Frage ohnehin keine Rolle gespielt.

Die ballistischen Untersuchungen hätten ergeben, dass das Projektil weiches Gewebe - also möglicherweise Weichteile eines Tieres oder Pflanzen - durchschlagen habe, bevor es das Opfer traf. Dabei sei die Kugel aber nicht wesentlich abgelenkt oder nennenswert abgebremst worden. Die Staatsanwaltschaft habe wegen des schrecklichen Unglücksfalls nun Anklage wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung erhoben, sagte Diesch. Sie richtet sich gegen einen 46-Jährigen, der zum fraglichen Zeitpunkt an jenem Sonntag eine Jagd in Goppeltshof (Stadt Nittenau) nahe der Bundesstraße 16 geleitet hatte. Elf Waidleute waren beteiligt, anhand der Munition konnten die Ermittlungen auf fünf Jagdgewehre reduziert werden.

Ende September hatte die Polizei bekanntgegeben, dass das Projektil dem Gewehr eines Jägers zugeordnet werden konnte. Es stand fest: Der Schuss stammte aus der Waffe des 46-Jährigen. Im Zuge der Ermittlungen hatte die Polizei das abgeerntete Feld neben der Bundesstraße mehrmals nach möglichen Beweismitteln durchsucht.

Die verirrte Kugel hatte die Seitenscheibe eines Wagens durchschlagen, der auf der Bundesstraße 16 unterwegs war, und traf den 47-jährigen Beifahrer. Er war zusammengesackt und erlag wenig später seinen schweren Verletzungen. Das zuständige Gericht muss nun über eine Zulassung der Anklage entscheiden, der Prozess dürfte vor dem Landgericht Amberg stattfinden. Dann wird wohl auch die Frage gestellt werden, warum der Schuss abgegeben wurde, obwohl kein ausreichender Kugelfang - wie zum Beispiel ansteigendes Gelände - hinter dem Ziel vorhanden war, der einen Fehl- oder Durchschuss hätte abfangen können. Sollte der 46-jährige Verdächtige verurteilt werden, drohen ihm Geldstrafe oder Haft bis zu fünf Jahren.

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