Am Sonntag hat er seinen John Deere (140 PS) hergerichtet, am Montagmorgen ist er losgefahren, zusammen mit einigen Oberpfälzer Berufskollegen. "Wir haben Schilder gemacht, leider müssen wir die bei der Fahrt abnehmen", erzählt Schmidt. Er weiß: Der Ausflug mit dem schweren Gerät wird keine Spazierfahrt. "Ein bisschen Bammel habe ich schon." Schmidt und seine Mitstreiter nehmen den direkten Weg nach Berlin - über die Autobahn A9. Die Polizei begleitet den Konvoi und hat dazu ein vorübergehendes Tempolimit für Autos erwirkt.
"Aufgrund des außergewöhnlichen Anlasses macht es sich erforderlich, dass die zulässige Höchstgeschwindigkeit für alle Verkehrsteilnehmer im Bereich der Traktorenkonvois auf 80 km/h reduziert wird", teilt die Polizei in Thüringen mit. Zudem könne es zu temporären Sperrungen an Anschlussstellen, Autobahnkreuzen sowie Parkplatz- und Rasthofausfahrten kommen, wenn die Traktorkonvois vorbeifahren. Um 13 Uhr hatten Schmidt und seine Kollegen bereits das Hermsdorfer Kreuz erreicht. "Es geht sehr schleppend voran", berichtete er. "Wir fahren teilweise nur mit 20 km/h."
Die Bauern wollen am Dienstag vor dem Brandenburger Tor für ordentlich Rabatz sorgen. Von 12 bis 15 Uhr ist eine Demonstration gegen das Agrarpaket der Bundesregierung angemeldet. Die Initiatoren "Land schafft Verbindung" erwarten etwa 5000 Traktoren und 10.000 Demonstranten aus dem gesamten Bundesgebiet. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat ihre Teilnahme zugesagt und soll um 14 Uhr auf der Bühne stehen.
Das von den Ministerinnen Julia Klöckner und Svenja Schulze (SPD) präsentierte Agrarpaket sei überstürzt mit heißer Nadel gestrickt worden, heißt es im Aufruf der Demo-Veranstalter. "Es gefährdet nicht nur unsere landwirtschaftlichen Betriebe, sondern ist auch eine Gefahr für die regionale Lebensmittelproduktion und für den Erhalt der ländlichen Räume. Das möchten wir verhindern und deshalb gehen wir auf die Straße." Die Initiatoren fordern das Aussetzen des Agrarpakets und ergebnisoffene Neuverhandlungen.
Herbert Schmidt wird heute Abend drei Kreuze machen, wenn er in Beelitz (Landkreis Potsdam-Mittelmark) ankommt. Gegen 21 Uhr will er dort mit seinen Kollegen auf einem großen Bauernhof Quartier beziehen und übernachten. Am Dienstagmorgen drückt er dann auf das Gaspedal seines Schleppers, um in das Herz der Hauptstadt vorzustoßen. "Drei Stunden wird die Fahrt dann noch dauern." Nach der Demo geht es wieder zurück ins Nachtquartier nach Beelitz und von dort am Mittwochmorgen auf Heimreise - wieder über die A9 zurück nach Nitzlbuch.
Daheim kümmern sich derweil Ehefrau Lisa (48) und Sohn Peter um den Hof. Der Familienvater wird in der Nacht auf Donnerstag daheim zurückerwartet. Gerade rechtzeitig zu Peters 18. Geburtstag.


















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