24.06.2020 - 16:17 Uhr
Oberbibrach bei VorbachOberpfalz

Waren Biberlöcher die Ursache für das Oberbibracher Hochwasser?

Flutwelle in Oberbibrach: Viele Einwohner geben den Bibern die Schuld am verheerenden Hochwasser vom 14. auf den 15. Juni. Von den Auswirkungen macht sich auch der Landrat ein Bild - und leistet Soforthilfe.

Mit Hochleistungssaugern wird derzeit versucht, den Boden des Schützenhaus-Saales zu trocknen. Die Pumpen laufen drei Wochen lang Tag und Nacht.
von Robert DotzauerProfil

Immer wieder wird in den vergangenen Jahren von Konflikten mit Bibern im Bereich von Weiher-Dämmen berichtet. Ist der Nager vielleicht auch die Ursache der Hochwasserwelle, die Oberbibrach in der Nacht vom 14. auf den 15. Juni heimsuchte?

Jedenfalls geben bei einem Ortstermin mit Landrat Andreas Meier, Bürgermeister Alexander Goller und seiner Stellvertreterin Irmi Bauer alteingesessene „Biwricher“ den Tieren eine Mitschuld an der Flutwelle. Martin Schmid, Vorsitzender der Schützengesellschaft St. Sebastian, glaubt, dass der Besitzer des Schneidweihers eine Kausalität zwischen Biberschäden im Damm und dem folgenden Deichbruch nachweisen könne.

Nach dem ersten Schrecken und den verheerenden Schäden ziehen die Oberbibracher Bilanz. Immer wieder gehen die Gedanken zurück zur Schreckensnacht. Begonnen hat die Ursachenforschung. Für Schützenhaus-Vereinswirt Gerhard Thurn ist klar: „Um Biber zu schützen, kann man nicht ein ganzes Dorf gefährden.“ Thurn ist mit Schützen-Vorsitzendem Martin Schmid und vielen Getreuen damit beschäftigt, die Hochwasserschäden am und im Schützenheim in den Griff zu bekommen. Derzeit versucht der Verein, mit Hochleistungssaugern der Firma Mbau die Nässeschäden am Parkett im Saal des Schützenheimes so gut wie möglich zu bekämpfen.

Schmid rechnet dabei mit erheblichen Kosten. Schon der Stromverbrauch für die Trocknungsversuche, die drei Wochen lang Tag und Nacht dauern sollen, verschlingt einen satten vierstelligen Betrag. Insgesamt rechnet die Vereinsführung mit Reparaturkosten von bis zu 50 000 Euro. Wer das alles bezahlen soll, stehe in den Sternen, resümierte der Schützen-Vorsitzende beim besuch von Landrat Andreas Meuer.

Mehr als Trost und eine kleine „Erste-Hilfe-Spende“ war auch diesem nicht möglich. „Ich bin mit keiner Patentlösung gekommen“, bedauerte der Landkreis-Chef, der auf Einladung von Bürgermeister Alexander Goller nach Oberbibrach kam. Meier dankte den Helfern und zeigte sich vom Zusammenhalt der Dorfbewohner tief beeindruckt. Gleichzeitig empfahl er, die Schadensursachen mit der Wasserwirtschaft sauber aufzuarbeiten.

Aus seinem Verfügungsfonds spendete Meier der am schwersten betroffenen Schützengesellschaft St. Sebastian, der Feuerwehr und dem Motorradclub Oberbibrach (MCO) jeweils 1000 Euro als Ersthilfe. Mit großer Dankbarkeit registrierte die Runde auch eine private Unterstützung: Zweite Bürgermeisterin Irmi Bauer gab eine 2000-Euro-Spende von Peter Stickling bekannt.

Die Unterstützung der Gemeinde werde folgen, versicherte Bürgermeister Alexander Goller. Er würdigte die „Super-Hilfsbereitschaft und Geschlossenheit“ der Oberbibracher in großer Not. Sein besonderer Dank galt dem raschen Handeln der hochprofessionellen Rettungskräfte um den Oberbibracher Feuerwehrkommandanten Martin Biersack und Vorsitzenden Martin Kräml.

Schließlich ging der Blick des Bürgermeisters in Richtung des bereits fertiggestellten Hochwasser-Schutzkonzeptes. Mehr denn je sei dieses Instrumentarium notwendig. Goller hofft, dass nach dem jüngsten Hochwasserereignis die Verwirklichung von Schutzmaßnahmen im Zug der Dorferneuerung neuen Schub bekommen werde.

Überflutetes Oberbibrach am Tag danach

Oberbibrach bei Vorbach
Oberbibrach bei Vorbach
Eine Soforthilfe von insgesamt 3000 Euro für die betroffenen Vereine leistet Landrat Andreas Meie (Zweiter von rechts). Darüber freuen sich (von links) Alexander Thurn für den Motorradclub Oberbibrach, Martin Kräml, Vorsitzender der Feuerwehr, Bürgermeister Alexander Goller und Martin Schmid (rechts), Chef der Schützengesellschaft St. Sebastian.
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