08.05.2019 - 12:37 Uhr
Oberbibrach bei VorbachOberpfalz

Im Strahlenkranz der Wiener Klassik

Auftritte des Bamberger Streichquartetts gehören überregional zu den musikalischen Höhepunkten. Auch in Oberbibrach setzt das Ensemble mit traumwandlerisch schönen Melodien einfühlsame Akzente.

Wer kennt es nicht - das Bamberger Streichquartett. Das international bekannte Ensemble bringt Klassik auf höchstem Niveau in die Kirche Johannes Evangelist in Oberbibrach.
von Robert DotzauerProfil

Das Bildprogramm in einer der schönsten Rokoko-Kirchen der Region ist imponierend. Im Mittelpunkt steht Johannes der Evangelist. Die kostbaren Fresken zeigen den Patron der Expositurkirche in Oberbibrach in seinem Element als Chronist zu Jesu Zeiten. Hätte es die Bamberger Symphoniker im Allgemeinen und speziell das Streichquartett des weltberühmten Ensembles schon vor zweitausend Jahren gegeben, der liebste Jünger Jesu wäre nicht umhingekommen, das schmeichelnde Spiel der Musiker für die Ewigkeit zu dokumentieren.

Am Sonntag stellte Thomas Englberger, Leiter der Internationalen Begegnungsstätte Speinshart, im Ausweichquartier in Oberbibrach das Quartett als kammermusikalisches Ausnahme-Ensemble vor. Englberger versprach nicht zu viel. Sich am Strahlenkranz der Wiener Klassik orientierend zeigten Raúl Teo Arias, Milos Petrovic, Branco Kabadaic und der Neumarkter Karlheinz Busch internationale Klasse.

Die Unesco-Welterbe-Stadt Bamberg ist die Heimat des Quartetts, das in der Regel mit dem großen Orchester der Bamberger Symphoniker und seit 2003 auch als Bayerische Staatsphilharmonie auf der ganzen Welt unterwegs ist. Zwischendurch immer wieder in der Heimat gab das Bamberger Streichquartett ein Gastspiel im vollbesetzten Gotteshaus in Oberbibrach. Umgeben vom lebensfrohen und inspirierenden Formenspiel der Rokoko-Ausstattung ließen sich die vier Streicher von der inspirierenden Atmosphäre des Kirchenraumes anstecken und kredenzten ein Fest für Aug und Ohr, Seele und Geist. Gut gewählt brachten die Bamberger mit den Komponisten J.C. Arriaga, auch als „spanischer Mozart“ tituliert, dem nimmermüden Franz Schubert und mit dem Musikgenie Ludwig van Beethoven die Farben und den Duft des Frühlings mit nach Oberbibrach.

Einfühlsam und humorvoll führte Karlheinz Busch durch das Programm, das mit einer Komposition des „spanischen Mozarts“, so seine Zeitgenossen im 19. Jahrhundert, begann. Für das Ensemble und die Zuhörer war das Streichquartett "Nr. 3 Es-Dur Juan Crisóstomo de Arriga" eine spannende Entdeckung. Eine Weltkarriere vor sich, starb Arriaga bereits kurz vor seinem 20. Geburtstag. Stilistisch stand sein Schaffen zwischen Haydn und Mozart.

Traumwandlerisch schön befeuerten anschließend Melodien von Franz Schubert die Konzertfolge. Die sanfte Melancholie Schuberts im „Quartett Es-Dur D 87“ durchströmte das „Frühlingsfest“ in Oberbibrach. Mit mehr als 1000 Liedern als Gassenhauer in den Wirtshäusern schaffte Schubert den Durchbruch seiner klassischen Werke. In den frühen Operetten bahnte sich Schubert den Weg zur Symphonie und schaffte einen göttlichen Bogen zum „Quartett Es-Dur“, den das Ensemble in verzückender Lebendigkeit interpretierte.

Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn wollten Unterhaltung, Ludwig van Beethoven wollte die Seelenerweiterung der Menschen durch die Musik. Mit dem Streichquartett "G-Dur op. 18 Nr. 2" holte der junge Beethoven die Kammermusik aus den adeligen Salons in die bürgerliche Öffentlichkeit. An die Stelle der gepuderten Perücken trat die gepflegte Konversation. Rasch trug das Stück den Beinamen „Komplimentier-Quartett“. Ein Stil, der auf Humor setzte. So standen auch in Oberbibrach die musikalischen Weichen auf jenem Tonfall des witzigen Scherzo. Ein Gedankenaustausch voller Esprit, der sich in der stürmisch geforderten Zugabe fortsetzte.

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