30.01.2020 - 15:52 Uhr
Oberbibrach bei VorbachOberpfalz

Mann des Glaubens und der Geselligkeit

Ein "Biwricher Urgestein" wird zu Grabe getragen: Hans Schecklmanns Herz schlug bis zum letzten Atemzug für Familie, Landwirtschaft und Vereine. "Ohne ihn sind wir alle ärmer", stellte Pfarrer Pater Adrian Kugler bei der Beerdigung fest.

Eine riesige Trauergemeinde nimmt im Friedhof in Oberbibrach Abschied von Johann Schecklmann, einem "Biwricher Urgestein", wie es in vielen Traueransprachen heißt.
von Robert DotzauerProfil

Schon zu Beginn des Sterberosenkranzes gab es in der Expositurkirche St. Johannes Evangelist keinen Platz mehr. Hunderte von Trauergästen nahmen Abschied von einer Persönlichkeit, der jedwede Distanz fremd war, der das Gespräch suchte, der den Beruf des Landwirts als Berufung sah und der die Ehrenamtlichkeit vorlebte. „Johann Schecklmann war ein großer Segen für die Gemeinschaft“, formulierte es Kugler, der Prior der Prämonstratenserabtei Speinshart, in seiner Ansprache.

Wenige Monate vor Schecklmanns 90. Geburtstag endete sein segensreiches Wirken nach einem erfüllten Leben trotz des schon hohen Alters unerwartet. Am 16. April 1930 in Unterbibrach geboren, war er das dritte von neun Kindern einer Großfamilie. Seine Schulzeit endete bereits in der siebten Klasse: Die Pflicht rief, weil der junge Johann auf dem Bauernhof die Arbeit der schwerkranken Mutter übernehmen musste. Nebenbei ließ er sich in der Winterschule zum Landwirt ausbilden.

Im Leben von Hans Schecklmann erkannte Pfarrer Adrian vier wesentliche Säulen. Der Seelsorger beschrieb die Familie mit 4 Kindern, 17 Enkeln und 5 Urenkeln sowie die vielen freudigen Ereignisse im Kreise der Angehörigen, verwies auf einen Landwirt mit Leib und Seele, der noch bis ins hohe Alter auf dem Bauernhof mithalf, und skizzierte sein gesellschaftliches Leben. Kugler beschrieb ihn deshalb als Mann des gesellschaftlichen Lebens und der Öffentlichkeit, auch mit Blick auf sein Engagement in der CSU, beim Bauernverband, in den Vereinen, als Gründungsvorsitzender der Brennerei-Genossenschaft, als Jagdvorsteher und als Gemeinderat.

Bemerkenswert war für den ihn auch die vierte Säule im Leben des Johann Schecklmann: Pater Adrian würdigte seine Verdienste um Glaube und Kirche und dankte in diesem Zusammenhang für die langjährige Tätigkeit in der Kirchenverwaltung. Wenn es irgendwie ging, sei der „Mühl-Hans“, so der Hausname, mit seinem weinroten 190er Mercedes zu dem Gottesdiensten gefahren und habe das Gebet mit einem anschließenden Früh- oder Dämmerschoppen im Schützenhaus verbunden: eine wunderbare Kombination zwischen Glaube und Geselligkeit, die Johann Schecklmann so sympathisch gemacht habe, erklärte der Geistliche.

„Alt werden ist nichts für Feiglinge“, zitierte er schließlich die Schauspielerin Mae West. Mit diesem geflügelten Wort umschrieb der Prediger auch die letzten Jahre von Johann Schecklmann, der sich diesen Herausforderungen des Alters klaglos und gestalterisch gestellt habe. Das Tagesevangelium aufgreifend verglich der Prior ihn schließlich mit Simeon, der trotz seines Alters und des bevorstehenden Lebensendes keine Spur von Missmut und Verdrossenheit habe erkennen lassen. Auch für Hans Schecklmann seien Lebendigkeit, Dankbarkeit, Hoffnung und Vertrauen der Maßstab bei seinem dankbaren Blick voraus gewesen.

Nach dem Trauergottesdienst, an dem auch Ruhestandspfarrer Siegfried Wölfel aus Friedenfels mitwirkte, bewegte sich ein riesiger Trauerzug in Begleitung der Fahnenabordnungen der Vereine zum Friedhof. Dort würdigten die von Johann Schecklmann so geschätzten Verbände seine Verdienste. Martin Kräml, der Vorsitzende der Feuerwehr Oberbibrach, blickte auf die langjährige Tätigkeit des „Brandschützers Schecklmann“ und auf 70 Jahre Mitgliedschaft im Feuerwehrverein zurück.

Für die Feuerschützengesellschaft St. Sebastian sprach Alexander Thurn von einer "Säule des Schützenvereins". Mitglied seit 1953, seien Schecklmanns Vereinsbesuche stets ein besonderes Ritual gewesen. Für immer werde das wertvolle Holzkreuz als Spende anlässlich der Wiedereröffnung des renovierten Schützenhaus-Saales an einen Menschen voller Herzenswärme erinnern.

Für ein Leben für die CSU dankte Alexander Goller. Der CSU-Ortsvorsitzende erinnerte an die prägende Persönlichkeit von Johann Schecklmann in verschiedenen Parteifunktionen, etwa als Ortsvorsitzender von 1958 bis 1991. Zudem verwies er auf die Ernennung zum Ehrenvorsitzenden und auf die Gemeinderatstätigkeit. Im Mehrfachauftrag würdigte Goller auch das Engagement als Vorsitzender der Jagdgenossenschaft und von 1962 bis 1997 als Ortsobmann des Bayerischen Bauernverbandes.

Für die Gemeinde Vorbach sprach zweite Bürgermeisterin Angelika Thurn. In dankbarer Erinnerung bleibe Johann Schecklmann durch seine sechsjährige Zugehörigkeit zum Gemeinderat und die langjährige Tätigkeit als Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft Oberbibrach der Dorferneuerung. Mit seinen unzähligen ehrenamtlichen Stunden habe er ein bleibendes Vermächtnis hinterlassen, sagte Thurn.

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