16.01.2020 - 18:09 Uhr
NürnbergOberpfalz

Die Männersachen des Pfarrers Kusch

Beim Schreinern an die Ewigkeit denken, beschreibt Pfarrer Günter Kusch seit Jahren den Kurs "Sargtischlerei". Aus der Evangelischen Kirche ist der Workshop nicht mehr wegzudenken. So wie andere Kurse auch, die Kusch nun in einem Buch vorstellt.

Pfarrer Günter Kusch Referent für Männerarbeit im Amt für Gemeindedienst (afg) und Landesgeschäftsführer der Evangelischen Männerarbeit in Bayern
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Der evangelische Pfarrer Günter Kusch aus Nürnberg hat der Männerseelsorge der Evangelischen Kirche in Bayern neue Impulse gegeben. Das seit Jahren angebotene Sargbauseminar ist nur ein Element. Für sein Buch "Männersachen" hat der Pfarrer 15 Formate zusammengestellt mit denen Kirchengemeinden Männer erreichen können. Kusch, ehemaliger Redakteur unserer Zeitung und heute freier Mitarbeiter spricht im Interview über seine Arbeit als Landesgeschäftsführer der Evangelischen Männerarbeit in Bayern.

ONETZ: Wieso braucht es in der Evangelischen Kirche einen Referenten für Männerarbeit?

Günter Kusch: Günter Kusch: Machen Sie doch einmal den Praxistest: Schlagen Sie einen Gemeindebrief auf und suchen Sie nach einem ansprechenden Angebot für Männer. Ich wette mit Ihnen, Sie werden höchstens in jedem zehnten Exemplar fündig. Männertreffs, Vater-Kind-Wochenenden, Kochabende, Pilgertage oder Oasentag-Wochenenden nur für Männer? Fehlanzeige. Als einziger hauptamtlicher Referent für Männerarbeit in Bayern möchte ich unseren rund 1500 evangelischen Kirchengemeinden Impulse und praktische Tipps geben, um das zu ändern.

ONETZ: Machen Sie dem Stammtisch oder dem Sportheim Konkurrenz?

Günter Kusch: Zum Stammtisch gehen Männer zwar auch. Was dort jedoch fehlt, sind Zeiten und Gelegenheiten, wo Mann sich auch einmal ganz persönlich öffnen kann. Themen wie Mobbing, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Probleme in der Partnerschaft oder Gesundheitsvorsorge werden normalerweise nicht am Stammtisch diskutiert. Und für spirituelle Fragen, geistliche Impulse oder Gottesdienste ist im Sportheim selten Platz.

ONETZ: Mit einem Sargbaukurs haben Sie bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Dieser ist nur ein Beispiel in Ihrem Band „Männersachen“. Gibt es mehr solche ungewöhnliche Vorschläge in ihrem Buch?

Günter Kusch: Die 15 Ideen in dem Buch sind deshalb ungewöhnlich, weil sie gewöhnlicher Weise bei Kirche nur selten stattfinden. Der Sargbaukurs ist regelmäßig ausgebucht, weil es da um „letzte Fragen“ und „schwere Kisten“ geht. Hast Du schon eine Patientenverfügung? Wie ehrlich darf der Pfarrer oder die Pfarrerin an Deinem Grab sein? Im Alltag reden da – nicht nur Männer – wenige darüber.

ONETZ: Suchen Männer überhaupt nach spirituellen Erfahrungen?

Günter Kusch: Na klar, allerdings nicht mit Blick auf eine gestaltete Mitte, nach dem Anschlagen einer Klangschale oder indem man zuvor seinen Namen tanzt. Gottesdienste und Andachten im Freien, der persönliche und berührende Segen, aber auch spirituelle Impulse bei einem Pilgertag oder geistliche Stopps beim Mountainbike-Schnupperkurs sind überaus gefragt.

ONETZ: Welcher Kurs ist Ihr Lieblingsworkshop?

Günter Kusch: Der Kochkurs für Männer. Ich liebe aufwendig zubereitete Speisen, den Austausch von Rezepten, das Testen neuer Zutaten. Männer, gemeinsam am Herd, auf Augenhöhe – dabei wird nicht nur der Magen gefüllt, sondern auch der Geschmack auf tiefgehende und geistig gut gewürzte Gespräche geweckt.

Evangelische Männerarbeit

Info:

Das Buch „Männersachen“

„Es stimmt schon, Männer kommen dann ins Reden, wenn sie gemeinsam etwas tun, Schulter an Schulter werkeln, um dann am Ende stolz auf ihr Werk zu blicken“, schreibt der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm im Vorwort des Buches „Männersachen“. Im von Pfarrer Günter Kusch herausgegebenen Band finden sich 15 Beispiele für gelungene kirchliche Angebote an Männer – vom Männergottesdienst, über Bogenschießen oder den Kochkurs für Männer, die Rüstzeit mit Motorsägekurs bis hin zum Mountainbike mit spirituellen Stopps und dem Sargbaukurs. Kusch sieht in diesen Angeboten jene „Mitmachräume“, mit denen sich Männer ansprechen lassen. Im Gegensatz zu den üblichen Angeboten der Gemeinden, die einen starken Betreuungscharakter ausstrahlen und sich meist an Kinder und Alte richten. Das Buch ist ein Ratgeber an alle, die sich in Kirchen engagieren.

Günter Kusch (Hg.): „Männersachen – 15 Werkzeuge für die kirchliche Praxis“, Verlag Vandenhoeck und Ruprecht, 18 Euro

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