Der Hausmeister von Burg Murach

Manfred Senft ist Burgwart von Burg Murach bei Oberviechtach. Der Schlüssel, den er an Besucher verleiht, liegt schon lange in den Händen seiner Familie. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien erzählt er von diesem Ehrenamt.

Immer hereinspaziert! Manfred Senft öffnet das Burgtor zu Haus Murach.
von Vanessa Lutz Kontakt Profil

Wenn Manfred Senft (55) über sein besonderes Ehrenamt spricht, muss er immer wieder lächeln. Der Berufsschullehrer ist Burgwart auf Burg Murach bei Oberviechtach. Der Hausmeister dieser alten Anlage sozusagen, die seit dem Jahr 1110 hoch oben auf einem Hügel über dem kleinen Ort thront und eine wechselvolle und lange Geschichte hat. Die Burg ist das Herz von Obermurach und as prägnanteste Bauwerk dort. Und der Schlüssel, den Burgwart Manfred Senft an die Besucher verleiht, die sich die Anlage anschauen möchten, liegt schon lange in den Händen seiner Familie.

"Ich habe diese Aufgabe von meiner Mutter übernommen", sagt Senft im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Diese war ab 1969 Burgwartin der Anlage. Schon von Klein auf, erzählt er, sei diese Burg ein wichtiger Teil seines Lebens gewesen. Er war immer dabei, wenn seine Mutter dort oben war. Hat mich angepackt. "Als Burgwart kümmert man sich vor allem um die Instandhaltung." Seit knapp zehn Jahren obliegt Manfred Senft nun die Schlüssel-Gewalt. Für ihn eine Aufgabe, die ihn erfüllt. Rasen mähen, den Weg von Steinen befreien, Laub wegkehren und Schäden an das Staatliche Bauamt melden. Ein Burgwart kennt seine Anlage wie seine Westentasche. Manfred Senft verbringt viele Stunden dort oben und schaut nach dem Rechten.

Täglich rufen Leute an

Er ist es, den Interessenten anrufen müssen, wenn sie als Besucher die Anlage betreten möchten. Wie viele sich da bei ihm melden? Senft lacht. "Es rufen täglich Leute an." Früher, weiß er, sei das Interesse noch nicht so immens gewesen wie aktuell. "Aber seit dem Internetzeitalter, vielen Zeitungsartikeln und der Arbeit des Tourismusbüros hat die Anlage eine größere Bekanntheit erlangt." Besonders hebt Senft einen Artikel der Nachrichtenagentur dpa hervor, die im Rahmen eines Textes zum Oberpfälzer Wald auch die Burg Murach erwähnt hat. "Auf einmal war unsere Burg deutschlandweit in den Zeitungen", sagt er und lacht.

Aber auch coronabedingt kann Senft einen Anstieg der Besucherzahl ausmachen - die Leute haben nun mehr Zeit, verbringen ihre Freizeit in der Heimat und erkundschaften so die Sehenswürdigkeiten vor der Haustür. "Der Verkehr in schon merklich mehr geworden im Dorf." Bereitet das Probleme? "Nein", sagt Senft. "Die Besucher verhalten sich wirklich anständig, da wird auch der Müll wieder ordentlich mitgenommen." Auch bei den vielen jährlichen Veranstaltungen habe es nie Probleme gegeben.

Coronabedingt sei der Veranstaltungsbetrieb aktuell aber etwas zum Erliegen gekommen. "Das jährliche Burgfest wurde beispielsweise vergangenes Jahr abgesagt." Nicht unterkriegen lassen sich die Leute vom Ovigo-Theater, die mit ihren Proben im Frühjahr beginnen. "Die bieten in den Sommermonaten für die Besucher geführte Wanderungen an."

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Oberviechtach

Kümmern, solange es die Gesundheit zulässt

So lange es die Gesundheit zulässt, will Manfred Senft sich weiterhin um die Anlage kümmern. "Und der steile Aufstieg hält ja fit", sagt er und lacht. Die Familie Senft wird dieses Ehrenamt also noch einige Jahre machen. "Die Leute im Dorf sind sehr stolz auf ihre Burg", weiß er. Eine starke Verbundenheit würde da herrschen. Und das bedeutet Verantwortung - und Leidenschaft. "Die Burg ist schon viel länger da, als wir alle und hat eine bewegende Geschichte. Dieses Bewusstsein ist tief bei uns im Dorf verankert." Senft verrät, dass er sogar sein Haus, unten im Dorf, so ausgerichtet habe, dass er jederzeit zur Burg Murach hochschauen könne - wie viele Einwohner dort. So hat der "Hausmeister" von Burg Murach "seine" Anlage immer im Blick.

"Die Leute im Dorf sind sehr stolz auf ihre Burg."

Burgwart Manfred Senft

Manfred Senft ist der Hausmeister der Burg Murach.
Aus der Blickrichtung des "Rittersteig" präsentiert sich die Burgruine von einer ungewohnten Seite.
Hintergrund:

Die Burg Murach

Eine Jahrhunderte alte Geschichte verbindet das kleine Dorf Obermurach mit ihrer Burganlage, die laut Tourismusverband Oberpfälzer Wald mit zu den größten und beeindruckendsten Burgen entlang der Böhmischen Grenze zählt. Hier eine kurze Zusammenfassung der Geschichte des imposanten Bauwerks.

  • Die Burg wurde 1110 erstmalig urkundlich erwähnt.
  • Die Wehrhaftigkeit der Festung bewies sich in den Hussitenkriegen von 1419 bis 1436, als Murach allen Anstürmen standhielt.
  • Im Laufe der Jahrhunderte wechselte die Burg immer wieder ihren Besitzer. Seit 1844 ist die Burg im Staatsbesitz.
  • Der etwa 20 Meter hohe Bergfried ist der bis heute am besten erhaltene Teil der Anlage und soll um das Jahr 1250 erbaut worden sein. (vlu)

 

 

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