17.09.2018 - 14:02 Uhr
NittenauOberpfalz

Erinnerung an den Widerstand

Wackersdorf bewegt. Damals in den 80er Jahren strömten die Gegner der atomaren Wiederaufbereitungsanlage in die Oberpfalz und setzten eine beispiellose Bewegung in Gang. Dieser Tage bewegt „Wackersdorf“ erneut – und zwar als Film.

Darstellerin Anna Maria Sturm (links) und Regisseur Oliver Haffner (Mitte) schrieben nach der Vorstellung fleißig Autogramme. Begleitet wurden sie von Agentur-Chefin Andrea Hailer.
von Ingrid SchiederProfil

Zur Vorpremiere am Sonntagabend bildeten sich lange Schlangen vor dem Eingang zum Kinocenter Nittenau. Alle drei Kinosäle waren restlos ausgebucht. Mucksmäuschenstill war es während der Vorstellung dieses Filmes, der in der Region gedreht wurde. Applaus brandete auf, als Kinobetreiberin Christine Mauerer die Darstellerin Anna Maria Sturm und Regisseur Oliver Haffner sowie die als Moderatorin fungierende Agenturbetreiberin Andrea Hailer willkommen hieß.

Ungefähr 800 Leute seien zum Komparsen-Casting erschienen, erzählte Regisseur Oliver Haffner. Es sei für ihn eine ganz neue Erfahrung gewesen, dass die meisten von ihnen ihre eigene Geschichte zur WAA hatten. „So viele Geschichten und Emotionen, der Film kann dem gar nicht gerecht werden“, betonte er.

Sieben Jahre hat das Projekt von der Idee bis zur Vollendung in Anspruch genommen. Die zentrale Figur des Widerstands bildet der damalige Landrat Hans Schuierer. „Der Landrat ist ein sehr bürgerlicher Held, schließlich hat er sehr viel für seine politische und wirtschaftliche Zukunft riskiert“, so Haffner.

Von Anfang an hatte er für eine der Hauptrollen Anna Maria Sturm im Visier, ohne zu wissen, dass deren Mutter sehr aktiv im Widerstand beteiligt war. „Ja, es ist schon ein Unterschied, diese Rolle zu spielen als eine andere fiktive Geschichte“, beantwortete Anna Maria Sturm eine von vielen an sie und Haffner gerichtete Fragen.

Nach dem Anruf ihrer Agentin habe sie erst einmal mit ihrer Mutter darüber gesprochen. „Gedreht haben wir auch auf dem Fußballplatz in Schwandorf, auf dem ich als Kind herumgesprungen bin. Das hat mich emotional sehr bewegt.“

Und auch der Respekt vor der Leistung ihrer Mutter sei gewachsen. „Das Thema liegt mir am Herzen, ich war als Kind dabei, habe viele Erinnerungen". Als Kind verstehe man Manches nicht, was aber jetzt durch den Film klarer geworden sei. Die politische Tiefe habe sie damals nicht gesehen. Für die Darstellerin kommt der Film im richtigen Moment, wo viel schief läuft in der Politik - gerade auch in Bezug auf die Natur.

Oliver Haffner ergänzte, dass er gerne mit Leuten arbeite, die etwas zu sagen und eine Haltung haben. Der Film erzähle nur einen Teil der Geschichte, zu dem es viel Austausch mit Hans Schuierer gegeben habe. Dieser habe aber nie in die künstlerische Freiheit eingegriffen.

Haffner zog Parallelen zum politischen Geschehen von damals zur Gegenwart, in der Menschen gerade auch wieder Vertrauen in die Politik verlieren würden. Damals seien Menschen zusammengekommen, die nicht so viel gemeinsam hatten und gemeinsam ein Ziel verfolgten. „Wir befinden uns in einer Zeit, wo die Gräben tiefer werden.“ Dies dürfe aber nicht dazu führen, sich ins Extremistische retten zu wollen. „Wir sollen uns klar werden, wie toll die Demokratie ist".

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