(moh) Der Boden im Werksgelände im Kallmünzer Ortsteil Carolinenhütte bei Rohrbach ist zentimeterdick bedeckt mit schwarzem Sand. Und das seit 1885. Damals übernahm Ingenieur Peter Höllein die Carolinenhütte. Heute führt sie die fünfte Generation fort. Maximilian Höllein (32) ist Geschäftsführer der Eisengießerei. Entstanden ist sie aus einem alten Hammerwerk, überlebt hat sie als reine Gießerei, die sich auf extreme Marktnischen spezialisiert hat. Maximilian Höllein übernahm schon als 24-jähriger Diplomingenieur das Unternehmen und wurde früh ins kalte Wasser geworfen, oder man sollte besser sagen: ins heiße Eisen. 1350 Grad Celsius ist das Gusseisen heiß, wenn es in die Sandformen gefüllt wird. Man kann sich leicht die Finger verbrennen in diesem Geschäft. "Irgendeine Branche kriselt immer", weiß der Geschäftsführer. Deshalb hat man die Carolinenhütte auf viele Beine gestellt. Rund 100 Kunden zählt der Betrieb, vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Prototypen
Das ist ein Grund, warum das uralte Eisenwerk noch existiert. Die Konkurrenz aus China schafft es nicht, die Gussteile so schnell über den Ozean zu schippern, wie die Kunden in Europa das möchten. Denn - Teil zwei der Erfolgsgeschichte - die Carolinenhütte hat sich auf die Lieferung von Prototypen und Kleinstserien spezialisiert. Da muss es schnell gehen. Denn auf der anderen Seite, beim Kunden der Kunden, wartet man auf schnelle Lieferung. Die Carolinenhütte hat Lieferzeiten von vier bis acht Wochen. Und das, obwohl jedes Produkt individuell angefertigt werden muss.
3000 bis 3500 Tonnen Gusseisen im Jahr wird hergestellt, gerne auch riesige Teile mit bis zu neun Tonnen Gewicht wie Turbinengehäuse, Schiffsgetriebe, Pressen, Pumpen und vieles andere. "Der Schwerpunkt unserer Produktion liegt in der Herstellung von anspruchsvollen, hochwertigen Gussteilen in Grauguss und Späroguss" (siehe Infokasten). Und das geht so: Zugeliefertes Roheisen aus Russland und Brasilien wird zusammen mit alten Bremsscheiben von Eisenbahnwaggons und Kreislaufmaterial (zum Beispiel Gusskanäle) in einem Kupolofen geschmolzen, der mit Koks aus Polen und Tschechien befeuert wird.
Gussformen aus Sand
Im Gegensatz zu einem Hochofen kann so ein Kupolofen kein Eisenerz zu Roheisen reduzieren. Aber seine Temperatur reicht, um das Eisen zu schmelzen. Die eigentliche Kunst liegt aber in der Herstellung der Gussformen aus heimischem Sand. Aus den vom Kunden zugeschickten Plänen der Gussteile werden die Pläne für die Gussformen hergestellt. Dabei müssen viele Dinge berücksichtigt werden, zum Beispiel die Gusskanäle, durch die das Gusseisen später eingefüllt wird. Der Sand wird dabei mit einem Bindemittel versetzt, damit er gerade so gut zusammenhält, damit er beim Gießen nicht auseinanderfällt, aber nicht zu fest wird, denn er wird beim Lösen des Gussteils aus der Sandform zerbröselt und wieder recycelt. Daher der schwarze Boden im Werk.
Dabei leisten die Mitarbeiter höchste Präzisionsarbeit. "Es kommt auf einen Zehntel Millimeter an", ist Maximilian Höllein stolz. Jeder kleinste Fehler beim Gießen kann die Arbeit zunichte machen. "Es muss von vornherein passen." Beim Formenbau ist sehr viel Handarbeit nötig. "Eine Automatisierung ist nicht möglich." Auch ein Grund mehr, warum die Carolinenhütte der Konkurrenz Stand hält. Übrigens haben sich die verbliebenen Eisenbetriebe der Region so stark spezialisiert, dass sie auch untereinander keine Konkurrenz darstellen. Die OWZ stellt sie in loser Folge in den kommenden Wochen vor.
Gusseisen
Gusseisen unterscheidet sich durch den relativ hohen Kohlenstoffgehalt von über zwei Prozent von Stahl. Der hohe Kohlenstoffgehalt bewirkt eine niedrige Schmelztemperatur und somit eine bessere Gießbarkeit. Die Umformbarkeit von Gusseisen ist aber viel schlechter als die von Stahl, so dass man Gusseisen nur noch spanabhebend bearbeiten kann.
Der Kohlenstoff liegt als Graphit vor und kann in Lamellen angeordnet sein (Grauguss) oder in kleinen Kügelchen (Sphäroguss), wenn man etwas Magnesium zugibt. Sphäroguss hat eine höhere Festigkeit als Grauguss, dieser leitet aber die Wärme besser ab und dämpft auch Schwingungen besser. Eine Mittelstellung stellt das Gusseisen mit Vermiculargraphit dar, das zum Beispiel in Motorblöcken verwendet wird. Das Graphit liegt hier in Form kleiner „Würmchen“ vor. (moh)



















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