05.03.2021 - 16:22 Uhr
NittenauOberpfalz

Geflügelpest in Nittenau: Keulung von 50 000 Tieren in vollem Gang

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Im Kreis ist die Geflügelpest angekommen. In einem Betrieb in Nittenau hat am Freitag die Keulung von 50 000 Tieren begonnen. Die Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen erklärt, was mit den Tierkadavern passiert.

Vorbereitungen bevor am Freitag bei Nittenau rund 50.000 Zuchtgeflügel-Tiere aus einem Betrieb gekeult werden sollen, in dem die Geflügelpest nachgewiesen wurde.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Nachdem am Donnerstag bekannt wurde, dass bei der Firma Wimex in Stadl bei Nittenau die Vogelgrippe nachgewiesen wurde, hat am Freitagmorgen die Keulung von rund 50 000 Tieren begonnen. Bereits kurz nach acht Uhr morgens waren ein paar Dutzend Menschen vor dem Betrieb, der sich in einem Waldstück befindet, zusammengekommen und kletterten in weiße und gelbe Seuchenschutzanzüge. Die Polizei hatte unterdessen das Gebiet abgesperrt und Kontrollpunkte eingerichtet, um zu verhindern, dass Unbefugte in die Nähe des Geländes geraten. Der Einsatz wird vermutlich erst im Laufe des Samstags abgeschlossen sein.

Die Frima Wimex wirbt auf ihrer Startseite mit dem Spruch "Die Wimex-Gruppe vermehrt Hühner der Masthähnchenrassen. Dabei setzen wir auf sehr hohe Qualitätsstandards, Tierwohl und Sicherheit der produzierten Lebensmittel." Wie es zu dem Ausbruch der Seuche kommen konnte, ist bislang nicht bekannt.

Behörde liefert Details

Vor Ort verwies die Polizei darauf, dass die Bayerische Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (KBLV) für den Fall zuständig ist und die Beamten keine Auskunft erteilen können. Auf Anfrage von Oberpfalz-Medien erläuterte ein Pressesprecher der KBLV, was am Freitag in dem Betrieb vonstatten gehen soll. "Vormittags wurde mit der Tötung der Tiere begonnen. Dabei handelt es sich um die tierschutzgerechte Tötung der Tiere, um die Ausbreitung der Geflügelpest auf andere Nutz- und Haustierbestände in der Region zu verhindern", erklärt er. Damit befolgt die KBLV die bundesweit gültige Geflügelpest-Verordnung und führt die entsprechenden Maßnahmen durch.

Unter anderem war eine Reinigungsfirma aus Niedersachsen vor Ort, um an dem Einsatz teilzunehmen. Die KBLV teilt mit, dass eine private Firma angereist sei, um bei der Keulung der Tiere zu helfen. "Zudem wurden Container bereit gestellt, die mit CO2-Gas geflutet werden", heißt es vonseiten der Behörde. Demnach würden die Tiere durch das Gas zunächst betäubt und die anhaltende Gas-Konzentration im Container führe schließlich zum Atemstillstand und damit zum Tod der Tiere. Was danach geschieht, beschreibt der KBLV-Sprecher wie folgt: "Die getöteten Tiere werden anschließend vom Zweckverband für Tierkörper- und Schlachtabfallbeseitigung Plattling abgeholt und unter entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen entsorgt, um eine Verschleppung der Seuche zu verhindern."

Landratsamt gibt Anweisungen

Im Gespräch verwies der KBLV-Sprecher auf das Landratsamt Schwandorf, das dafür zuständig ist, entsprechende Maßnahmen für die Geflügelzüchter im Kreis zu beschließen.

Am Donnerstagabend hat die Kreisbehörde eine Allgemeinverfügung erlassen, derzufolge alle privaten und gewerblichen Tierhalter, die Geflügel halten, von nun an dazu verpflichtet sind, das Geflügel "aufzustallen". Das bedeutet, das Halten der Tiere in festen Ställen, also zum Beispiel entweder in geschlossenen Ställen oder aber unter einer Vorrichtung, die so aufgebaut ist, dass verhindert werden kann, dass Wildvögel Kontakt zu den in den Ställen lebenden Tieren haben können.

Lesen Sie hier die Vorgeschichte

Nittenau

Überschaubares Aufgebot

Am Freitag waren weniger Einsatzkräfte im Einsatz als am Donnerstag noch vermutet. Ein Feuerwehrsprecher vor Ort teilte unserer Redaktion auf Anfrage mit, dass kein "erhöhtes Einsatzaufkommen" nötig sei und dass das THW im Laufe des Tages lediglich mit zwei Einsatzkräften anrücken wird, um für die Ausleuchtung der Einsatzstelle nach Anbruch der Dunkelheit zu sorgen. Zudem wurden einige Lkw hinzugezogen, um die Aufgabe logistisch stemmen zu können.Bildergalerie unter: www.onetz.de/

Hintergrund:

Die Geflügelpest in Bayern

  • Zum Schutz der bayerischen Geflügelbestände hat das Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV) bayernweit eine Stallpflicht in Risikogebieten angeordnet. Das Landratsamt hat dies am Donnerstag in einer Allgemeinverfügung bekannt gegeben, nachdem im einem Betrieb bei Nittenau die Geflügelpest nachgewiesen wurde.
  • Bislang ist nicht bekannt, dass der Erreger auch für den Menschen gefährlich sein könnte. Allerdings wird davon abgeraten, Kontakt mit "krankem oder verendetem Geflügel" aufzunehmen. In der Pressemitteilung des StMUV heißt es: "Tot aufgefundene Wildvögel sollten nicht berührt oder bewegt werden. Wenn mehrere Vögel an einem Fundort verendet sind, wird dringend um eine entsprechende Information des Veterinäramtes gebeten."
  • Insgesamt gibt es in Bayern aktuell 23 Fälle von Geflügelpest bei Wildvögeln und weitere vier Fälle in privaten Hausgeflügelbeständen, die amtlich festgestellt wurden. Hinzu kommt der Ausbruch in dem Betrieb in Nittenau.
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