Obernankau bei Vohenstrauß
03.06.2018 - 10:57 Uhr

Klare Worte zur Kreuzdebatte

Wenn ein Priester während seiner Predigt spontanen Applaus erhält, dann muss es sich eine ganz besondere handeln. Kaplan Ulrich Eigendorf kritisiert beim Kreuzfest in Obernankau den Kreuzerlass von Ministerpräsident Markus Söder.

Vor dem Glockenturm und dem Kreuz mit der Madonna feiert Kaplan Ulrich Eigendorf zum traditionellen Kreuzfest einen Freiluftgottesdienst. Für seine deutlichen Worte zur Kreuzdebatte erhält er viel Applaus. dob
Vor dem Glockenturm und dem Kreuz mit der Madonna feiert Kaplan Ulrich Eigendorf zum traditionellen Kreuzfest einen Freiluftgottesdienst. Für seine deutlichen Worte zur Kreuzdebatte erhält er viel Applaus.

Vielleicht haben viele Besucher des Freiluftgottesdienstes schon damit geliebäugelt, dass der Geistliche am Kreuzfest an dem ausgerechnet der Kreuzerlass des Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder in Kraft tritt, Stellung zur Kreuzdebatte nimmt und sich dazu äußert, meinte der Kaplan. Eigendorf hat lange überlegt, ob er zu diesem Thema Stellung nehmen soll, weil er sich gar nicht sicher war, auf welcher Seite er steht. Doch nach vielen Gesprächen und Diskussionen ist er zu einer persönlichen Überzeugung gekommen. Die sollte aber an diesem Abend bei herrlichem Sonnenschein vor dem Glockenturm und dem Dorfkreuz nicht im Mittelpunkt stehen. Jede Position habe seine Berechtigung, je nachdem aus welchen Standpunkten und Motiven heraus man argumentiert. Im Grunde geht es um die Kernfrage „Wollen wir eine säkulare Gesellschaft sein?“ oder „eine Gesellschaft, die sich von einer Religion, dem Christentum geprägt weiß?“ Eigendorf beleuchtete die Motive beider Seiten.

An erster Stelle machte er sich über den Initiator des Kreuzerlasses, Ministerpräsident Markus Söder, Gedanken. „So selbstverständlich wie es erscheint, so deutlich muss es auch gesagt werden: Im Herbst ist Landtagswahl“. Und Kaplan Eigendorf unterstellt einem Markus Söder, dass es ihm mit seinem Handeln in erster Linie um die Wahl geht und nicht so sehr um das Kreuz an sich. So fehle ihm in der Begründung des Ministerpräsidenten eine eindeutige Aussage, dass es um ein Symbol des Christentums geht. Vielmehr geht es Söder um Begriffe wie Heimat, Identität und Werte, was an sich nicht schlecht ist. „Wir haben christliche Werte, aufgrund derer, auf der unsere Republik aufgebaut ist. Wir haben eine Identität und wir sind stolz auf unsere bayerische Heimat“, führte Eigendorf aus. Weiter: „Aber vergessen wir bitte nicht, dass das Kreuz nur eine Heimat kennt und das ist Liebe“. Das Kreuz sei nicht Symbol einer Region sondern das Symbol einer Lebenseinstellung und einer Religion. Das Symbol des Todes und der Auferstehung Jesu Christi. „Das darf nie, nie voneinander getrennt werden“.

Warum er Söder diese Aktion nicht abkaufe, hat neben der Wahl noch einen anderen Grund. Man könnte es unter das Motto stellen: „Kreuz ja, Kirche nein oder Kreuz ja, aber die Botschaft des Kreuzes nein“. Die Kirchenbesucher könnten sich sicher noch alle daran erinnern, als Söder im vergangenen Jahr sagte, die Kirche solle sich aus der Politik raushalten. Seiner Meinung nach passe diese Aussage mit dem jetzigen Handeln nicht zusammen. „Wir regen uns auf, wenn Weihnachten die Bedeutung eines Liebes- und Familienfestes bekommt und wenn die Geburt Christi in den Hintergrund tritt. Wir regen uns auf, wenn auf einmal der Weihnachtsmann kommt und nicht mehr der Nikolaus und beim Kreuz, da soll die Zweckentfremdung auf einmal in Ordnung sein?“, hinterfragte der Geistliche kritisch. Für Eigendorf ist das Ganze nicht nachvollziehbar beziehungsweise inkonsequent. Der anderen Seite, vertreten durch Kardinal Reinhard Marx, wirft Kaplan Eigendorf genauso Populismus vor. Er möchte sich auch nur bei der säkularen Gesellschaft und den Medien einschleimen, in dem er sich als weltoffen gibt. Als der Münchner Erzbischof im vergangenen Jahr zusammen mit dem evangelischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in Jerusalem dem muslimischen Bereich des Tempelbergs besucht hat, wurde verlangt, dass beide Kirchenmänner ihre Kreuze abnehmen. „Wenn ich als Bischof mein ganz persönliches Brustkreuz abnehmen muss, dann brauche ich nicht an so einem Ort zu gehen. Wenn so massiv in das Persönlichkeitsrecht eingegriffen wird, wäre es für mich als Bischof die Pflicht zu sagen: „Nein, danke. Entweder ihr akzeptiert mich als Bischof mit Kreuz oder gar nicht“. Für diese klare Aussage des jungen Priesters brandete zustimmender Applaus mit Bravo-Rufen auf. Was wollen wir für eine Gesellschaft sein?, fragte Ulrich Eigendorf weiter. Bayern ist ein Land das seither christlich geprägt ist und für viele Menschen selbstverständlich ist, dass Kreuze zu unserer Heimat gehören, wie in muslimischen Ländern Zeichen des Islam in den Gebäuden hängen. Jedoch nicht als Symbole der Identität, wo der Christ aus Syrien nicht dazugehört. Nein, im Gegenteil: Das Kreuz, als Symbol des Einsatzes für andere, so wie Christus für „alle Menschen“ gestorben ist. Deswegen gehört für ihn eher der Begriff Weltoffenheit als der Begriff Identität dazu.

Als Christ findet er es prinzipiell gut Kreuze aufzuhängen, aber er weiß nicht, ob es unbedingt in staatlichen Gebäuden hängen muss. Er weiß auch nicht, ob diese Debatte dem Kreuz eher genutzt oder geschadet hat. Eigendorf versteht es sehr wohl, dass es Menschen gibt, die keine oder eine andere Religion haben, aus welchen Gründen auch immer. „Die staatliche Neutralität kann fordern“. Es gibt gute Gründe dafür keine religiösen Symbole in staatlichen Einrichtungen zu zeigen. Zum einen ist das die Gleichberechtigung der Religionen und die wertneutrale Anschauung des Staates. Zudem hat auch die Geschichte durch die Jahrhunderte immer wieder gezeigt, dass eine zu staatliche Verflechtung von Kirche und Staat für beide Seiten nicht von Vorteil ist. Das führte am Beginn des Mittelalters dazu, dass nicht mehr der Papst sondern der weltliche Herrscher Bischöfe eingesetzt hat. So wie es heute in China immer noch der Fall ist.

„Deswegen fördert eine gewisse Trennung und das gesunde Miteinander mit Menschen anderer Religionen und Weltanschauungen und tut auch dem Verhältnis von Staat und Kirche gut“. Nichtsdestotrotz sollten wir Christen das Kreuz als unser Symbol sehen. „Deswegen sollten wir Christen zum Kreuz stehen und aus diesem Grund sind wir heute am Dorfkreuz von Obernankau versammelt. Wir sollten das Kreuz tragen, wo es passt. Und das Wichtigste: Die Botschaft des Kreuzes, des Lebens, des Todes und der Auferstehung Jesu leben und verkünden“. Helga Guber aus Oberlind ließ sich als Lektorin einbinden.

Die Obernakauer müssen wohl ganz brave Leute sein, denn obwohl den ganzen Tag Regen vorausgesagt wurde, scheint die Sonne und die Dorfbewohner konnten ausgezeichnet mit den Gästen, unter denen sich auch Bürgermeister Andreas Wutzlhofer befand feiern. Leider versagte ausgerechnet die Technik des Glockenturms und so konnte diesmal die Glocke nicht zur Feier ertönen und muss erst wieder repariert werden. Die Mesner-Eheleute Margareta und Helmut Braun kümmerten sich wieder liebevoll um die Kredenz, mit den eucharistischen Gaben, Messbuch und Kelch sowie die Ministrantengewänder, die von der Filialkirche Oberlind mit nach Obernankau transportiert wurden. Im Anschluss stand auch der weltlichen Feier nichts mehr im Wege. Die besten Grillhaxen und -gockerl gab es bei Juliette und die Dorffrauen hatten ein köstliches Salat- und Kuchenbüffet dazu vorbereitet. Das Angebot, zu dem auch noch Bratwürste vom Grill zählten, wurde gerne von den Anwesenden angenommen.

Vor dem Glockenturm und dem Kreuz mit der Madonna feiert Kaplan Ulrich Eigendorf zum traditionellen Kreuzfest einen Freiluftgottesdienst. Für seine deutlichen Worte zur Kreuzdebatte erhält er viel Applaus. dob
Vor dem Glockenturm und dem Kreuz mit der Madonna feiert Kaplan Ulrich Eigendorf zum traditionellen Kreuzfest einen Freiluftgottesdienst. Für seine deutlichen Worte zur Kreuzdebatte erhält er viel Applaus.
Nach der kirchlichen Feier setzen sich die Gäste auch gesellig zusammen und lassen sich die kulinarischen Köstlichkeiten schmecken. dob
Nach der kirchlichen Feier setzen sich die Gäste auch gesellig zusammen und lassen sich die kulinarischen Köstlichkeiten schmecken.
Nach der kirchlichen Feier setzen sich die Gäste auch gesellig zusammen und lassen sich die kulinarischen Köstlichkeiten schmecken. dob
Nach der kirchlichen Feier setzen sich die Gäste auch gesellig zusammen und lassen sich die kulinarischen Köstlichkeiten schmecken.
Mit vielen Gästen feiert Kaplan Ulrich Eigendorf einen Freiluftgottesdienst zum Kreuzfest in Obernankau. Dabei kritisiert er den Kreuzerlass von Ministerpräsident Markus Söder. dob
Mit vielen Gästen feiert Kaplan Ulrich Eigendorf einen Freiluftgottesdienst zum Kreuzfest in Obernankau. Dabei kritisiert er den Kreuzerlass von Ministerpräsident Markus Söder.
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