01.11.2019 - 18:58 Uhr
NürnbergOberpfalz

Das Nürnberger Christkind und die AfD

Auf Benigna Munsi, das neuen Nürnberger Christkind, reagiert die AfD mit der ihr ganz eigenen Logik und veröffentlicht einen rassistischen Kommentar. Dank wäre stattdessen angebracht, kommentiert Elisabeth Saller.

Das neu gewählte Nürnberger Christkind, Benigna Munsi, freut sich. Die AfD reagiert rassistisch auf die Wahl der Jury.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil
Kommentar

Protest mit Ansage:Kaum waren Name und Foto des neuen Nürnberger Christkinds bekannt, konnte man damit rechnen, dass sich die AfD darüber aufregt. Die Jury stimmte für Benigna Munsi, deren Vater Inder ist. Für die AfD ein gefundenes Fressen. "Nürnberg hat ein neues Christkind. Eines Tages wird es uns wie den Indianern gehen", postete der Kreisverband München-Land. Auch wenn der Redakteur, der das veröffentlicht hat, zurückgetreten ist und sich viele entschuldigten: Die AfD gibt sich rassistisch, statt dem Mädchen zu danken.

Es sollten sich alle Markt-Besucher freuen, dass es überhaupt noch ein Nürnberger Christkind gibt - allen voran die traditionsbewussten AfD-Mitglieder. Nur 25 junge Frauen haben sich heuer auf dieses Amt beworben. So viele möchten den stressigen und anstrengenden Job zwei Adventszeiten lang gar nicht übernehmen. Sie wollen neben Schule, Abiturvorbereitung, Ausbildung und Hobbys nicht noch hunderte Termine absolvieren. Benigna ist dazu gerne bereit.

Doch statt Dank zu äußern, reagiert die AfD mit der ihr ganz eigenen Logik: Die 17-Jährige soll jetzt die Rache der Indianer darstellen, die einst der weiße Mann in Amerika gewaltsam vertrieben hat? Damit setzt die AfD ein schreckliches Kapitel der Geschichte mit der Wahl des Christkinds gleich. Halleluja, wo führt das hin?

Die wichtigste Aufgabe des Nürnberger Christkinds ist, den gleichnamigen Markt zu eröffnen. Dort spricht es den berühmten Prolog, in dem es heißt: "Das Christkind lädt zu seinem Markte ein, und wer da kommt, der soll willkommen sein". Das schließt auch rassistische AfD-Mitglieder mit ein.

Zur Wahl des Christkinds in Nürnberg

Nürnberg
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A. Schmigoner

Der AfD-Kreisverband München-Land hatte am Donnerstag bei Facebook ursprünglich ein Bild von Munsi mit einem Kommentar in Anspielung auf die "blonden Haare, die das Christkind früher hatte" gepostet. Kurze Zeit später wurde der Post gelöscht und auf die Ausrottung der Ureinwohner Amerikas Bezug genommen.
Der AfD und der angeschlossenen Krawall-Abteilung von PEGIDA ist offenbar nichts zu billig, um ihren Hass unters Volk zu bringen.
Gut, dass sehr schnell eine entsprechende Reaktion der Bevölkerung folgte, die das Mädchen unterstützte.

02.11.2019