11.08.2021 - 12:07 Uhr
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Film ab – Ein Tag hinter den Kino-Kulissen

Popcorn-Duft, gedimmtes Licht, begeisterte Kinderaugen – lange acht Monate mussten Kinofans darauf verzichten, die Vorhänge im Cineplexx Amberg blieben zu. Doch jetzt kommt wieder Leben auf die Leinwand. Ein Nachmittag im Amberger Kino.

Im Cineplexx Amberg kehrt wieder Leben ein.
von Laura Schertl Kontakt Profil

Lange Schlangen bilden sich vor den Kassen. Das Publikum ist jung und vorwiegend männlich. Das mag an der Premiere von „Fast and Furious 9“ liegen, die heute anläuft. Oder an „Godzilla vs Kong“. Für Actionfans ist an diesem Tag einiges geboten. Zwischendrin Familien mit Kindern, die Tickets kaufen für „Die Croods – alles auf Anfang“ oder „Peter Hase 2“. Die Popcornmaschine läuft, Tüten werden gefüllt und Nachos vorbereitet. Ein Treiben, dass Theaterleiter Stephan Götz lange nicht mehr erleben durfte: „Wir hatten jetzt acht Monate zu, es ist wirklich schön, wieder öffnen zu können. Und die Resonanz ist auch super: ich habe das Gefühl, die Leute sind ausgehungert. Da ist es oftmals fast egal, welcher Film gerade läuft – Hauptsache Kino.“ Trotzdem gelten auch hier noch immer andere Regeln als sonst. Abstände müssen eingehalten werden, nur drei Kassen dürfen öffnen, Säle dürfen nicht voll besetzt werden. Das wirkt sich auf das Programm aus: „Weil die Vorstellungen deshalb nur zu etwa 30 Prozent ausgelastet sind, müssen wir beliebte Vorstellungen doppelt oder dreifach anbieten“, erzählt Stephan Götz.

Geduldige Besucher

An der Kasse hat Andrej Zimmermann jetzt alle Hände voll zu tun. Der 27-Jährige arbeitet schon seit fünf Jahren hier im Kino, anfangs als Minijob, jetzt in Teilzeit. „Meistens machen wir hier Kasse und Einlass. Aber ich arbeite mittlerweile auch im Büro.“ Es ist kurz vor fünf, gleich beginnt die Premiere von „Fast and Furious“. Die Schlangen sind lang, Andrej Zimmermann verkauft zusammen mit einer Kollegin Tickets, empfiehlt Sitzplätze, bringt Popcorn und Getränke – und hat dabei immer ein Lächeln auf den Lippen. „Man darf sich einfach nicht stressen lassen, wenn mal viel los ist. Die meisten Besucher sind wirklich verständnisvoll, wenn es um das Einhalten von Regeln geht.“ Eine Erfahrung, die auch Stephan Götz gemacht hat: „Wir waren in der ersten Woche sehr überrascht, wie viele Menschen gekommen sind und dass der Großteil sehr geduldig ist und sich an die Vorgaben hält.“ Ein paar Minuten vor Filmbeginn übernimmt ein Mitarbeiter die dritte Kasse, damit auch noch alle rechtzeitig in ihren Kinosaal kommen.

Großes Filmangebot

Die zahlreichen Lockdowns hat das Kino gut überstanden, erzählt Stephan Götz: „Die staatlichen Hilfen waren gut aufgestellt und auch die Fördertöpfe waren ordentlich ausgelegt, sogar kleinere Umbauten konnten wir so finanzieren.“ Jetzt können sich Kino-Liebhaber wieder in die Filmwelt entführen lassen. Das Angebot ist groß: „Während der Lockdowns haben sich einige Filme angestaut, also kommen jetzt viele Filme rein. Ich könnte mir vorstellen, dass es dafür aber im nächsten Jahr eine Flaute gibt.“ Die Filme selbst bekommen Kinos über sogenannte Verleiher. Viele Filmstarts sind für bestimmte Zeitpunkte festgelegt, die restlichen freien Plätze füllt Stephan Götz zusammen mit seinem Team und dem Filmeinkauf Bayreuth auf. Aber nicht jeden Film, den sie gerne hätten, bekommen sie auch: „Oftmals entscheidet der Verleiher, welche Filme wo laufen können. Manche Filme bekommen wir dann gar nicht, weil Amberg dafür zu klein ist, sie die Zielgruppe hier nicht sehen oder ähnliches“, erklärt Stephan Götz.

Geringere Auslastung

Die Dateien selbst bekommt das Kino dann nicht wie früher per Rolle oder Festplatte, sondern online. Montag und Dienstag wird das Programm geplant und im Kassensystem angelegt, Mitarbeiter wie Andrej Zimmermann können dann direkt für die eingeplanten Termine Karten verkaufen. Der Techniker kann das Programm dann außerdem direkt auf die Server ziehen, die Filme starten automatisch zur festgelegten Zeit. In den ersten beiden Juli-Wochen besuchten knapp 7.000 Kunden die Vorstellungen. Keine schlechte Zahl, trotzdem sind es in normalen Zeiten rund 8.000 Gäste pro Woche, in Hochzeiten sogar bis zu 12.000. „Für den Sommer ist diese Auslastung okay, aber wenn es auf den Herbst oder den Winter zugeht, habe ich schon etwas Sorge“, erzählt Stephan Götz. Doch derzeit lockt ein völlig neues Kinoerlebnis die Besucher: Das 4DX-Kino, in dem an diesem Abend die Premiere von „Fast and Furious“ läuft.

Neues Kinoerlebnis

Hier werden Zuschauer von ihren Sitzen durchgeschüttelt, während Vin Diesel sich eine wilde Verfolgungsjagd liefert. Effektgeräte an der Decke sorgen für eine leichte Brise im Saal – oder einen wilden Sturm. Es blitzt, raucht und riecht nach verbrannten Reifen. Manch einer hält sein Popcorn hier etwas fester im Arm, seine Cola möchte man hier gerne anschnallen. Das 4DX-Kino ist nichts für Zartbesaitete. „Wir haben nicht umsonst Warnhinweise vor den Vorstellungen. Gerade für kleine Kinder ist 4DX noch nichts, aber auch für Menschen, denen leicht schwindelig wird“, erklärt Stephan Götz. Die Spur, also die Regieanweisungen für Sitzbewegung, Duft, Licht und Ton, wird schon in Hollywood erstellt und dann mit dem Film an das Kino weitergegeben. Wie stark oder leicht die Bewegungen, das Licht oder der Geruch ausfallen liegt also nicht in der Hand des jeweiligen Kinos. „Bei manchen Kinderfilmen haben nachher die Besucher geglaubt, dass unsere Technik kaputt war, weil in diesen Filmen meistens nicht allzu viel passiert“, erzählt Stephan Götz. Für die Großen ist das 4DX aber allemal ein Erlebnis.

Neue Mitarbeiter

Auch Andrej Zimmermann erlebt den Ansturm auf das neue Kino. „Jetzt, wo auch noch „Fast and Furious“ anläuft – und das im 4DX Kino – ist abends schon einiges los. Aber mir macht die Arbeit hier sehr Spaß. Die meisten Menschen sind gut gelaunt und freuen sich auf ihren Film, das finde ich am Besten“, erzählt er. Schon seine Brüder haben hier im Kino gearbeitet, er ist bis heute geblieben. „Aktuell möchte ich einfach ein bisschen arbeiten. Und hier lernt man praktisch alles: Ob den Umgang mit Stress, Büroarbeit oder Organisation.“ Denn hinter dem abendlichen Kinobetrieb steckt ein klassischer nine-to-five Job. Programmplanung, Reinigung, Vorbereitung. All das ist ebenso Teil des Kinos. Auch wenn Stephan Götz während des Lockdowns viele seiner Mitarbeiter halten konnte, brauchen er und sein Team wieder tatkräftige Unterstützung. Zu Spitzenzeiten waren hier 52 Menschen beschäftigt, derzeit sind es 19. „Wir suchen derzeit wieder neue Mitarbeiter für alle Bereiche. Für die Auslastung sind wir einfach zu wenige“, erzählt er.

Angst, dass Streaming-Dienste dem Kino den Rang ablaufen, hat Stephan Götz nicht. „Das Kino ist schon so oft totgesagt worden. Trotzdem gibt es uns seit über 120 Jahren. Die Leute kommen immer, wenn das Erlebnis stimmt.“ Und dieser Eindruck bestätigt sich an diesem Abend. Andrej Zimmermann und seine Kollegen arbeiten sich durch die vielen Besucher, es herrscht reger Betrieb. Und das trotz der beschränkten Besucherzahl. „Am meisten ist hier immer Freitag und Samstag Abend los. Oder bei Premieren wie heute“, erzählt Andrej Zimmermann. Zeit für lange Gespräche hat er nicht. „Ich muss dann mal wieder“, sagt er, bevor er wieder an die Kasse zurückkehrt.

Während den Filmen kehrt im Foyer ein bisschen Ruhe, fast ein bisschen Romantik ein. Ein paar vereinzelte Besucher warten bei den Sitzgruppen, die Kinder naschen möglichst unauffällig vom Popcorn. „Dann habt ihr für den Film nichts mehr“, ermahnt sie die Mutter. Aber wer weiß, vielleicht sind „Die Croods“ sowieso viel zu spannend, um dann noch ans Essen zu denken. Und wer kann schon einer warmen Tüte Popcorn widerstehen?

Corona-Helden im Cineplex Amberg

Amberg

 

 

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