Kronach/Parsberg. (aha) „Eigentlich trag ich einen Anzug nur wenn’s wirklich sein muss, bei Abschlussfeiern, Hochzeiten oder eben bei Marathon-Rekordversuchen“, grinst Felix Mayerhöfer. Er hat dem Hamburg-Marathon vor einem Jahr einen kuriosen Weltrekord beschert: Der heute 36-Jährige bewältigte die Distanz in 2:43:04 Stunden im schicken Dreiteiler. Mittlerweile ist alles offiziell und „eingetütet“: Mit seiner Zeit steht er im Guiness-Buch der Rekorde.
Dabei ist der Parsberger Lehrer, der aktuell an der Realschule im oberfränkischen Kronach Sport, Englisch, Biologie und Informationstechnologie unterrichtet, keiner, der verbissen mit Überehrgeiz auf Rekordjagd geht. Im Gegenteil: „Spass ist das A & O. Auch bei meinen Wettkämpfen steht der Spaß immer im Vordergrund! Ich bin ja schließlich kein Profi und muss mein Geld auch nicht mit Laufen verdienen. Es ist und bleibt mein Hobby und Hobbies sollten in erster Linie Spaß machen“, betont er. Das Laufen macht Mayerhöfer Spaß - trotz des hohen Pensums, das er täglich abspult. „Normalerweise bin ich jeden Tag unterwegs. Jetzt im Frühjahr und Sommer sind die Umfänge unter der Woche nicht so groß, da ich eigentlich ständig zwischen dem Regenerieren vom letzten und Vorbereiten auf den nächsten Wettkampf hin und her pendle. Im Winter kommen in der Woche dann schon mal 150 bis 170 Laufkilometer zusammen. “
Eine Spaß- und Gaudiaktion war es übrigens auch, die zum Weltrekordversuch in Hamburg führte: „Ich wurde zwei Wochen vor dem Versuch von einem befreundeten Laufveranstalter, Sven Hindl von der Wechselszene, angerufen. Der hat mich gefragt, ob ich Lust und Zeit auf was ziemlich Verrücktes hätte. Da musste ich natürlich nicht zweimal überlegen und hab zugesagt!“, erinnert sich Mayerhöfer, der zwar schon immer sportlich unterwegs war, aber nicht von Kindheit an auf Laufstrecken zu Hause ist.
„Ich hab ganz klassisch mit Fußball angefangen. Nach einer Knieverletzung hab ich mich dann dazu entschlossen, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen und mich nur noch dem Laufen zu widmen. Joggend bin ich eigentlich schon immer unterwegs. Zum richtigen Laufen bin ich aber erst 2009 gekommen. Damals bin ich zusammen mit einem Fußballkumpel meinen ersten Marathon in Hamburg gelaufen.“
Seitdem hat ihn das Marathonlaufen nicht mehr losgelassen. Der Anspruch ist im Laufe der Jahre gewachsen. „Die ersten Läufe bin ich anfänglich nur gegen mich und meine mir gesetzten Ziele gelaufen. Mittlerweile versuche ich schon, wenn möglich, um die Stockerlplätze mitzulaufen. Ich bin aber der Letzte, der das Ganze in irgendeiner Art verbissen sieht!“
Zurück in die Schule, in den Lehreralltag. Irgendwann haben auch Schüler und Kollegium gemerkt, dass dieser Felix Mayerhöfer ganz gut dabei ist. Plätze auf dem Podium wurden mehr. Kein Wunder, startet er doch durchaus mal an zwei Wettkämpfen pro Wochenende. Doch nach dem Anzug-Marathon wurde auch der Rummel in der Schule etwas größer: „Die Schüler finden das natürlich schon ziemlich cool. Ich musste sogar Autogramme geben am Montag nach dem Rekordversuch. Bei den Kollegen kommt es größtenteils auch sehr gut an. Solange ich am Montag nach meinen Marathons wieder pünktlich an der Schule bin und sie mich nicht vertreten müssen ist alles gut!“
Und als ob Marathon, kürzere Wettkampfstrecken und Trainingskilometer nicht genug wären, geht Felix Mayerhöfer zudem auch bei Triathlons an den Start. „Triathlon mach ich zum Ausgleich, wobei ich im Training die beiden anderen Disziplinen Radfahren und Schwimmen leider viel zu sehr vernachlässige. Aber Laufen macht mir halt einfach am meisten Spass. Jetzt muss ich aber dann wirklich mal damit anfangen, Radkilometer zu machen, damit ich beim Chiemsee Triathlon und beim Ironman in Frankfurt einigermaßen gut durchkomme.“
Und allerspätestens hier möchte man meinen, dass der 36-Jährige keine Zeit für irgendwelche (unsportlichen) Hobbies hat. Aber: weit gefehlt! „Meine Freizeit verbringe ich dann, wie soll es auch anders sein, wieder mit Sport. Diesmal passive als Zuschauer beim Basketball, Fußball und Eishockey. Aber auch die üblichen Dinge wie Kino, Konzerte, Freunde treffen oder Essengehen kommen nicht zu kurz.“
Gefragt nach einem nächsten Ziel oder Wunsch, kommt eine unerwartete Antwort. Es geht nicht ums Laufen. „ Ich hoffe, dass es heuer mit einer Versetzung in meine Heimat klappt!“
Lauftipps von Felix Mayerhöfer
Welche Tipps oder Ratschläge kannst du Einsteigern geben?
Verabredet euch mit Freunden und macht lockere Ratsch-Läufe. Solange man sich dabei unterhalten kann, kann eigentlich nichts schiefgehen. Fangt mit kurzen Strecken an und steigert euch kontinuierlich. Meldet euch auch mal bei Volksläufen an und ihr werdet sehen, wie viel Spass es macht unter „Wettkampfbedingungen“ zu laufen. Die Hauptsache ist: Habt Spaß am Laufen!
Was ist der größte Fehler, den man als Einsteiger oder auch als „alter Hase“ machen kann?
Bei Einsteigern ist oft das Problem, dass sie zu schnell zu viel wollen. Lasst euch Zeit, trainiert kontinuierlich, nur dann können sich Körper, Gelenke, Muskeln und Sehnen an die neue Belastung anpassen und nur dann ist Laufen auch gesund. Wenn ihr dann bereits fit seid und euch für einen Volkslauf anmeldet, lasst euch vom Rennfieber nicht anstecken. Die meisten laufen viel zu schnell los und nach dem ersten Kilometer ist der Tank dann schon leer. Lauft euer Tempo vom Start bis zum Ziel.
Warum läufst du? Spaß? Ehrgeiz? Weil es gesund ist? Laufsucht?
Von allem ein bisschen. Hauptsächlich macht es mir mal einen riesengroßen Spaß. Natürlich möchte ich mich auch mit anderen messen, um zu schauen, ob das Training was bringt. Und irgendwie ist es schon eine Art Sucht, wobei das Wort immer so eine negative Tendenz mit sich bringt. Ich würde mal sagen: Ich bin „positiv laufsüchtig“. (aha)














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