28.02.2019 - 17:53 Uhr
NittenauOberpfalz

Heribert Prantl verlässt SZ-Chefredaktion

Heribert Prantl verabschiedet sich als Mitglied der Chefredaktion der "Süddeutschen Zeitung", will aber ihr Autor bleiben. Ein Abschied aus Altersgründen?

von Autor HOUProfil

Die Mitteilung kam völlig überraschend: Heribert Prantl, einer der bundesweit bekanntesten Journalisten, ist ab dem heutigen 1. März nicht mehr Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung. Der 65-Jährige, in Nittenau (Kreis Schwandorf) geboren und aufgewachsen, gibt gleichzeitig die Leitung des SZ-Ressorts "Meinung" auf.

Heribert Prantl hatte seine ersten Zeitungsartikel für die Schwandorfer und die Weidener Redaktion des Verlags "Der neue Tag" geschrieben. Ihm standen dabei die damaligen Redakteure German Vogelsang und Wolfgang Houschka zur Seite. Zudem studierte er in Regensburg Rechtswissenschaften. Sein beruflicher Weg führte zunächst zur Staatsanwaltschaft und zum Landgericht Regensburg. 1988 wechselte der promovierte Jurist nach München zur Süddeutschen Zeitung. Der damalige Chefredakteur Hans Heigert hatte ihn darum gebeten.

Brilliante Karriere

Bei dem renommierten Blatt stand Prantl eine brillante Karriere bevor: Er wurde Leiter des Ressorts Innenpolitik, erwarb sich durch seine Leitartikel und Kommentare bundesweites Ansehen und schrieb eine Vielzahl von Büchern. Darin spiegelte sich wider, wie sehr Heribert Prantl in Deutschland zu einer journalistischen Institution geraten war. Das Ressort Innenpolitik hatte Prantl bereits vor einiger Zeit aufgegeben und sich auf Bitten des Süddeutschen Zeitungsverlags mit dem Aufbau einer neuen Redaktion "Meinung" beschäftigt. Schon damals hatte der heuer im Juli 66 Jahre alt werdenden Journalist gegenüber unserer Zeitung wissen lassen, dass er sich mit Abschiedsgedanken trage und womöglich auch seinen Wohnsitz von München nach Berlin verlegen wolle.

Nicht zuletzt wegen seiner Lebensgefährtin Franziska Augstein, einer Tochter des "Spiegel"-Gründers. Noch am vergangenen Sonntag war Heribert Prantl, auf dessen Visitenkarte neben dem Doktor auch der Titel eines Professors steht, bei Anne Will in einer ARD-Talkshow aufgetreten und hatte sich zu den Missbrauchsskandalen in der katholischen Kirche geäußert. Vier Tage später folgte ein unerwarteter Paukenschlag: Mit Wirkung vom 1. März gab Prantl seine Ämter bei der Süddeutschen Zeitung auf und zog sich als angestellter Redakteur zurück.

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In einem Gespräch mit unserer Zeitung sagte Heribert Prantl am Donnerstag: "Das ist doch alles ganz altersgemäß. Ich werde 66". Sein Abschied aus dem aktiven Dienst sei so zwar geplant gewesen, aber vorher nicht kommuniziert worden. Nun wolle er nicht länger Funktionen im Management übernehmen und sich "aus der Pflicht in die Kür" begeben.

Danach ließ Prantl wissen: "Ich schreibe sehr intensiv weiter für die SZ. Eher noch mehr als bisher". Kommentare in jeder Samstagsausgabe und sonntags "Prantls Blick" im Internet.

Am Donnerstagabend gab Heribert Prantl seinen Abschiedsumtrunk in der Panorama-Lounge der SZ. Die Redaktionsbelegschaft war dazu eingeladen.

Am 28. März wird Prantl zu einer Lesung in Schwandorf erwartet. Dann nur wenige Meter entfernt von der NT-Redaktion, die für ihn Sprungbrett in den Journalismus war.

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