20.06.2021 - 11:57 Uhr
Oberlind bei VohenstraußOberpfalz

"Pausch'n"-Marterl in Oberlind wieder erneuert

Die schlanke Steinsäule ist ein Zeitzeuge aus einem anderen Jahrhundert aber heute noch genauso wichtig wie damals. Heute kümmert sich wieder ein Matthias Uschold um diesen Bildstock. Für einen Matthias wurde es auch errichtet.

von Elisabeth DobmayerProfil

Wer von Oberlind nach Kaltenbaum wandert, kommt rechterhand an einem 2,20 Meter hohen und schmalen Bildstock vorbei. Jetzt wurde das „Pausch’n“-Marterl renoviert. Exakt zum 150. Jubiläum der Beendigung der Deutsch-Französischen militärischen Auseinandersetzung. Dieses Ereignis war der Ursprung dieser Bildsäule, weiß Konrad Uschold. Dessen Großvater Matthias Uschold war in diesem Krieg.

Matthias‘ Vater Joseph Uschold legte damals das Gelübde ab: Sollte sein Sohn gesund aus diesem Krieg heimkehren, werde er aus Dankbarkeit ein Marterl errichten. „Pausch’n“-Marterl heiße es deshalb, weil dieser Joseph Uschold im Jahre 1839 eine Agathe Pausch heiratete und in Unterlind in den „Pausch’n“-Hof einzog, erklärte Uschold. „Deswegen halte sich bei ihnen bis heute noch immer der Hausname „Pausch’n“, obwohl sie sich seit Jahrzehnten Uschold schreiben. Matthias Uschold war der Erstgeborene und somit Hoferbe.

Marterlsegnung in Waidhaus

Waidhaus

Neuen Standort gefunden

Früher stand das Marterl einige Meter weiter in Richtung Kaltenbaum am Trenk-Ackerl, wusste der Besitzer. Durch die Flurbereinigung sei die Straße erweitert worden, der Bildstock brauchte einen anderen Platz. Heiner Hofmann und Karl Schmidt renovierten 1978 das zerbrochene Flurdenkmal, stellten es wieder auf und wählten den öffentlichen Grund als neuen Platz. Das Grundstück gehört der Kommune und Konrad Uschold‘s Sohn Matthias pachtete den Grund jetzt von der Stadt, um dort ein Naturbiotop oder einen Lebensraum für Insekten und andere Tierarten entstehen zu lassen. Dafür pflanzte er in enger Absprache und finanzieller Beteiligung des Oberpfälzer Waldvereins einheimische Sträucher. Die Stadt steuerte außerdem zwei Lindenbäume bei, die früher gerne als sogenannte Friedensbäume gepflanzt wurden und die nun den Bildstock flankieren.

„Die Vergangenheitsgeschichte bewegt uns zu dieser Aktion und der gemeinsamen Lösung.“ Uschold bezeichnete die Aktion als durchaus gelungen, denn der ehemalige Kunstlehrer Werner Wewior malte auch die Votivtafeln neu, die einmal das verkleinerte Altarbild der Katholischen Stadtpfarrkirche mit der Muttergottes auf der Weltkugel in Vohenstrauß zeigen. Laut Rudolf Großmann sei ansonsten nichts an diesem Flurmal verändert worden. Einzig die Bilder, die aus dem Jahr 1978 von Georg Wewior (Vater von Werner Wewior) stammten und nicht mehr reparaturfähig waren. Auf einem Bild dürfte der Heilige Petrus dargestellt gewesen sein. Weil man sich nicht sicher war, wurde auf Rücksprache mit Konrad Uschold nun der Heilige Matthias gewählt, da das Marterl wegen eines Matthias errichtet wurde und sich jetzt ein Matthias Uschold wieder um das Flurmal und das Biotop kümmert, das sich unmittelbar am Trenk-Weiher befindet.

OWV steuert Sitzbank bei

Im Übrigen sei der Apostel Matthias der einzige, der in Deutschland begraben sei, merkte Uschold an. Mit Axt und Buch in der Hand ist nun der Heilige im Bildstock verewigt. Eine Axt deswegen, informierte Wewior, weil der Heilige geköpft wurde.

OWV-Mitglied Hans Oppelt brachte sich ebenfalls mit ein und erneuerte den Schriftzug am Marterl und lackierte das Blech über dem Opferstock. Für seinen Kriegsdienst erhielt Matthias Uschold 1871 eine Medaille auf deren Rückseite der Spruch stand „Gott war mit uns. Ihm sei die Ehre.“ Genau dieser Spruch wurde auf dem Bildstock übernommen. Das Kreuz auf der Granitsäule besteht aus Titan, das im U-Boot-Bau verwendet wurde, führte Großmann noch aus. Der OWV will noch eine Sitzbank beisteuern, hieß es. Uschold dankte allen Beteiligten, die sich in die Wiederherstellung dieser für seine Familie wichtigen Zeitzeugen einbrachten.

Hintergrund:

Der Heilige Matthias

  • Nach seiner Berufung zum Apostel soll der tiefgläubige Sohn reicher Eltern zunächst in Judäa gepredigt haben und später in heidnische Gebiete bis nach Äthiopien gelangt sein.
  • Eine Legende besagt, dass er dort um das Jahr 63 von Heiden halbtot gesteinigt wurde und schließlich durch ein Beil den Märtyrertod fand. Aus diesem Grund wird Matthias häufig mit Beil oder Schwert dargestellt.
  • Seine Reliquien sollen zunächst vollständig in der Kirche Santa Maria Maggiore in Rom bestattet worden sein.
  • Zu Beginn des 4. Jahrhunderts wurde ein Teil auf Geheiß der Kaiserin Helena nach Trier gebracht. Das Grab befindet sich dort seit 1127 in der Basilika der Benediktinerabtei St. Matthias und ist seit dem Mittelalter Anziehungspunkt für Pilger aus ganz Deutschland.

 

 

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