21.05.2019 - 21:20 Uhr
NittenauOberpfalz

Jagdunfall-Prozess vor dem Landgericht

Es ist eine ungewöhnliche Entscheidung: Die Tötung eines Mannes, der in einem Auto von einem Querschläger getroffen wurde, wird vor dem Landgericht Amberg verhandelt.

Nach dem tragischen Tod des Beifahrers, suchten Polizisten bei Nittenau das Feld ab, auf dem zum Todeszeitpunkt eine Jagd stattgefunden hatte.
von Autor HWOProfil

Wenn es um fahrlässige Tötungen geht, lässt die Staatsanwaltschaft Amberg in der Regel richterlich unterzeichnete Strafbefehle gegen Beschuldigte verschicken. Doch jetzt gibt es einen solchen Fall, dessen juristische Beurteilung die höchste Instanz im Landgerichtsbezirk übernehmen wird. Im August letzten Jahres fand bei Nittenau (Kreis Schwandorf) eine Treibjagd auf Schwarzwild statt. Dabei fielen Gewehrschüsse der teilnehmenden Waidmänner, als sich Wildschweine näherten.

Eines der Projektile durchschlug dann die Seitenscheibe eines Autos, das auf der nicht weit vom Jagdgelände vorüberführenden Bundesstraße 16 des Weges kam. Was unmittelbar danach geschah, machte bundesweit Schlagzeilen: Die Kugel traf einen auf dem Beifahrersitz im Pkw mitfahrenden Mann aus Regensburg. Der 47-Jährige erlitt eine tödliche Schusswunde. Er war zusammen mit dem unverletzt gebliebenen Fahrer auf dem Weg zu einer Motorsportveranstaltung in dieser Region.

Anklage gegen 46-Jährigen

Nach umfangreichen Ermittlungen, zu denen auch mehrere Sachverständige eingeschaltet wurden, erhob die Staatsanwaltschaft Amberg heuer im April Anklage gegen einen 46-Jährigen aus dem Kreis Schwandorf, aus dessen Jagdwaffe das abgefeuerte Projektil mutmaßlich stammte. Die mehrseitige Anschuldigungsschrift wurde allerdings nicht dem Schwandorfer Amtsgericht zugeleitet. Sie ging an die Erste Strafkammer des Landgerichts in Amberg.

Es ist völlig ungewöhnlich, dass sich eine Strafkammer erstinstanzlich mit einem Vergehen der fahrlässigen Tötung beschäftigt. In diesem Fall aber, so sagte die Amberger Landgerichtsvizepräsidentin Roswitha Stöber, sei von der Ermittlungsbehörde die außerordentlich hohe Ermittlungs- und Beweiskomplexität ins Feld geführt worden. Außerdem eine enorme Öffentlichkeitsbedeutung des Falles. Ausschließlich deshalb, so Stöber, werde das Geschehen im Zusammenhang mit der Treibjagd am östlichen Nittenauer Stadtrand vor der Strafkammer verhandelt. Zur Erklärung: Im Regelfall kommen nur Straftaten vor diese höchste Instanz im Landgerichtsbezirk, bei denen die Strafandrohung über drei Jahren Haft liegt. Das aber trifft für das vorliegende Ereignis nicht zu.

Noch kein Termin

Ein Termin für den mehrtägigen Prozess, in dessen Verlauf eine Reihe von Gutachtern gehört werden wird, ist nach Angaben von Roswitha Stöber, die den Vorsitz der Ersten Strafkammer führt, noch nicht festgesetzt. Momentan seien noch sogenannte Äußerungsfristen im Gang.

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