04.03.2020 - 12:50 Uhr
Oberbibrach bei VorbachOberpfalz

Bahngelände: Wünsche kommen teuer

Werner Roder redet Klartext. Der scheidende Gemeindechef wirbt für Manfred Plößner als würdigen Nachfolger. "Manfred ist der Bessere", sagt der langjährige Bürgermeister und setzt noch eins drauf.

Gemeinsam marschieren, heißt die Devise der Freien Wähler. Beim Frühschoppen in Oberbibrach zeigen sich Landratskandidat Tobias Groß (links) und Bürgermeisterkandidat Manfred Plößner optimistisch, mit Unterstützung der Wähler auf Erfolgskurs zu bleiben.
von Robert DotzauerProfil

Werner Roder begründete diese Empfehlung beim Frühschoppen der Freien Wähler (FW) im Schützenhaus mit fachlichen Gründen. Als Diplom-Verwaltungswirt, als Führungspersönlichkeit bei der Polizei und als Mann mit langjähriger Erfahrung in der Kommunalpolitik mit Einfühlungsvermögen in die Befindlichkeiten der Menschen komme Manfred Plößner dem Idealbild eines Bürgermeisters nahe. Im Gegensatz dazu entspreche das Berufsbild seines Mitbewerbers nicht dem Anforderungsprofil eines Bürgermeisters, behauptete Roder.

Der noch amtierende Gemeindechef stellte zudem die Rechtmäßigkeit des jüngsten CSU-Wahlflyers in Frage: Auf dem Prospekt seien Kinder zu sehen, für deren Fotos die Einwilligung der Eltern zur Veröffentlichung fehle. Diese Vorgehensweise führe schlimmstenfalls zu einer Wahlanfechtung, weil sie als unzulässige Beeinflussung der Wähler gewertet werden könnte.

Gleichzeitig warb Roder um eine starke Wahlbeteilung. Die Parteienzugehörigkeit sollte dabei „wurscht sein“. Kritisch bewertete er die Aussagen des CSU-Ortsverbandes zum Bahnhalt in Vorbach und zum Bau einer Schwerlastbrücke über die Bahntrasse. Der Bürgermeister bezeichnete solche Überlegungen als durchaus wünschenswert, warnte jedoch gleichzeitig mit den Worten von Altkanzler Helmut Schmidt vor zu vielen Visionen: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“

Den von der CSU angeregten Bahngipfel habe es bereits vor Jahren gegeben - mit einem ernüchternden Ergebnis, wie Roder anmerkte. Er sprach von Bahnforderungen von über zwei Millionen Euro bei Erfüllung der Gemeindewünsche.

Diesem „Vorwort“ folgte eine Kurzvorstellung von FW-Landratskandidat Tobias Groß. Der 39-jährige IT-Systemelektroniker mit Preißacher Wurzeln fasste zusammen: „Man kann die derzeitige Landkreispolitik nicht länger mit anschauen.“ Der Landkreis hinke in vielen Politikfeldern hinterher.

Zu den Gästen gehörte auch Johannes Schmid aus der Nachbargemeinde Schlammersdorf, wo er einziger Kandidat für das Amt des Bürgermeisters ist. Schmid tritt für die Unparteiische Wählergruppe (UWG) an. In seinem Grußwort erinnerte er an viele Gemeinsamkeiten zwischen beiden Kommunen und hob in diesem Zusammenhang den Schulterschluss bei Grundschule, Kindergarten und Wasserversorgung hervor.

Das Wort gehörte danach dem FW-Bürgermeisterkandidaten. Dem Loblied auf seinen Heimatort Oberbibrach - „ich möchte nirgends anderswo wohnen“ - folgte ein Bekenntnis zur Fortsetzung der kommunalpolitischen Arbeit von Werner Roder. Manfred Plößner gab zu: „Es ist für jeden Nachfolger schwer, in die großen Fußspuren eines Werner Roder zu treten.“ Man müsse einfach dazu lernen, um sich dieser großen Herausforderung zu stellen.

Beim Genießen eines gepflegten Weißbieres waren es nur noch einige Schwerpunkte, die der FW-Kandidat beispielhaft ansprach. Schwerpunkte legte er zunächst auf die kommunalen Großinvestitionen in den vergangenen Jahren, um danach ein Blick auf wichtige Projekte in der nächsten Wahlperiode zu werfen. Als Oberbibracher direkt am Biberbach wohnend, galten seine Ausführungen zunächst dem Großen Dorferneuerungsverfahren. Zur Mitsprache der Dorfbewohner empfahl er ein Engagement in der künftigen Teilnehmergemeinschaft. Zudem verwies Plößner auf die großen Chancen, Förderungen für Privatmaßnahmen zu erhalten.

Auch ein kommunales Mietwohngebäude in Oberbibrach stand im Fokus der Überlegungen. Ein solches Projekt diene auch der Verwirklichung des Programmpunktes, Dorfkerne zu beleben und Leerstände zu vermeiden. Zu den weiteren FW-Themenschwerpunkten gehörte ein Bekenntnis zur guten Ausstattung der Feuerwehren in Vorbach und Oberbibrach sowie ein Lob für die Nachwuchsarbeit beider Wehren.

Es folgte ein Plädoyer für eine umweltfreundliche Gemeinde. Darunter verstand Manfred Plößner, Anstrengungen für erneuerbare Energien zu fördern, Preise für bienenfreundliche Anpflanzungen auszuloben und den Gemeindewald klimagerecht für Herausforderungen der Zukunft zu wappnen. Mit Blick auf die Biodiversität thematisierte er ferner die bessere Zusammenarbeit der Jagdgenossenschaften und kündigte einen Ökostrom-Bezug für die künftigen Gemeinde-Elektrotankstellen an.

Eine Lanze brach der FW-Bürgermeisterkandidat für Trinkwasser in kommunaler Hand. Nach der teuren Sanierung des Tiefbrunnens II zeigte er sich auch mit der Wasserqualität zufrieden. Mit der Creußener Gruppe bestehe eine Notversorgung, die eine sichere Wasserversorgung gewährleiste, sagte er.

Ein besonderes Anliegen sind Plößner des Weiteren gute Wegeverhältnisse. So sprach er sich für den bedarfsgerechten Ausbau von Gemeindestraßen, Feld- und Waldwegen mit staatlicher Förderung aus und verwies auf Planungen zur Verbesserung des landwirtschaftlichen Kernwegenetzes unter dem organisatorischen Dach der Integrierten Ländlichen Entwicklung. Die Schlussbemerkungen galten der Notwendigkeit eines Radweges zwischen Oberbibrach und Schlammersdorf.

Im Blickpunkt:

"Jetzt sollte wieder einmal ein Oberbibracher dran sein"

Aus der „Prima-Liste“ der FW-Gemeinderatskandidaten, so Manfred Plößner, stellten sich der Versammlung weitere Bewerber vor. Allen gemeinsam war die Forderung, den Grundschulstandort Oberbibrach zu sichern, gemeinsam mit Schlammersdorf die Kindertagesstätte zu fördern und die Ortskerne zu beleben.

Martin Biersack präsentierte sich als Sportsmann und passionierte Jäger und empfahl allen Kandidaten, Demokratie im Sinne von Kompromissbereitschaft zu leben. Nur in der Geschlossenheit aller Gemeindeteile liege der Erfolg, merkte er an. Evelyn Schmid verwies auf die Zielsetzungen im Wahlprogramm und machte sich für die „Hängematte“, einen raschen Ausbau der Schul-Digitalisierung und die Schönheit des Oberbibracher Ortskernes stark.

Für Dominik Eckert waren die Unterstützung der Vereine und das kostenlose Kinderferienprogramm weitere Anliegen: „Wir brauchen keinen externen Anbieter. Die Eigeninitiative der örtlichen Vereine schafft Bewusstsein für mehr Zusammengehörigkeit.“

Manfred Plößner schloss den Frühschoppen mit der selbstbewussten Feststellung und dem Versprechen: „Wir Freien Wähler haben das bessere Programm, das wir auch umsetzen werden.“ Dieser Meinung war in der kurzen Diskussion auch Josef Busch. "Wir haben in Oberbibrach den fähigen Kandidaten Manfred Plößner. Jetzt sollte wieder einmal ein Oberbibracher dran sein." (do)

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